Otto Völker – alles außer Rechtsaußen und Torwart
Es gibt Spieler, die eine Position haben. Und es gibt Otto Völker. Das Lexikon von 1939 zählt nicht auf, wo er spielte, sondern wo nicht: rechts außen und im Tor. Überall sonst war der Berliner einsetzbar, meist als Läufer, gelegentlich als Verteidiger, einmal sogar als Mittelstürmer in einem Pokalhalbfinale. Ein Leben lang, so steht es bei Tauber, spielte er für den BFC Preussen. Mit 19 wurde er Berliner Meister, mit 20 Nationalspieler, einmal, 1913 gegen England. Sein großer Tag kam fünf Jahre später, mitten im Krieg, in einer Verlängerung in Mariendorf.
»Stammposten: Allround-Spieler, bis auf Rechtsaußen und Torwart alles! (meist Mittelläufer, Außenläufer oder Verteidiger.)«
Ein Preusse aus Berlin
Otto Völker wird am 2. März 1893 in Berlin geboren. Laut der Statistik von Fritz Tauber spielt er von 1905 bis 1922 für den BFC Preussen. Mehr über seine Jugend verraten die Quellen nicht, auch keinen Beruf.
1911/12 gibt es in Berlin zum ersten Mal nur noch eine Meisterschaft, weil sich die konkurrierenden Verbände zusammengeschlossen haben. Preussen gewinnt sie. Damit ist der Verein für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Am 5. Mai 1912 spielen die Berliner in Hamburg gegen Holstein Kiel, der 19-jährige Völker als rechter Läufer, neben Walter Sorkale, Rudolf Droz und Otto Thiel. Robert Krüger bringt Preussen in Führung, und lange hält sie. Dann treffen die Kieler in der 84. und 87. Minute. 1:2, Endrunde vorbei. Holstein wird danach Deutscher Meister.
Drei Debütanten gegen England
Im Herbst 1912 holt ihn der Brandenburger Verband in seine Auswahl. Beim ersten Einsatz, am 13. Oktober 1912 in Breslau, gewinnt Brandenburg 5:0, Völker spielt links in der Läuferreihe. Im Halbfinale am 10. November in Berlin heißt es 5:1 gegen Norddeutschland.
Am 21. März 1913 folgt das Länderspiel. Deutschland empfängt Englands Amateure auf dem Viktoria-Platz in Mariendorf, es ist Freitag, 17.000 Zuschauer kommen. Die ganze deutsche Läuferreihe besteht aus Debütanten: Otto Jungtow von Hertha, »Edy« Pendorf aus Leipzig und Völker. Vor ihnen stürmen Routiniers, Kapitän ist Adolf Jäger. Gegen die Engländer um Vivian Woodward reicht das nicht. George Douglas trifft in der 22. Minute, Woodward kurz vor der Pause, Douglas noch einmal in der 70. Minute. 0:3. Für Völker bleibt es das einzige Länderspiel. Auf dem Mannschaftsfoto, das »Libero« abdruckt, steht er als Fünfter von links, im dunklen Trikot mit dem Adler.
Der große Tag: Kronprinzenpokal-Finale in Mariendorf (Mai 1918)
Mit Brandenburg kommt Völker immer wieder weit – und verliert. Am 8. Juni 1913 steht er im Finale um den Kronprinzenpokal, das im Rahmen der Eröffnungsfeiern des neuen Deutschen Stadions stattfindet. Westdeutschland gewinnt 5:3. Im Februar 1914 ist im Halbfinale in Hannover Schluss, 2:3 gegen den Norden. 1914 erhält er laut Wikipedia den Einberufungsbefehl. Am 12. November 1916 spielt er trotzdem wieder für Brandenburg, im Halbfinale in Berlin, diesmal als Mittelstürmer. 0:4 gegen Norddeutschland.
Dann der 19. Mai 1918. Der Krieg ist noch nicht vorbei, als Brandenburg und Norddeutschland in Mariendorf das Finale bestreiten, wieder auf dem Viktoria-Platz. 8.000 Zuschauer sind da, Schiedsrichter ist Fritz Kiemeyer aus Leipzig. Völker bildet mit Karl Tewes und Arthur Marohn von Viktoria 89 die Läuferreihe. Beim Gegner stürmt der alte Bekannte Adolf Jäger.
Lange fällt kein Tor. In der 76. Minute trifft Hohmann aus Kiel für den Norden. Vier Minuten später gleicht Willi Golze aus. Verlängerung. In der 95. Minute bringt Adolf Trotschinsky Brandenburg in Führung, in der 112. Minute macht Walter Fritzsche alles klar. 3:1.
Es ist der erste Sieg Brandenburgs in diesem Wettbewerb. Für Völker ist es nach einem verlorenen Finale und zwei verlorenen Halbfinals der einzige große Titel.
»Am 19. Mai 1918 glückte ihm endlich der Titelgewinn.«
Das Ende bleibt im Dunkeln
Nach dem Krieg spielt Völker weiter für Preussen, 1918/19 wird der Verein Dritter in Berlin. 1922 endet laut Tauber seine Vereinszeit.
Über die folgenden Jahrzehnte ist nichts überliefert. Wikipedia nennt als Todestag den 24. Dezember 1945 und beruft sich dafür auf die Gräbersuche des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Wo und unter welchen Umständen Otto Völker starb, ist nicht bekannt.
Otto Völker auf einen Blick
Geboren: 2.3.1893 in Berlin
Gestorben: 24.12.1945 (Ort unbekannt)
Vereine: BFC Preussen Berlin (laut Tauber 1905–1922)
Position: Allroundspieler, meist Läufer
Titel: Berliner Meister 1912; Kronprinzenpokal-Sieger 1918 mit Brandenburg; Kronprinzenpokal-Finalist 1913
Bilanz: 1 Länderspiel, 0 Tore (1913)
Nationalspieler Nr.: 96 (Debüt 21. März 1913 in Berlin)
Länderspiele
Quellen
Wikipedia: Otto Völker (Fußballspieler) · Wikipedia: Kronprinzenpokal 1912/13 · Wikipedia: Kronprinzenpokal 1917/18 · Die Deutschen Nationalspieler (1939) · Libero D 3, 1992 (IFFHS) · Libero 36 (IFFHS) · Kicker-Almanach 1996 · DFB-Datencenter: Deutschland – England 0:3 (1913)