Otto Bülte – »Otte«, der Mittelläufer aus Braunschweig
Es gibt Spieler, bei denen nicht einmal der Vorname sicher ist. Otto Bülte ist so einer. Die alten Chroniken von Eintracht Braunschweig nennen ihn Konrad, Wikipedia sagt Otto, und auf dem Platz hieß er ohnehin »Otte«. Sein Autogramm von 1939 lautet »Otto Bülte«. Der Läufer gehörte zu der Braunschweiger Mannschaft, die 1908 Norddeutscher Meister wurde, und bestritt 1910 in Kleve ein Länderspiel. 1912 fehlten ihm mit dem BFC Preussen drei Minuten zum Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft.
»… obgleich jene Eintracht-Mannschaft mit Queck und Bülte lange vor dem Kriege im ganzen Reich bekannt und geachtet war.«
Aus Winnigstedt zur Eintracht
Otto Bülte kommt am 4. September 1886 in Winnigstedt zur Welt, im Kreis Wolfenbüttel. Das Buch von 1939 schreibt »Gr. Winnigstedt«. Beruflich wird er Bankbeamter.
1903 kommt er zum Fußball- und Cricket-Club Eintracht 1895 in Braunschweig. Die Mannschaft ist Meister im Herzogtum Braunschweig und darf 1905 zur Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Bülte spielt links in der Läuferreihe, neben Walter Poppe und Kapitän Kurt Hagemann. In Magdeburg schlägt Eintracht am 9. April 1905 den Hannoverschen FC 1896 mit 3:2 nach Verlängerung, vor 100 Zuschauern. Am 30. April folgt ein 2:1 nach Verlängerung gegen Victoria Magdeburg in Berlin-Tempelhof. Die Statistiker von Libero heben dabei drei Braunschweiger hervor: einen der beiden Kämpfer-Brüder, der das Siegtor schoss, dazu »Otte« Bülte und »Priemchen« Mues. Sie seien die »Aktivposten seiner Elf« gewesen. Im Viertelfinale ist dann Schluss. Eintracht führt zur Pause gegen Union 92 Berlin und verliert 1:4.
Norddeutscher Meister
Zweimal scheitert die Eintracht im norddeutschen Endspiel an Victoria Hamburg, 1906 mit 2:5, 1907 mit 1:6. Im dritten Anlauf klappt es. Am 12. April 1908 schlägt Eintracht Victoria mit 3:1, Richard Queck trifft zweimal. Bülte steht laut der Wikipedia-Aufstellung in der Verteidigung. Drei Wochen später, im Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft, führt Libero ihn wieder als linken Läufer. Das Spiel gegen den Duisburger SV geht in Hamburg 0:1 verloren.
Im neuen Kronprinzenpokal der Landesverbände ist Bülte eine feste Größe des Nordens. 1908 und 1909 spielt er Verteidiger, danach Läufer. Am 9. Oktober 1910 gewinnt der Norden in Leipzig 2:0 gegen Mitteldeutschland. Im gleichen Team stehen Hermann Neiße und Karl Hanssen. Eine Woche später spielen alle drei in der Nationalelf.
Mittelläufer in Kleve
Am 16. Oktober 1910 spielt Deutschland in Kleve gegen Holland. Die süddeutschen Spieler hatten abgesagt, also darf der Norden ran. Bülte spielt Mittelläufer zwischen Kapitän Camillo Ugi und dem Hamburger Hans Weymar. Er ist nach Walter Poppe und Richard Queck der dritte Nationalspieler der Eintracht, und Queck ist an diesem Tag auch dabei.
Holland führt nach 16 Minuten 2:0. Queck verkürzt nach 25 Minuten auf 1:2, dabei bleibt es. Die holländischen Berichte loben vor allem Torwart Adolf Werner. Über die deutschen Läufer schreibt die Utrechter Zeitung knapp, sie »steunen goed«, sie unterstützen gut. Ein deutsches Blatt urteilte laut Telegraaf, alle Deutschen außer Schilling seien gut gewesen. Es bleibt Bültes einziges Länderspiel.
Die Braunschweiger Jahre enden mit zwei Niederlagen im Norden. 1910 verliert Eintracht das norddeutsche Halbfinale 0:1 gegen Werder Bremen, 1911 das Endspiel 1:6 gegen Holstein Kiel.
Der große Tag: drei Minuten vor dem Halbfinale (Mai 1912)
1911 wechselt Bülte zum BFC Preussen nach Berlin. Mit den Preussen gewinnt er gleich in der ersten Saison die Berliner Meisterschaft. Im April 1912 gewinnen sie beide Endspiele jeweils 2:1, zusammen 4:2. Damit fährt Preussen zur Endrunde um die Deutsche Meisterschaft.
Am 5. Mai 1912 geht es im Viertelfinale gegen Holstein Kiel, auf dem Victoria-Platz an der Hoheluft in Hamburg. 5.000 Zuschauer kommen, Schiedsrichter ist Paul Schröder aus Mönchengladbach. Bülte spielt Mittelläufer. Im Kieler Tor steht ein alter Bekannter: Adolf Werner, sein Torwart aus Kleve, war laut Libero aus Hamburg zu den »Störchen« zurückgekehrt.
Nach einer halben Stunde trifft Robert Krüger zum 1:0 für Preussen. Die Berliner halten die Führung bis tief in die zweite Halbzeit. Libero beschreibt es so:
»Es schien, als könnten sich die Hauptstädter durchsetzen, da gelang den Kielern in einem furiosen Endspurt noch die Wende.«
In der 84. Minute gleicht Willi Fick aus. Drei Minuten später schießt David Binder das 2:1. Holstein Kiel zieht ins Halbfinale ein und wird am Ende Deutscher Meister.
Nach dem Fußball
Bis 1914 spielt Bülte laut Wikipedia für die Preussen. Über sein weiteres Leben ist wenig bekannt. Wikipedia verzeichnet, gestützt auf die NSDAP-Mitgliederkartei im Bundesarchiv, dass er zum 1. Mai 1933 in die NSDAP eintrat. Das Buch von 1939 führt ihn als Bankbeamten. Otto Bülte stirbt am 14. Juni 1962. Einen Ort nennen die Quellen nicht.
Otto Bülte auf einen Blick
Geboren: 4.9.1886 in Winnigstedt (Kreis Wolfenbüttel)
Gestorben: 14.6.1962 (Ort unbekannt)
Spitzname: »Otte«
Vereine: Eintracht Braunschweig (1903–1911), BFC Preussen (1911–1914)
Position: Läufer, meist Mittelläufer; zeitweise Verteidiger
Titel: Norddeutscher Meister 1908, Berliner Meister 1912
Bilanz: 1 Länderspiel, 0 Tore (1910)
Beruf: Bankbeamter
Nationalspieler Nr.: 67 (Debüt 16.10.1910 gegen Holland)
Quellen
Die deutschen Nationalspieler (1939) · Otto Bülte – Wikipedia · Norddeutsche Fußballmeisterschaft 1907/08 – Wikipedia · Kronprinzenpokal 1910/11 – Wikipedia · Berliner Fußballmeisterschaft 1911/12 – Wikipedia · Deutsche Fußballmeisterschaft 1911/12 – Wikipedia · Libero International 36 · Libero D 3 (1992) · Kicker-Almanach 1996 · De Telegraaf, 18.10.1910 (Delpher) · Utrechtsch Provinciaal en Stedelijk Dagblad, 17.10.1910 (Delpher)