Eduard Hundt – vom Pokalfinale in Wuppertal in die Nationalelf
Wuppertal, 30. April 1933, Stadion am Zoo, 15.000 Zuschauer. Im Finale um den Westdeutschen Verbandspokal führt Schwarz-Weiß Essen kurz nach der Pause durch Ernst Poertgen mit 1:0. In der 72. Minute gleicht der Benrather Josef Rasselnberg aus, Leonhard und Stoffels machen für Benrath daraus ein 3:1. In der Essener Abwehr steht Eduard Hundt. Fünfeinhalb Monate später stehen er und der Torschütze Rasselnberg in Duisburg in derselben Elf, in der deutschen Nationalmannschaft.
»Von den deutschen Spielern machten Buchloh, Hundt und Busch kaum einen Fehler.«
Berlin, Essen, ein Rufname
Eduard Hundt kommt am 3. August 1909 zur Welt. Die Wikipedia nennt Bremen als Geburtsort und Bremen auch als Sterbeort, das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 führt als Heimatort einen Ort, der im Digitalisat als »Emmelingen« zu lesen ist. Die Wikipedia nennt ihn außerdem »Edu«. Als Beruf gibt das Lexikon Vertreter bei der Martin-Brinkmann-AG an, als Stammposten rechter Verteidiger. Seine Länderspiele führt dasselbe Lexikon allerdings falsch auf: Es nennt »1933 Luxemburg, Holland, 1934 Luxemburg«. Tagblatt, DFB und die Spielberichte kennen für 1933 Belgien und Norwegen, Luxemburg erst im März 1934.
Die erste belegte Station führt über Umwege nach Berlin. Das Libero-Heft zur Meisterschaft 1930/31 schreibt über »Edue Hundt«, er sei »vom Essener TB Schwarz-Weiß über FSV Frankfurt nach Berlin gekommen«, zu Tennis Borussia. Der Essener TB Schwarz-Weiß ist wohl der Vorgänger des Klubs, zu dem er 1931 zurückkehrt; die Quelle sagt das nicht ausdrücklich. In Berlin trainiert ihn Sepp Herberger, der hauptamtlich bei TeBe arbeitet und die Mannschaft 1930/31 zur Staffelmeisterschaft führt, aber wie schon in den drei Jahren zuvor in den Stadtmeisterschaftsspielen an Hertha BSC scheitert, wie es die Wikipedia über Herbergers Zeit in Berlin schreibt. TeBe ist Berliner Vizemeister und kommt damit in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft.
Die Wikipedia nennt ihn für diese Saison einen Abwehrspieler. Libero führt ihn dagegen in beiden Endrundenspielen in der Angriffsreihe, zusammen mit Hans Schröder, Willi Handschuhmacher, Heinrich Schmidt und Herbert Pahlke. Am 10. Mai 1931 siegt TeBe im Berliner Hertha-Platz am Gesundbrunnen 6:1 gegen den VfB Liegnitz, vor 15.000 Zuschauern. Hundt trifft in der 12. und in der 15. Minute zum 2:0 und 3:0, für den Stürmer, als der er hier aufläuft, ein Auftritt nach Maß. Zwei Wochen später, am 24. Mai, verliert TeBe das Viertelfinale im Frankfurter Stadion vor 5.000 Zuschauern 0:1 gegen den TSV 1860 München, bei dem Ludwig Lachner im Sturm spielt. Libero beschreibt eine Partie vor kleiner Kulisse mit nur »bescheidener Fußballkost«, in der ein einziges Tor, geschossen von Otto Oeldenberger in der 32. Minute, entschied. Es sind die beiden einzigen Endrundenspiele, die die DFB-Datenbank für Hundt bei TeBe führt. Ob er später vom Angriff in die Abwehr rückte oder die Quellen sich in der Position widersprechen, lässt sich aus ihnen nicht klären. Fest steht nur: Als Nationalspieler und bei Werder steht er hinten.
Dann zieht er ins Ruhrgebiet. Von 1931 an spielt er für Schwarz-Weiß Essen, zunächst in der Bezirksliga Ruhr, 1933/34 in der neuen Gauliga Niederrhein. Im westdeutschen Pokal 1932/33 gewinnt Essen zuerst den Ruhrbezirk, nach der Wikipedia mit 2:0 gegen den BV Stoppenberg, dann am 9. April das Viertelfinale 2:1 beim FV Duisburg 08 und am 23. April im Essener Uhlenkrugstadion das Halbfinale 3:0 gegen Viktoria Recklinghausen, mit einem Tor von Ernst Poertgen und zwei von Josef Hullisch. Im Finale am 30. April steht Hundt neben Karl Menz in der Abwehr, vor ihnen Willi Multhaup, Franz Horn und Eduard Czaika, im Angriff Poertgen, Hullisch und Heinrich Kreß.
Der Sprung nach Duisburg
Im Herbst 1933 beruft Reichstrainer Otto Nerz ihn ins Nationalteam. Für das Länderspiel gegen Belgien stellt er erstmals eine Elf auf, die nur aus westdeutschen Spielern besteht. Sepp Herberger, seit dem 1. August 1932 Verbandstrainer des Westdeutschen Spiel-Verbands und davor Hundts Trainer bei Tennis Borussia, hatte nach Schulze-Marmeling einen Großteil dieser Spieler entdeckt oder gefördert. Ob er auch Hundt vorgeschlagen hat, ist nirgends belegt. Sechs Spieler stellt Fortuna Düsseldorf, zwei Benrath, einer kommt aus Speldorf und einer aus Duisburg. Hundt ist der Essener. Wie Willy Busch ist er Debütant.
Der große Tag: Duisburg, 22. Oktober 1933
Zwanzig Jahre hatten Deutschland und Belgien nicht mehr gegeneinander gespielt. Das Wedaustadion ist nicht voll, das Darmstädter Tagblatt zählt etwa 30.000 Zuschauer, das DFB-Datencenter 35.000, und die Zeitung erinnert daran, dass bei Länderspielen sonst fast jeder Platz besetzt war. Das Wetter ist prächtig, der Platz in bester Verfassung.
Hundt spielt zusammen mit Willy Busch in der Verteidigung, vor ihnen die Fortuna-Läuferreihe um Paul Janes und Jakob Bender, davor der Sturm mit Karl Hohmann und Rasselnberg, der den ursprünglich vorgesehenen Ernst Kuzorra ersetzt. Die Deutschen greifen nach dem Tagblatt von Beginn an, die Belgier kommen nur manchmal gefährlich vor Buchlohs Tor. Rasselnberg trifft in der 21. Minute, Hohmann in der 29., zur Pause steht es 2:0. Nach dem Wechsel fällt Tor um Tor, am Ende steht es 8:1.
Für die Abwehr gibt es wenig zu erzählen, und das ist ein Kompliment. Das Tagblatt schreibt, Hundt und Busch hätten wie Torwart Fritz Buchloh »kaum einen Fehler« gemacht, und lobt vor allem Hohmann, Kobierski und Bender. Die Belgier hätten, so die Zeitung, »enttäuscht«. Den einen Gegentreffer fängt sich Deutschland zwei Minuten vor Schluss, durch Robert Lamoot.
Magdeburg und Luxemburg
Zwei Wochen später, am 5. November 1933, spielt die Elf auf dem Viktoria-Platz am Gübser Damm in Magdeburg in derselben Aufstellung gegen Norwegen. Über die Verteidigung schreibt das Tagblatt, sie sei auf der Hut gewesen und habe sogar einige Male recht geschickt die Abseitsfalle aufgestellt. Vor 40.000 Zuschauern führt Deutschland zur Pause 2:0, kassiert nach dem Wechsel aber zwei Tore, das zweite durch einen Freistoß von Jørgen Juve, und es bleibt beim 2:2. Das Tagblatt überschreibt seinen Bericht mit »Enttäuschung in Magdeburg«.
Danach spielt Deutschland dreimal ohne ihn, in Zürich, Berlin und Frankfurt. Erst am 11. März 1934, im ersten WM-Qualifikationsspiel der deutschen Geschichte und zugleich dem 100. Länderspiel des DFB, steht Hundt wieder in der Elf, nun an der Seite von Sigmund Haringer. So steht es in der Aufstellung des Tagblatts vom 8. März: »Hundt (Schwarzweiß Essen), Haringer (Bayern München)«. Im Städtischen Stadion von Luxemburg, vor 15.000 Zuschauern, regnet es den ganzen Tag, und Deutschland gewinnt 9:1, vier der Tore schießt Rasselnberg. Es ist Hundts drittes und letztes Länderspiel.
Warum es dabei blieb, sagen die Quellen nicht. Zum Aufgebot für die Weltmeisterschaft im Sommer 1934 gehörte Hundt nach der Wikipedia nicht. Noch am 20. Mai 1934 aber spielte er in den Wunschvorstellungen der Sportplauderei des Tagblatts noch mit: Für das Auftaktspiel in Florenz gegen Belgien stellte sich der Verfasser die Elf »Kreß; Haringer, Hundt; Janes, Szepan, Oehm; Lehner, Hohmann, Conen, Siffling, Kobierski« vor. Im Aufgebot stand Hundt dann nicht. Busch dagegen, mit dem er in Duisburg debütiert hatte, kam auf 13 Länderspiele und stand in Italien im Halbfinale.
Bremen
Zur Saison 1934/35 wechselt Hundt zu Werder Bremen, das DFB-Datencenter führt ihn dort ab 1. Juli 1934. Bis 1942 spielt er in der Gauliga Niedersachsen, danach bis 1944 in der Gauliga Weser-Ems. Dreimal wird Werder mit ihm Gaumeister von Niedersachsen, 1936, 1937 und 1942. In den drei Endrunden um die Deutsche Meisterschaft stehen für ihn nach dem DFB-Datencenter 6, 6 und 4 Spiele zu Buche, 16 insgesamt, dazu die zwei Spiele für TeBe. Vergleicht man das mit den Gruppentabellen der Wikipedia, in denen Werder genau so viele Spiele ausgetragen hat, bedeutet das: Hundt fehlt in keiner einzigen dieser Partien.
Das erste dieser Spiele findet am 5. April 1936 im Bremer Weserstadion statt, gegen Viktoria Stolp, 6:0. Danach kommt die Auswärtsreise nach Gleiwitz, 2:5, dann das 6:1 beim Eimsbütteler TV, ein 2:4 gegen Gleiwitz in Bremen, ein 4:1 in Stolp und zum Abschluss ein 2:0 gegen den ETV in Braunschweig. Werder wird Gruppenzweiter, vier Siege, zwei Niederlagen, 22:11 Tore. Ein Jahr später ist es ähnlich: Am 4. April 1937 verliert die Mannschaft 1:5 in der Gelsenkirchener Glückauf-Kampfbahn bei Schalke, gewinnt dann 5:0 gegen Stolp, 3:1 bei Hertha BSC im Berliner Poststadion, 4:0 in Stettin und 5:2 im Rückspiel gegen Hertha in Braunschweig. Am 23. Mai 1937 spielt Werder zu Hause 2:2 gegen die Schalker. Wieder bleibt der zweite Platz, wieder reicht er nicht für das Halbfinale.
1942 dann die dritte Endrunde: Am 10. Mai spielt Werder in Duisburg gegen Hamborn 07 1:1 nach Verlängerung, gewinnt das Wiederholungsspiel am 17. Mai in Bremen 5:1 und schlägt im Achtelfinale am 24. Mai den Eimsbütteler TV 4:2. Im Viertelfinale am 7. Juni im Frankfurter Waldstadion verliert die Elf 3:4 gegen Kickers Offenbach. Danach spielt Hundt noch zwei Jahre in der Gauliga Weser-Ems.
Beim Tschammerpokal weichen die Angaben ab. Die Wikipedia nennt elf Spiele und erwähnt sein Debüt beim 4:1 gegen den SV Algermissen in der ersten Runde 1936, mit zwei Toren. Das DFB-Datencenter führt dagegen nur sechs, aus den Jahren 1940 bis 1942 (zwei in der Saison 1940/41 mit einem Sieg und einer Niederlage, vier in der Saison 1941/42 mit drei Siegen und einer Niederlage).
Nach dem Krieg spielt er in der Stadtliga Bremen, die er 1946 gewinnt, und wird 1947 mit Werder Niedersächsischer Meister. Seine letzte Saison ist 1947/48 in der Oberliga Nord. Danach, schreibt die Wikipedia, wird er Funktionär bei den Hanseaten. Was er dort tat und in welchen Ämtern, geben die benutzten Quellen nicht an. Eduard Hundt stirbt am 22. Juli 2002 im Alter von 92 Jahren in Bremen.
Eduard Hundt auf einen Blick
Geboren: 3.8.1909 (Bremen laut Wikipedia; Heimatort im Lexikon 1939 als »Emmelingen« lesbar)
Gestorben: 22.7.2002 in Bremen
Vereine: Essener TB Schwarz-Weiß und FSV Frankfurt (nach Libero vor 1930), Tennis Borussia Berlin (1930/31), Schwarz-Weiß Essen (1931–1934), Werder Bremen (1934–1948)
Position: Rechter Verteidiger (bei TeBe 1931 nach Libero in der Angriffsreihe, nach der Wikipedia Abwehrspieler)
Beruf: Vertreter der Martin-Brinkmann-AG (laut Lexikon 1939)
Bilanz: 3 Länderspiele (2 Siege, 1 Unentschieden), keine Tore (1933–1934)
Erfolge: Westdeutscher Pokalfinalist 1933, Gaumeister Niedersachsen 1936, 1937 und 1942, Bremer Stadtmeister 1946, Niedersächsischer Meister 1947
Länderspiele
- 22.10.1933 Deutschland – Belgien 8:1 – Debüt, in der Startelf
- 05.11.1933 Deutschland – Norwegen 2:2
- 11.03.1934 Luxemburg – Deutschland 1:9 – WM-Qualifikation
Quellen
- Wikipedia: Eduard Hundt
- Wikipedia (en): Eduard Hundt
- DFB-Datencenter: Eduard Hundt, Spielerprofil
- Libero 38 (IFFHS, 2002): Deutsche Meisterschaft 1930/31, Spieltelegramme TeBe – Liegnitz und 1860 – TeBe (Archiv)
- Wikipedia: Sepp Herberger
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1935/36, 1936/37 und 1941/42
- Wikipedia: Westdeutscher Verbandspokal 1932/33
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1930/31
- DFB-Datencenter: Deutschland – Belgien 8:1
- DFB-Datencenter: Deutschland – Norwegen 2:2
- DFB-Datencenter: Luxemburg – Deutschland 1:9
- RSSSF: (West) Germany International Results
- Die Deutschen Nationalspieler (1939), Verzeichnis
- Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft, Kapitel 1933 bis 1945
- Darmstädter Tagblatt, 23. Oktober 1933
- Darmstädter Tagblatt, 6. November 1933
- Darmstädter Tagblatt, 20. Oktober 1933
- Darmstädter Tagblatt, 8. März 1934
- Darmstädter Tagblatt, 20. Mai 1934