Rudolf Droz – der Magdeburger mit den fünf Toren
Rudolf Droz war das, was man heute einen Pendler zwischen zwei Fußballwelten nennen würde. Er lernte das Spiel in Magdeburg, wurde in Berlin Meister und kehrte später an die Elbe zurück. Ein Länderspiel steht in seiner Bilanz, ein Sieg in Stockholm. Sein persönlich größter Nachmittag aber fand an einem Novembertag 1909 in Breslau statt: Da traf er fünfmal.
»… war trotz seiner Jugend bereits sehr kreativ in seiner Spielweise.«
Victoria Magdeburg: immer knapp dahinter
Rudolf Heinrich Max Droz wird am 9. Januar 1888 in Magdeburg geboren. Ab 1904 spielt er für den Magdeburger FC Victoria 1896. Das IFFHS-Heft »Libero« lobt ihn als vielseitig: rechter Läufer oder Halbrechter, beides kann er. Und das schon früh »sehr kreativ«.
Victoria gewinnt mit ihm dreimal den Gau Mittelelbe, 1906, 1907 und 1908. Dann aber kommt jedes Mal ein Leipziger Klub in die Quere. 1906 verliert Victoria das Halbfinale der mitteldeutschen Endrunde 0:5 gegen den VfB Leipzig. 1907 steht Droz im mitteldeutschen Finale, wieder gegen den VfB, diesmal nur 0:1. 1908 erneut Finale, jetzt gegen Wacker Leipzig, 2:3 nach Verlängerung. Dreimal nah dran, dreimal nicht ganz.
Berlin und die Preussen
1908 zieht Droz nach Berlin und schließt sich dem BFC Preussen an. Dort bleibt er laut Wikipedia bis 1920. Mit den Preussen wird er 1910 und 1912 Berliner Meister. Beide Male ist in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft sofort Schluss, beide Male in Hamburg gegen Holstein Kiel: 1:4 im April 1910, 1:2 im Mai 1912.
Auch in der Berliner Auswahl hat er seinen Platz. Die Stadtauswahlen der Regionalverbände spielen damals um den Kronprinzenpokal, und Droz gehört mehrere Jahre dazu. Im Herbst 1911 trifft er für Brandenburg gegen die Balten und im Halbfinale gegen Norddeutschland.
Der große Tag: Fünf Tore in Breslau (November 1909)
Den Auftritt seines Lebens hat er aber schon zwei Jahre früher. Am 14. November 1909 spielt Berlin im Halbfinale des Kronprinzenpokals in Breslau gegen Südostdeutschland. Auf dem Platz des SC Schlesien sind 2.500 Zuschauer, Schiedsrichter ist Max Grafe aus Leipzig.
Die Berliner Elf ist gespickt mit Nationalspielern: Willy Tänzer in der Verteidigung, Paul Hunder in der Läuferreihe, Willi Worpitzky im Sturmzentrum. Droz spielt halbrechts. Neben ihm stehen zwei weitere Preussen, Edwin Dutton und Otto Thiel, hinten verteidigt der Preusse Wilhelm Schmidt.
Thiel bringt Berlin nach elf Minuten in Führung, drei Minuten später gleicht Hans Oppel aus. Danach gehört das Spiel Droz. In der 22. Minute trifft er zum 1:2, in der 30. zum 1:3, in der 42. zum 1:5. Dazwischen erhöht Worpitzky, und Dutton macht zur Pause das 1:6. Nach dem Wechsel treffen noch einmal Dutton und zweimal Droz, wann genau, hat der Chronist nicht festgehalten. Am Ende steht es 1:9.
»Er war eine Stütze des Magdeburger FC Victoria 1896. Später verbrachte er mehrere Jahre in Berlin, wo er für den FC Preussen spielte.«
Das Finale verliert Berlin am 10. April 1910 in Mariendorf 5:6 nach Verlängerung gegen Süddeutschland. Ob Droz dabei war, ist unklar: Wikipedia zählt ihn zu den Finalisten, die Finalaufstellung auf Wikipedia nennt ihn nicht.
Ein Länderspiel in Stockholm
Im Juni 1911 beruft ihn der DFB für die Reise nach Schweden. Am 18. Juni steht Droz in Stockholm im Sturm, halbrechts neben dem Viktorianer Otto Dumke, der an diesem Tag ebenfalls debütiert. Es wird Dumkes Tag: Er schießt drei Tore, Eugen Kipp eines, Deutschland gewinnt 4:2. Droz trifft nicht. Es bleibt sein einziges Länderspiel. Auf dem Gruppenbild der Reisegesellschaft steht er in Straßenkleidung zwischen Eugen Kipp und Torwart Adolf Werner.
Zurück an die Elbe
Irgendwann nach seiner Berliner Zeit geht Droz zurück nach Magdeburg. Dort lässt er sich als Kaufmann nieder und spielt laut »Libero« »nochmals für seinen alten Verein Victoria«. Wann genau, sagen die Quellen nicht.
Rudolf Droz stirbt am 27. November 1946 in Magdeburg, 58 Jahre alt.
Rudolf Droz auf einen Blick
Geboren: 9.1.1888 in Magdeburg
Gestorben: 27.11.1946 in Magdeburg
Vereine: Magdeburger FC Victoria 1896 (1904–1908), BFC Preussen Berlin (1908–1920), später wieder Victoria Magdeburg
Position: Halbrechter, auch rechter Läufer
Titel: Berliner Meister 1910 und 1912; mitteldeutscher Vizemeister 1907 und 1908; Gaumeister Mittelelbe 1906, 1907, 1908
Bilanz: 1 Länderspiel, 0 Tore (1911)
Beruf: Kaufmann
Nationalspieler Nr.: 77 (Debüt 18. Juni 1911 in Stockholm)
Quellen
Wikipedia: Rudolf Droz · Wikipedia: Kronprinzenpokal 1909/10 · Wikipedia: Kronprinzenpokal 1911/12 · Die Deutschen Nationalspieler (1939) · Libero D 3, 1992 (IFFHS) · Libero 36 (IFFHS) · Kicker-Almanach 1996