Willi Fick – das Tor von Arnheim

Willi Fick hat für Deutschland genau ein Länderspiel bestritten und darin genau ein Tor geschossen. Es war die Führung, kurz vor der Pause, in Arnheim gegen Holland. Er war 19 Jahre alt. Mit Holstein Kiel stand er in zwei Endspielen um die deutsche Meisterschaft, eins ging verloren, eins wurde gewonnen. Dann kam eine Krankheit. Willi Fick wurde nur 22 Jahre alt.

Willi Ficks kurzes Fußballerleben · Lurup und Kiel 1891–1913 (Willi Fick)
Willi Ficks kurzes Fußballerleben · Lurup und Kiel 1891–1913

»Da gelang den Kielern in einem furiosen Endspurt noch die Wende, die Willy Fick einleitete.«

— Libero Nr. 36 (IFFHS), über das Halbfinale 1912

Drei Brüder für Holstein

Willi Fick kommt am 17. Februar 1891 in Lurup im Kreis Pinneberg zur Welt, das heute zu Hamburg gehört. Als Kind zieht er mit der Familie nach Kiel. Dort wächst eine Fußballfamilie heran: Willi und seine Brüder Hans und Hugo spielen alle für den FV Holstein. Wikipedia schreibt, die drei hätten die frühen Erfolge des Vereins mit begründet.

Ab 1908 gehört Willi zur ersten Mannschaft. Holstein gewinnt in jedem seiner Jahre die Bezirksmeisterschaft von Kiel, dreimal in Folge auch die norddeutsche Meisterschaft. In den Aufstellungen heißt er »Fick I«, meist spielt er halblinks.

Im Frühjahr 1910 geht es zum ersten Mal um mehr. Im Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft trifft Kiel am 17. April in Hamburg auf den BFC Preussen aus Berlin. Die Berliner führen, Kiel gleicht aus, und in der 41. Minute schießt Fick das 2:1. Am Ende steht es 4:1. Eine Woche später hat der 19-Jährige ein Länderspiel.

Der große Tag: Arnheim (April 1910)

Sonntag, 24. April 1910, Arnheim, Sportplatz Klarenbeek. Die Niederlande gegen Deutschland, 10.000 Zuschauer. Schiedsrichter ist der Engländer John T. Howcroft. Die Holländer haben einen englischen Trainer, Edgar Chadwick. Die Deutschen haben keinen. Ihre Elf ist bunt gemischt, aus Berlin, Leipzig, Karlsruhe, Stuttgart, Nürnberg, Hamburg und Kiel. Kapitän ist der Berliner Torwart Christian Schmidt.

In der Mitte des Sturms steht Willi Fick. Neben ihm Adolf Gehrts aus Hamburg und der Stuttgarter Eugen Kipp, der schon sein fünftes Länderspiel bestreitet. Hinter ihm, in der Läuferreihe, zwei Männer, die er gerade erst als Gegner erlebt hat oder bald erleben wird: Gustav Unfried vom BFC Preussen, eine Woche zuvor in Hamburg unterlegen, und der Karlsruher Max Breunig.

Nach 23 Minuten bringt Kipp Deutschland in Führung. Guus Lutjens gleicht sechs Minuten später aus. Dann, in der 42. Minute, trifft Fick zum 2:1. Mit dieser Führung geht es in die Pause.

Die zweite Halbzeit gehört den Holländern. Jan Thomée gleicht in der 73. Minute aus. In der 82. Minute unterläuft dem Leipziger Verteidiger Walter Hempel ein Eigentor. In der 87. Minute macht Thomée das 4:2. Laut DFB-Datencenter hatte Breunig zudem in der 75. Minute einen Elfmeter verschossen.

Niederlande – Deutschland 4:2, Arnheim, 24. April 1910 · Ficks Tor zum 2:1 in der 42. Minute (Willi Fick)
Niederlande – Deutschland 4:2, Arnheim, 24. April 1910 · Ficks Tor zum 2:1 in der 42. Minute

Für Fick bleibt es das einzige Länderspiel. Sein Tor steht in jeder Statistik, auch im Lexikon von 1939: »1 Tor: 1910 Holland 2:4«.

Zwei Endspiele

Drei Wochen nach Arnheim steht Fick im Finale. Am 15. Mai 1910 spielt Holstein Kiel in Köln gegen den Karlsruher FV. Die Kieler verteidigen, ihr Torwart hält fast alles. Erst in der Verlängerung verwandelt Max Breunig, eben noch Ficks Mitspieler in Arnheim, einen Elfmeter. Kiel verliert 0:1.

Zwei Jahre später gibt es die Revanche. Im Halbfinale am 5. Mai 1912 liegt Kiel gegen Preussen lange zurück. Dann gelingt den Kielern in den letzten Minuten noch die Wende zum 2:1. Die hat, so schreibt es Libero, Willi Fick eingeleitet.

Im Endspiel am 26. Mai 1912 in Hamburg geht es wieder gegen den Karlsruher FV. 9.000 Zuschauer sind auf dem Victoria-Platz an der Hoheluft. Willi spielt halblinks, sein Bruder Hugo halbrechts. In der 52. Minute gibt es Elfmeter für Kiel. Laut Wikipedia war Willi Fick im Strafraum zu Fall gekommen. Ernst Möller verwandelt, es bleibt beim 1:0. Holstein Kiel ist Deutscher Meister.

Ein früher Tod

Wikipedia schreibt, Fick sei in diesem Endspiel schon von einer Krankheit gezeichnet gewesen, vermutlich Tuberkulose. Libero erzählt es etwas anders: Wenige Monate nach dem Finale sei er schwer erkrankt und habe seine Laufbahn abrupt abbrechen müssen.

Willi Fick stirbt am 5. September 1913 in Kiel. Er ist 22 Jahre alt. Das Lexikon von 1939 nennt als Beruf »Polizeidiätar in Ausbildung«. Wikipedia schreibt dagegen, er sei gestorben, noch bevor er die Ausbildung zum Polizisten beginnen konnte.

Manche Quellen lassen ihn 1915 im Krieg fallen. Das ist falsch, schreibt Wikipedia, und betreffe wohl seinen Bruder Hans. Hans Fick fiel laut Libero schon am 23. September 1914. Hugo Fick spielte nach dem Krieg noch für den Hamburger SV und stand 1924 mit ihm im Endspiel um die deutsche Meisterschaft.

Willi Fick auf einen Blick

Geboren: 17.2.1891 in Lurup (Kreis Pinneberg, heute Hamburg)
Gestorben: 5.9.1913 in Kiel
Vereine: Holstein Kiel (1908–1913)
Position: Halblinks, im Länderspiel Mittelstürmer
Titel: Deutscher Meister 1912; Deutscher Vizemeister 1910; Norddeutscher Meister 1910, 1911, 1912
Bilanz: 1 Länderspiel, 1 Tor (1910)
Beruf: Polizeidiätar in Ausbildung
Nationalspieler Nr.: 55 (Debüt 24. April 1910 in Arnheim gegen die Niederlande)

Quellen

Die Deutschen Nationalspieler (1939) · Libero 36 · Libero D 3/1992 · Fußball-Weltzeitschrift/Libero International · Kicker-Almanach 1996 · Wikipedia: Willi Fick · Wikipedia: Hugo Fick · Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1909/10 · Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1911/12 · DFB-Datencenter: Niederlande – Deutschland 1910 · DFB-Datencenter: Finale 1912 · voetbalstats.nl