Hans Schröder – der 19-Jährige von Tennis Borussia, der in Düsseldorf auflief

Mit 19 Jahren vor 60.000 Zuschauern: Hans Schröder, Rechtsaußen vom Berliner Tennis-Club Borussia, durfte am 18. April 1926 in Düsseldorf ran, bei der größten Kulisse, die ein Fußballspiel in Deutschland bis dahin gesehen hatte. Das Darmstädter Tagblatt zählte sogar 65.000. Es war sein erstes Länderspiel, und es blieb sein einziges. Gelobt wurde er trotzdem, und das Tagblatt hat es gedruckt.

Hans Schröders Laufbahn · Tennis Borussia Berlin, 1925–1935, und das eine Länderspiel 1926
Hans Schröders Laufbahn · Tennis Borussia Berlin, 1925–1935, und das eine Länderspiel 1926

»Im Sturm gefielen Pöttinger, Harder und Schröder, in dieser Reihenfolge am besten.«

— Darmstädter Tagblatt, 19. April 1926, Drahtbericht aus Düsseldorf

Ein Berliner Angestellter

Hans Schröder wird am 4. September 1906 in Berlin geboren, so nennen es das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 und die Wikipedia. Gestorben ist er nach der Wikipedia am 6. Januar 1970, einen Sterbeort nennt sie nicht. Das Lexikon führt ihn als Rechtsaußen und Angestellten. Als Vereine nennt es neben dem Berliner Tennis-Club Borussia auch den SV Berliner Elektrizitätswerke, kurz Bewag. Die Wikipedia kennt den zweiten Verein nicht. Sie vermerkt dafür seinen Spitznamen: »Hanne«.

Dem Tennis-Club Borussia, kurz TeBe, gehört Schröder nach der Wikipedia von 1925 bis 1935 an. Das Länderspiel fällt in seine erste Saison dort. Der Verein wird 1925/26 Zweiter seiner Gruppe A der Berliner Verbandsliga: Er holt hinter dem späteren Berliner Meister Hertha BSC 13 Siege, ein Remis und vier Niederlagen bei 87:31 Toren, Hertha kommt auf 15 Siege, zwei Remis und eine Niederlage bei 80:27 Toren. Aus dieser Mannschaft holt der DFB einen jungen Außenstürmer.

Der große Tag: Düsseldorf, 18. April 1926

Das Spiel beginnt mit 35 Minuten Verspätung, weil Zuschauer die Eingangstore aufdrücken und das Stadion überrennen. Um 4.05 Uhr pfeift der Däne Lauritz Andersen an. Das Tagblatt druckt die deutsche Elf mit Vereinsangaben, »T. B. Berl.« steht dabei nur einmal. Neben Schröder im Angriff spielen Tull Harder, Josef Pöttinger, Ludwig Hofmann und der Dresdner Richard Gedlich.

Das Spiel kippt hin und her. Pöttinger schießt das 1:0 in der 17. Minute, die Niederländer gleichen aus, nach der Pause trifft Pöttinger wieder, die Niederländer gleichen erneut aus, dann fallen in den letzten zehn Minuten die Tore zum 3:2 und 4:2. Das DFB-Datencenter und die Zeitungen sind sich bei der Torfolge nicht einig, das Tagblatt etwa schreibt alle vier deutschen Tore Pöttinger gut, das Datencenter nennt Harder für das 3:2. Die Einzelheiten stehen im Spielbericht.

Deutschland – Niederlande 4:2 in Düsseldorf · Torfolge nach dem Darmstädter Tagblatt
Deutschland – Niederlande 4:2 in Düsseldorf · Torfolge nach dem Darmstädter Tagblatt

Das Urteil des Tagblatts über Schröder ist freundlich: Im Sturm gefiel er neben Pöttinger und Harder am besten, in dieser Reihenfolge. Hofmann und Gedlich seien »nicht schlecht« gewesen, zeigten aber »nichts Ueberragendes«. Ein Wort zu seinem Spiel im Einzelnen, etwa zu Flanken oder Duellen auf dem rechten Flügel, enthält der Drahtbericht nicht. Seine Position ist nach dem Lexikon die des Rechtsaußen. Warum er danach nicht mehr gerufen wurde, sagt keine Quelle.

Berliner Meisterschaften und Finalspiele

Bei Tennis Borussia bleibt er und gehört zu den Spielern, die den Verein in die Spitze der Hauptstadt tragen. Nach der Wikipedia steht TeBe 1928 im Finale um die Berliner Meisterschaft gegen Hertha BSC, das in einem Entscheidungsspiel 4:0 an Hertha geht. 1929 wiederholt sich das Finale, Hertha siegt im Entscheidungsspiel 5:2, 1930 mit insgesamt 5:1 nach Hin- und Rückspiel. 1931 wird TeBe Zweiter der neuen Finalrunde des Verbands Brandenburgischer Ballspielvereine, wieder hinter Hertha. Erst 1932 klappt es: Schröder gewinnt mit Borussia die Finalrunde und damit die Berliner Meisterschaft.

In der Endrunde um die deutsche Meisterschaft kommt er in acht Spielen zum Einsatz und erzielt zwei Tore. Viermal, 1927/28, 1928/29, 1930/31 und 1931/32, spielt TeBe Achtel- und Viertelfinale, und jedes Mal ist im Viertelfinale Schluss. Der Viertelfinalgegner 1928, am 12. Juli in Berlin, ist der FC Wacker München, der 4:1 gewinnt. Von 1933 bis 1935 spielt Schröder in der Gauliga Berlin-Brandenburg. Danach endet seine Spur in den Quellen: Die Wikipedia gibt 1935 als Jahr seines Abschieds von Borussia, ohne weitere Stationen.

Hans Schröder und die anderen Schröders

Der Name ist häufig. Die Wikipedia verzeichnet in ihrer Begriffsklärung zahlreiche Hans Schröder oder Schroeder, darunter zwei Fußballspieler: Hans-Günter Schröder (geboren 1943) und diesen Hans Schröder (1906–1970). Auch unter den Nationalspielern gibt es mehrere Schröders: Erich Schröder, Verteidiger aus Dresden, später beim VfR Köln, steht nach den Seitendaten am 26. April 1931 beim 1:1 in Amsterdam in der Elf; er ist eine andere Person. Für 1926 führt die Seite nur Hans Schröder, und auch die Wikipedia, die englische Wikipedia und das Lexikon nennen für Düsseldorf ihn. Die Weblinks der Wikipedia zu DFB und Weltfussball laufen unter der Schreibweise »hans-schroeder«.

Hans Schröder auf einen Blick

Geboren: 4.9.1906 in Berlin
Gestorben: 6.1.1970 (Ort nicht angegeben)
Vereine: Berliner Tennis-Club Borussia (1925–1935), SV Berliner Elektrizitätswerke (nach dem Lexikon 1939)
Position: Rechtsaußen
Beruf: Angestellter (Lexikon 1939)
Erfolge: Berliner Meister 1932; Endrunde um die Deutsche Meisterschaft: acht Spiele, zwei Tore (nach der Wikipedia)
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Sieg), kein Tor (1926)

Länderspiele

Quellen