Walter Poppe – Braunschweigs erster Nationalspieler
Manche Fußballer brauchen Jahre für ihre besten Momente, Walter Poppe brauchte acht Tage. Am 12. April 1908 gewann der rechte Läufer mit Eintracht Braunschweig die Norddeutsche Meisterschaft, laut Wikipedia sogar mit einem eigenen Tor. Am 20. April stand er in Berlin in der Nationalelf, als erster Spieler seines Vereins. Danach berief der DFB ihn nie wieder, und das Länderspiel ging 1:5 verloren. Später wurde Poppe Bankier, und seine Unterschrift lautete »Walther« mit h.
»Acht Tage später debütiert Eintrachts erster Nationalspieler, Walter Poppe, in der deutschen Nationalelf.«
Ein Braunschweiger bei der Eintracht
Walter Poppe kommt am 5. März 1886 zur Welt, als »Heimatort« nennt das Nachschlagewerk von 1939 Braunschweig. Ab 1904 spielt er für die Eintracht, die damals noch Fußball- und Cricket-Club Eintracht 1895 heißt.
Früh kommt er in die große Fußballwelt, oder das, was man 1905 dafür hielt. Eintracht ist Meister im Herzogtum Braunschweig und darf zur Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Poppe spielt rechter Läufer. Am 9. April 1905 gewinnt Eintracht in Magdeburg 3:2 nach Verlängerung gegen den Hannoverschen FC 1896. Laut Libero schauen 100 Leute zu. Am 30. April folgt ein 2:1 nach Verlängerung gegen Victoria Magdeburg, vor 150 Zuschauern in Tempelhof. Im Viertelfinale am 14. Mai 1905 führt Eintracht zur Pause gegen Union 92 Berlin, verliert aber 1:4. Union wird kurz darauf Deutscher Meister.
Im Oktober 1905 bezieht der Verein seinen eigenen Platz an der Helmstedter Straße, mit Platz für etwa 3.000 Zuschauer. Ein Jahr später benennt er sich um in FC Eintracht von 1895.
Der große Tag: Endspiel gegen Victoria (April 1908)
In der Saison 1907/08 geht es um die Norddeutsche Meisterschaft. Die Eintracht schlägt am 22. März Hannover 96 mit 5:2 und am 29. März den Bremer SC 91 mit 4:3. Im Endspiel am 12. April 1908 wartet der FC Victoria 1895 aus Hamburg. Der Klub stellt in diesen Jahren gleich mehrere Nationalspieler, darunter Hans Weymar, Adolf Gehrts und Hermann Garrn.
Wo gespielt wurde, ist nicht ganz klar. Wikipedia nennt Braunschweig, die Vereinschronik der Eintracht schreibt »bei Victoria Hamburg«. Klar ist dagegen das Ergebnis. Braunschweig gewinnt 3:1, Schiedsrichter ist Quermann aus Hannover. Richard Queck trifft zweimal, das dritte Tor schießt laut Wikipedia Walter Poppe. Für Victoria trifft Garrn. Eintracht ist zum ersten Mal Norddeutscher Meister.
Nur acht Tage später steht Poppe in Berlin-Mariendorf auf dem Platz. Es ist Ostermontag, der 20. April 1908, und die Nationalelf spielt zum ersten Mal zu Hause. Poppe bildet mit dem Kapitän Arthur Hiller aus Pforzheim und Hans Weymar von Victoria Hamburg die Läuferreihe, also mit einem Spieler des eben besiegten Endspielgegners. Laut Tagesspiegel schneit es, 6.000 Zuschauer sind da. England führt nach fünf Minuten, Förderer gleicht per Elfmeter aus, am Ende steht es 1:5. Die »Mariendorfer Zeitung« urteilt hart. Fast die ganze Mannschaft habe »sehr mangelhaft« gespielt, nur die Berliner Verteidiger nimmt sie aus. Poppe wird im Bericht, wie ihn der Tagesspiegel wiedergibt, nicht einzeln erwähnt. Es bleibt sein einziges Länderspiel.
Die Saison ist damit noch nicht vorbei. Als Norddeutscher Meister fährt Eintracht zur Endrunde. Am 3. Mai 1908 geht es in Hamburg gegen den Duisburger SV, und die Braunschweiger verlieren 0:1. Dabei hätten sie ausgleichen können, doch der Duisburger Torwart hält einen Elfmeter. Er ist nebenbei auch noch Präsident des DFB.
»Die größte Chance der Braunschweiger vereitelte der DFB-Präsident Gottfried Hinze im Tor der Duisburger, als er einen Elfmeterball von ›Priemchen‹ Mues hielt.«
Ein Wiedersehen mit Hantschick, dann Hannover
Im neuen Kronprinzenpokal der Regionalverbände spielt Poppe für Norddeutschland. Am 21. Februar 1909 verliert die Auswahl im Halbfinale in Hamburg 1:4 gegen Berlin. Auf der anderen Seite verteidigt Otto Hantschick, zehn Monate zuvor noch sein Mitspieler in Mariendorf.
Zur Saison 1910/11 wechselt Poppe laut Wikipedia zu Hannover 96. Der Artikel beruft sich dafür auf die Vereinsnachrichten der Eintracht vom Oktober 1910. Die englische Wikipedia datiert den Wechsel erst auf 1912. 1913 soll er mit Hannover im Halbfinale der Norddeutschen Meisterschaft ausgerechnet gegen seinen alten Verein gespielt haben. Eintracht gewinnt am 18. Mai 1913 mit 4:1 und wird eine Woche später wieder Norddeutscher Meister. Auch das meldet Wikipedia, eine Aufstellung von Hannover 96 dazu hat sich nicht gefunden.
Laut Wikipedia endet seine Laufbahn 1914. Das Buch von 1939 nennt als Beruf »Bankier«. Auf seinem Foto dort unterschreibt er schwungvoll mit »Walther Poppe«. Walter Poppe stirbt am 24. Juni 1951. Einen Ort nennen die Quellen nicht.
Walter Poppe auf einen Blick
Geboren: 5.3.1886 (Heimatort Braunschweig)
Gestorben: 24.6.1951 (Ort unbekannt)
Vereine: Eintracht Braunschweig (1904–1910), Hannover 96 (1910–1914)
Position: rechter Läufer
Titel: Norddeutscher Meister 1908
Bilanz: 1 Länderspiel, 0 Tore (1908)
Beruf: Bankier
Nationalspieler Nr.: 15 (Debüt 20.4.1908 gegen England Amateure)
Quellen
Die deutschen Nationalspieler (1939) · Walter Poppe – Wikipedia · Norddeutsche Fußballmeisterschaft 1907/08 – Wikipedia · Deutsche Fußballmeisterschaft 1904/05 – Wikipedia · Kronprinzenpokal 1908/09 – Wikipedia · Eintracht Braunschweig – Chronik · Libero 36 (IFFHS) · Libero D 3 (1992) · Tagesspiegel: Anstoß in Berlin-Mariendorf (2007) · Kicker-Almanach 1996