Theo Breuer – der linke Läufer des Düsseldorfer Meisters
Zweimal im Herbst 1933 besteht die deutsche Läuferreihe nur aus Düsseldorfern: Paul Janes rechts, Jakob Bender in der Mitte, Theo Breuer links. Breuer hat dabei die unauffälligste Rolle, und doch gehört er dazu: Mit Fortuna ist er im Juni deutscher Meister geworden, im Oktober steht er in Duisburg zum ersten Mal im Nationaltrikot. Es werden nur zwei Länderspiele.
»Die Fortuna-Läuferreihe kam erst nach einiger Zeit richtig in Schwung, dann war sie aber erstklassig.«
Ein Flingeraner bei Fortuna
Theo Breuer wird am 15. März 1909 in Düsseldorf geboren. Die Wikipedia nennt ihn einen »waschechten Flingeraner«. Mit 16 beginnt er in der Fortuna-Jugend, ein Schulfreund hat ihn zum Training mitgenommen. Keine zwei Jahre später steht er als Mittelstürmer in der Stammformation, gemeinsam mit Jakob Bender, der wie er aus der eigenen Jugend kommt. Im Frühjahr 1928 reisen beide mit der Fortuna nach Nordafrika, dort gewinnt die Mannschaft 1:0 gegen den Meister Sidi del Abbes und 8:1 gegen Sporting Club Oran. Ernst Albrecht fehlt, er debütiert am 15. April 1928 in Bern in der Nationalelf.
Der Durchbruch kommt auf einer anderen Position. In einem Spiel gegen Schalke 04 wird Breuer als linker Läufer eingesetzt und schaltet Fritz Szepan aus, danach bleibt es dabei. Das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 führt ihn als linken Läufer, Heimatort Düsseldorf, Beruf Schlosser. Die Fortuna erreicht ihre erste Endrunde um die deutsche Meisterschaft 1929 und verliert am 16. Juni in Nürnberg 1:5 gegen die SpVgg Fürth, den späteren Meister. Die Wikipedia nennt dagegen den 10. Juni. 1930 wird Breuer Kapitän. 1931 wird Fortuna westdeutscher Meister und scheidet in der Endrunde am 14. Mai in Düsseldorf in der ersten Runde mit 2:3 nach Verlängerung gegen Eintracht Frankfurt aus.
1933: Meister ohne Gegentor
Das Jahr 1933 beginnt für die Fortuna mit einer Niederlage. Das westdeutsche Endspiel am 30. April geht gegen Schalke 04 mit 0:1 verloren. In der Endrunde gelingt es dann: Am 7. Mai gewinnt die Fortuna 9:0 gegen Vorwärts-Rasensport Gleiwitz, am 21. Mai 3:0 bei Arminia Hannover, am 28. Mai im Halbfinale in Berlin 4:0 gegen Eintracht Frankfurt, den Klub von Willi Lindner.
Das Endspiel steigt am 11. Juni im Kölner Müngersdorfer Stadion, vor 60.000 Zuschauern und unter Schiedsrichter Alfred Birlem. Der Gegner ist Schalke, das Düsseldorf im Westen noch geschlagen hatte. Diesmal gewinnt die Fortuna 3:0, durch Tore von Felix Zwolanowski (10.), Paul Mehl (70.) und Georg Hochgesang (85.), so die Wikipedia. Das Darmstädter Tagblatt schildert das Spiel anders: Zwolanowski trifft nach seinem Bericht in der 11. Minute, das zweite Tor in der zweiten Halbzeit erzielt Willi Wigold nach einer Flanke von Kobierski, und Hochgesang macht sechs Minuten vor Schluss das dritte. Von Mehl ist dort nur die Rede, er und Wigold hätten sich »ausgezeichnet verstanden«. Wer das 2:0 geschossen hat, lässt sich aus den benutzten Quellen nicht entscheiden. Einig sind sie sich über die Läuferreihe mit Paul Janes, Bender und Breuer: Das Tagblatt nennt sie »ganz hervorragend« von Beginn bis Schluss, mit Bender als überragendem Mittelpunkt (Presseurteil, Darmstädter Tagblatt, 12. Juni 1933). Mit dem Finale kommt die Fortuna in der Endrunde auf 19:0 Tore, ohne Gegentor, so die Wikipedia. Es bleibt Düsseldorfs einziger deutscher Meistertitel.
Der große Tag: Duisburg, 22. Oktober 1933
Reichstrainer Otto Nerz baut im Herbst eine Elf aus dem Westen, die erste, die nur aus westdeutschen Spielern besteht. Sechs davon kommen von der Fortuna: Janes, Bender und Breuer in der Läuferreihe, dazu Albrecht, Willi Wigold und Stanislaus Kobierski im Sturm. Gegner ist Belgien, das Spiel steigt am Sonntag, 22. Oktober, im Wedaustadion in Duisburg. Das DFB-Datencenter nennt 35.000 Zuschauer, das Darmstädter Tagblatt etwa 30.000 und vermerkt, dass die Ränge nicht voll waren. Für Bender, Breuer, Willy Busch, Eduard Hundt und Josef Rasselnberg ist es das erste Länderspiel.
Es wird ein klarer Sieg: 8:1 nach 2:0 zur Pause. Die Tore schießen Karl Hohmann (3), Wigold (2), Rasselnberg, Albrecht und Kobierski, den Ehrentreffer für Belgien erzielt Robert Lamoot. Das Tagblatt lobt, die deutsche Mannschaft sei »um Klassen besser« gewesen, und über die Läuferreihe, sie sei erst nach einiger Zeit richtig in Schwung gekommen und dann erstklassig gewesen. Bender, so die Zeitung, sei der »spiritus rector« gewesen. Breuer nennt der Bericht nicht namentlich.
Zwei Wochen später, am 5. November, tritt dieselbe Elf in Magdeburg gegen Norwegen an. Es ist das erste Länderspiel in der Stadt, 40.000 Zuschauer sind da. Albrecht schießt in der 8. Minute das 1:0, Hohmann in der 33. das 2:0, dann bricht die Mannschaft ein. Nach der Pause, so das Tagblatt, gerieten die Kombinationen ins Stocken und die Läuferreihe wurde unsicher. Arthur Kvammen verkürzt in der 64. Minute, Jørgen Juve gleicht in der 67. mit einem Freistoß aus, es bleibt beim 2:2. Es ist das letzte Länderspiel von Breuer: In Zürich gegen die Schweiz am 19. November und in Berlin gegen Polen am 3. Dezember steht er nicht in der Aufstellung.
Die Wikipedia schreibt, eine Knieverletzung, die er sich bald darauf zugezogen habe, habe ihn zuerst an der Teilnahme an der Weltmeisterschaft 1934 gehindert und dann 1938 im besten Fußballeralter zum vorzeitigen Karriereende gezwungen. Einen weiteren Beleg für die Verletzung gibt es in den benutzten Quellen nicht. Auf den Turnierseiten zur WM 1934 kommt Breuer nicht vor. Sicher ist nur, dass er danach weiterspielte: Das DFB-Datencenter verzeichnet für ihn Endrundenspiele bis zum 23. Mai 1937 und vier Spiele im Tschammerpokal zwischen September 1935 und August 1936, insgesamt 15 Pflichtspiele für die Fortuna bei 17 Einsätzen einschließlich der Länderspiele. Das Datencenter erfasst die Zeit vor 1933 nur lückenhaft, die Zahl ist also ein Mindestwert. Es nennt als ersten Endrundeneinsatz den 8. Mai 1927, die Wikipedia sieht die erste Fortuna-Endrunde erst 1929; beides ist hier nicht auflösbar.
Die Fortuna bleibt sein Verein
Seine letzten Spiele macht Breuer in der Gauligasaison 1937/38. Sein Nachfolger im Verein wird Paul Bach. Danach arbeitet er als Trainer, nach der Wikipedia unter anderem beim Düsseldorfer SC 99, bei TuRa Hennef, Borussia Velbert, SV Bilk 13, TuS Gerresheim, VfR Ohligs und Union Krefeld. Im Januar 1949 übernimmt er als Interimstrainer die Fortuna und bleibt es bis zum Saisonende, so auch die Biografie seines Vorgängers Karl Flink. 1956 kehrt er zum Verein zurück, als Co-Trainer, und führt die Mannschaft vom 20. Januar bis zum 30. Juni 1960 erneut interimsweise. 1962 gibt er das Amt ab, 1967 wählt ihn die Fortuna in den Vorstand. Der Transportunternehmer gilt in der Wikipedia als Mann des Ausgleichs und als guter Geist des Vereins. Er wird Ehrenmitglied und stirbt am 8. Dezember 1980 an den Folgen eines Herzinfarkts, den Ort nennt die Wikipedia nicht.
Nicht zu verwechseln ist er mit dem Schriftsteller und Herausgeber Theo Breuer, geboren 1956, den die Begriffsklärung der Wikipedia ebenfalls nennt.
Theo Breuer auf einen Blick
Geboren: 15.3.1909 in Düsseldorf
Gestorben: 8.12.1980 (Ort nicht angegeben)
Verein: Fortuna Düsseldorf (1925–1938)
Position: linker Läufer
Beruf: Schlosser (Lexikon 1939), später Transportunternehmer
Erfolge: Deutscher Meister 1933, westdeutscher Meister 1931
Bilanz: 2 Länderspiele (1 Sieg, 1 Unentschieden), kein Tor (1933)
Länderspiele
- 22.10.1933 Deutschland – Belgien 8:1 – Debüt, linker Läufer
- 05.11.1933 Deutschland – Norwegen 2:2 – linker Läufer
Weitere Länderspiele gibt es nach der RSSSF-Liste, dem Lexikon von 1939 und der Wikipedia nicht, auch keines nach April 1934. Die Wikipedia nennt als Debüttag den 21. Oktober 1933, das DFB-Datencenter und die RSSSF-Liste nennen den 22. Oktober.
Quellen
- Wikipedia: Theo Breuer (Fußballspieler)
- Wikipedia: Theo Breuer (Begriffsklärung)
- Wikipedia (englisch): Theo Breuer
- DFB-Datencenter: Theo Breuer, Spielerprofil
- Darmstädter Tagblatt, 12. Juni 1933, S. 2 – Meisterschaftsendspiel Fortuna – Schalke
- Die Deutschen Nationalspieler (1939), Verzeichnis
- RSSSF: Germany international results
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1932/33
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1928/29
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1930/31
- Darmstädter Tagblatt, 23. Oktober 1933, S. 5 – Länderspiel gegen Belgien
- Darmstädter Tagblatt, 6. November 1933, S. 5 – Länderspiel gegen Norwegen
- Michael Bolten, Marco Langer: Alles andere ist nur Fußball. Die Geschichte von Fortuna Düsseldorf, Göttingen 2005 (zitiert nach Wikipedia)