Herbert Hirth – der erste Herthaner in der Nationalelf
Herbert Hirth hat eine Fußnote in der Geschichte von Hertha BSC geschrieben, und zwar eine, die bis heute gilt. Am 4. April 1909 stand er in Budapest in der Nationalelf, zusammen mit seinem Vereinskollegen Fritz Schulz. Die beiden waren die ersten Nationalspieler, die der Verein je stellte. Hirth, Dreher von Beruf, spielte sechzehn Jahre für Hertha, wurde viermal Berliner Meister und verteidigte in einem Endspiel um den Kronprinzenpokal. Viel mehr ist über ihn nicht bekannt. Aber sein einziges Länderspiel war eines der wildesten der frühen Jahre.
»Geboren: 23. Januar 1884 / Heimatort: Berlin / Vereine: Hertha 92, Berlin (heute Hertha-BSC.) / Stammposten: Rechter Verteidiger / Beruf: Dreher.«
Ein Berliner bei Hertha 92
Herbert Hirth kommt am 23. Januar 1884 in Berlin zur Welt. Zur Saison 1904/05 taucht er beim BFC Hertha 92 auf, als Abwehrspieler. Den Namen Hertha BSC trägt der Verein erst ab 1923.
Schon in Hirths zweiter Saison klappt es mit dem Titel. 1906 wird Hertha Berliner Meister, mit einem Punkt Vorsprung vor dem BFC Preussen. Das bedeutet die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Auf dem Mannschaftsfoto der Saison 1905/06, das Libero abdruckt, steht Hirth als Dritter von links.
Das Viertelfinale am 29. April 1906 in Dresden wird zur Formsache: 7:0 gegen den SC Schlesien Breslau. Laut Libero interessierte das Spiel so wenige, dass niemand die Torschützen notierte. 150 Zuschauer waren da.
Im Halbfinale am 6. Mai auf dem Viktoria-Platz in Mariendorf wartet der VfB Leipzig. 2.000 Zuschauer sehen eine rasante erste Halbzeit: In der 25. Minute führt Leipzig, zwei Minuten später gleicht Hertha per Elfmeter aus. 31. Minute 1:2, 32. Minute 2:2, 39. Minute 2:3 durch einen Elfmeter von Edgar Blüher. Dabei bleibt es. Hertha habe »bis zur letzten Minute einen großen Kampf« geliefert, schreibt Libero. Der VfB wird drei Wochen später Deutscher Meister. Für Hirth bleiben es die einzigen beiden Endrundenspiele seiner Laufbahn.
Der große Tag: Wilde Tore in Budapest (April 1909)
Im Frühjahr 1909 macht der DFB etwas, das heute undenkbar wäre. Am 4. April stellt er zwei Nationalmannschaften gleichzeitig auf. Eine süddeutsche Elf spielt in Karlsruhe gegen die Schweiz, eine zweite, zusammengesetzt aus Spielern aus dem Norden, der Mitte und Berlin, fährt nach Budapest. Libero spricht von »zwei gleichberechtigten Nationalteams«. Hirth gehört zur zweiten, genau wie sein Hertha-Kollege Fritz Schulz, der 1906 noch in Herthas Läuferreihe stand und in Budapest Linksaußen spielt.
Gespielt wird auf dem Millenáris-Platz. Schiedsrichter ist der Wiener Hugo Meisl. Libero zählt 9.000 Zuschauer, »Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft« 15.000. Beim DFB schwärmte man damals, so viele habe es noch bei keinem Länderspiel gegeben.
Hirth verteidigt zusammen mit Heinrich Riso vom VfB Leipzig, dahinter steht Adolf Werner im Tor, der drei Wochen zuvor in Oxford trotz neun Gegentoren gefeiert worden war. Kapitän ist Camillo Ugi.
Die Abwehr hat einen unruhigen Nachmittag. Nach vier Minuten liegt Deutschland hinten, eine Minute später gleicht Willi Worpitzky aus. Nach 28 Minuten führt Ungarn wieder, nach 33 Minuten trifft wieder Worpitzky. In der 60. Minute geht Ungarn zum dritten Mal in Führung. In der 79. Minute gibt es Elfmeter für Deutschland, Kapitän Ugi verwandelt. 3:3.
Die gemischte Elf wird hinterher ausdrücklich gelobt, laut der »Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft« wegen »ihres Spielverständnisses sowie ihrer Kombinationen«. Für Hirth bleibt es trotzdem das einzige Länderspiel. Das Mannschaftsfoto aus Budapest gibt es noch: Hirth steht in der hinteren Reihe zwischen einem ungarischen Spieler und Willi Worpitzky, die Deutschen in dunklen Trikots mit Wappen auf der Brust.
Ein Eigentor und drei Kriegstitel
Zwei Wochen nach Budapest steht Hirth im ersten Endspiel um den Kronprinzenpokal, dem Wettbewerb der regionalen Auswahlmannschaften. Am 18. April 1909 verteidigt er in Mariendorf für Berlin neben Otto Hantschick. Mitteldeutschland gewinnt 3:1. Im Herbst darauf spielt er noch einmal für die Berliner Auswahl, im Viertelfinale gegen die Mark. Berlin gewinnt 5:2, aber das Tor zum 2:2 schießt Hirth laut Libero ins eigene Netz. Ins Finale 1910 zieht Berlin ohne ihn.
Bei Hertha bleibt er bis 1920. Laut Wikipedia wird er mit dem Verein noch dreimal Berliner Meister, 1915, 1917 und 1918. Um die Deutsche Meisterschaft wird in diesen Kriegsjahren nicht gespielt. 1920 hört er auf.
Was danach kommt, verraten die Quellen nicht. Laut Wikipedia stirbt Herbert Hirth am 11. Oktober 1976, im Alter von 92 Jahren. Wo, ist nicht bekannt.
Herbert Hirth auf einen Blick
Geboren: 23.1.1884 in Berlin
Gestorben: 11.10.1976 (laut Wikipedia; Ort unbekannt)
Vereine: BFC Hertha 92 (1904–1920)
Position: rechter Verteidiger
Titel: Berliner Meister 1906, 1915, 1917, 1918; Kronprinzenpokal-Finalist 1909 (mit Berlin)
Bilanz: 1 Länderspiel, 0 Tore (1909)
Beruf: Dreher
Nationalspieler Nr.: 32 (Debüt 4. April 1909 in Budapest)
Quellen
Wikipedia: Herbert Hirth · Wikipedia: Kronprinzenpokal 1908/09 · Wikipedia: Kronprinzenpokal 1909/10 · Die deutschen Nationalspieler (1939) · Libero D 3, 1992 (IFFHS) · Libero 36 (IFFHS) · Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft · Kicker-Almanach 1996