Albert Eschenlohr – ein Münchner Läufer in der Berliner Notelf

Am 31. August 1924 fehlten dem DFB die besten Spieler. Die Nürnberger und die Fürther wollten wegen des Streits ihrer Vereine nicht gemeinsam antreten, und so musste der Verband improvisieren. Einer der Männer, die nachrückten, war Albert Eschenlohr: 26 Jahre alt, aus München, seit einem Jahr in Berlin bei Tennis Borussia. Deutschland verlor gegen Schweden 1:4. Für Eschenlohr blieb es das einzige Länderspiel, und über seinen eigenen Auftritt ist nichts überliefert.

Albert Eschenlohrs Laufbahn · München, Berlin, Frankfurt, Trainerbank, 1898–1938
Albert Eschenlohrs Laufbahn · München, Berlin, Frankfurt, Trainerbank, 1898–1938

»Die deutsche Mannschaft, die durch die Disqualifizierung der Nürnberg-Fürther Spieler umgestellt werden mußte, entsprach nicht ganz den gehegten Erwartungen.«

— Darmstädter Tagblatt, 1. September 1924, über das Spiel gegen Schweden

Ein Wacker aus München

Albert Eschenlohr wird am 10. März 1898 geboren. Die Wikipedia nennt Welden als Geburtsort, das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 München als Heimatort. Als Stammposten führt das Lexikon den Außenläufer, als Beruf den Sportlehrer. Die Wikipedia kennt ihn auch als »Bertl«.

Mit neun Jahren, 1907, schließt er sich dem FC Wacker München an und bleibt bis 1923. In der ersten Mannschaft spielt er von 1919/20 an. Wacker wird in diesen Jahren Südbayerischer Meister, 1921 und 1922. 1921 reicht es in der süddeutschen Endrunde nur zum zweiten Platz hinter dem 1. FC Pforzheim, dem Verein von Gustav Roller, der später ebenfalls nur einmal für Deutschland spielte. Dann kommt 1921/22 die erfolgreichste Saison: drei Titel, darunter die Süddeutsche Meisterschaft.

Damit steht Eschenlohr in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Am 21. Mai 1922 schlägt Wacker die Arminia aus Bielefeld 5:0, am 4. Juni ist im Halbfinale in Frankfurt Schluss, der Hamburger SV gewinnt 4:0. Beide Spiele bestreitet Eschenlohr nach dem DFB-Datencenter und der Wikipedia.

1923 verlässt er München. Er geht nach Berlin zum Berliner Tennis-Club Borussia, bei dem er bis 1928 bleibt. Warum er die Stadt wechselte, geben die Quellen nicht an.

Der große Tag: Berlin, 31. August 1924

Den Anlass für das Länderspiel beschreibt das Darmstädter Tagblatt knapp: Die Mannschaft habe wegen der »Disqualifizierung der Nürnberg-Fürther Spieler« umgestellt werden müssen. Nach dem Spielbericht dieser Seite wollten die Spieler der beiden Vereine wegen unüberbrückbarer Auseinandersetzungen nicht gemeinsam in der Nationalelf spielen. Sechs Debütanten stehen in der Elf. Im Tor Werner Kuhnt, in der Läuferreihe Hermann Lux, Eschenlohr und der Hamburger Hans Lang, im Sturm unter anderen Carl Hartmann, Tull Harder und der Berliner Willi Kirsei. Beim Verein ist der Spielbericht dieser Seite anderer Ansicht als die Wikipedia: Er nennt Lux und Eschenlohr beide von Union Oberschöneweide, die Wikipedia und das Lexikon von 1939 führen Eschenlohr bei Tennis Borussia.

Im Deutschen Stadion sind nach dem DFB 20.000 Zuschauer, nach anderer Angabe 25.000. Schweden geht nach dem DFB-Datencenter in der 19. Minute in Führung, Harder gleicht in der 28. aus (Tagblatt: 9. und 27. Minute). Zur Pause steht es 1:1. Das Tagblatt sah ein interessantes Spiel, in dem die Schweden »etwas mehr vom Spiel hatten«, und lobte sie für ihren »tadellosen, einwandfreien, systemvollen und außerordentlich fairen Fußball«. Dann, so die Zeitung, »in den letzten zehn Minuten die Katastrophe einsetzte«: Nach dem DFB treffen die Schweden in der 80., 81. und 89. Minute, es endet 1:4. Das Tagblatt hält ein 2:1 für das gerechtere Ergebnis und schreibt, Torwart Kuhnt habe zwei leichte Bälle durchgelassen und sei auch am letzten Gegentor nicht ganz schuldlos gewesen.

Über Eschenlohr selbst sagt das Tagblatt nichts, weder Lob noch Tadel. Namentlich getadelt werden in dem Bericht nur Rudolf Leip, der vollkommen versagt habe, und Torwart Kuhnt.

Deutschland – Schweden 1:4 in Berlin · die deutsche Elf mit Albert Eschenlohr in der Läuferreihe
Deutschland – Schweden 1:4 in Berlin · die deutsche Elf mit Albert Eschenlohr in der Läuferreihe

Sein einziges Länderspiel war eines der trüben. Drei Wochen später verlor der DFB in Budapest gegen Ungarn ebenfalls 1:4, dann mit einer anderen Elf, wieder mit den Nürnbergern. Eschenlohr war nicht mehr dabei.

Berlin, Frankfurt und die Entscheidungsspiele

Bei Tennis Borussia gehört Eschenlohr bis 1928 zur ersten Mannschaft. Für die Auswahl des Verbandes Brandenburgischer Ballspielvereine bestreitet er nach der Wikipedia mehrere Spiele im Bundespokal.

Seine letzte Berliner Saison ist die beste. 1927/28 gewinnt Tennis Borussia die Gruppe B und trifft im Finale um die Berliner Meisterschaft auf den Sieger der Gruppe A: Hertha BSC, für die auch Willi Kirsei spielt, sein Mitspieler aus dem Länderspiel. Nach dem Hinspiel am 4. März 1928 (2:3 aus Sicht von Tennis Borussia) und dem Rückspiel am 18. März (2:1) braucht es ein Entscheidungsspiel, und das gewinnt Hertha am 15. April 1928 mit 4:0. Eschenlohr kommt nach der Wikipedia in den Endspielen zum Einsatz. Als Vizemeister ist Tennis Borussia trotzdem für die deutsche Meisterschaft qualifiziert, schlägt Preußen Krefeld 3:1 und verliert im Viertelfinale 1:4 gegen Wacker München, Eschenlohrs alten Verein. Ob er gegen ihn spielte, sagen die Quellen nicht.

Von 1928 bis 1931 spielt er für den FSV Frankfurt in der Bezirksliga Main/Hessen. Zweimal ist der Verein nah dran, doch im Spiel um den dritten süddeutschen Platz für die deutsche Meisterschaft unterliegt er 1929 der SpVgg Fürth 0:2 und am 4. Mai 1930 dem 1. FC Nürnberg 0:1.

Trainer, Sportlehrer und ein früher Tod

Nach dem Ende seiner Spielerlaufbahn arbeitet Eschenlohr als Trainer. Nach der Wikipedia führt er ab 1934 den Dresdner SC, 1936 sind es der SV Polizei Lübeck und Phönix Lübeck. Das Lexikon von 1939 nennt ihn Sportlehrer.

Zum NS-Staat gibt die Wikipedia, gestützt auf Unterlagen des Bundesarchivs, an: Zum 1. November 1933 trat er der SA bei, am 27. Mai 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai 1937 aufgenommen. Mehr gibt die Wikipedia dazu nicht an.

Albert Eschenlohr stirbt am 9. Dezember 1938 in Berlin, mit 40 Jahren, nach der Wikipedia an den Folgen einer Blutvergiftung. Sie beruft sich dabei auf die Hamburger Nachrichten vom 10. Dezember 1938.

Albert Eschenlohr auf einen Blick

Geboren: 10.3.1898 (Welden laut Wikipedia; Heimatort München laut Lexikon 1939)
Gestorben: 9.12.1938 in Berlin
Vereine: FC Wacker München (1907–1923), Berliner Tennis-Club Borussia (1923–1928), FSV Frankfurt (1928–1931)
Position: Außenläufer (Lexikon 1939), Mittelfeldspieler
Beruf: Sportlehrer, später Trainer
Titel: Süddeutscher Meister 1922, Bayerischer Meister 1922, Zweiter der Berliner Meisterschaft 1928
Bilanz: 1 Länderspiel, 0 Tore (1924), 1 Niederlage

Länderspiele

Quellen