Willi Kirsei – Herthas Torjäger mit einem Länderspiel
244 Tore in 164 Punktspielen: Diese Zahl nennt die Wikipedia für Willi Kirsei, und sie macht ihn nach ihrer Angabe bis heute zum erfolgreichsten Torschützen in der Geschichte von Hertha BSC. Er wurde zweimal Deutscher Meister, 1931 war er Torschützenkönig der Endrunde. Für die Nationalelf lief er trotzdem nur ein einziges Mal auf, am 31. August 1924 beim 1:4 gegen Schweden. Warum der DFB ihn danach nie wieder rief, steht in keiner Quelle.
»Kirsey gibt einen Volleyschuß aus der Luft ab, aber Riemke hält und zeigt dabei die beste Parade des Spiels.«
Ein Berliner bei Hertha
Willi Kirsei kommt am 3. Dezember 1902 in Berlin zur Welt, so geben es die Wikipedia und das DFB-Datencenter an. Das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 schreibt ihn als »Willy« und nennt als Geburtsjahr 1903. Es führt ihn als Halblinken von Hertha BSC und als Reisenden von Beruf. Gestorben ist er nach der Wikipedia am 19. Dezember 1963, die englische Wikipedia nennt den 20. Einen Ort gibt keine Quelle an.
Von 1924 bis 1936 spielt er in der ersten Mannschaft von Hertha, das DFB-Datencenter führt ihn vom 1. Juli 1924 an. Bis 1933 ist das der Verband Brandenburgischer Ballspielvereine, dann die Gauliga Berlin-Brandenburg. Neunmal wird Hertha in seiner Zeit Berliner Meister: 1925 bis 1931, 1933 und 1935. Jedes Mal geht es danach in die Endrunde um die deutsche Meisterschaft, und dort liefert Kirsei, was man von einem Torjäger erwartet: 34 Endrundenspiele, 34 Tore, ein Tor pro Spiel, jedes Mal über die volle Spielzeit, wie die Wikipedia schreibt.
Sechs Endspiele, zwei Titel
In den Endspielen steht Kirsei in allen sechs Aufstellungen, die die Wikipedia verzeichnet. Hertha erreicht sie sechsmal hintereinander, die ersten vier gehen verloren: 1926 in Frankfurt 1:4 gegen Fürth, 1927 im Berliner Deutschen Stadion 0:2 gegen Nürnberg, 1928 in Altona 2:5 gegen den Hamburger SV, 1929 in Nürnberg 2:3 gegen Fürth. Gegen den HSV, der nach 20 Minuten 3:0 führt, verkürzt Kirsei in der 24. Minute auf 1:3. In der Endrunde 1926 trifft er fünfmal in vier Spielen und liegt damit in der Torschützenliste auf Rang zwei.
Dann der Durchbruch. Am 22. Juni 1930 gewinnt Hertha in Düsseldorf 5:4 gegen Holstein Kiel, der erste Titel nach 19 Jahren für Berlin. Kirsei ist in der Elf. Mit sechs Toren in fünf Endrundenspielen liegt er in der Torschützenliste nach der Wikipedia auf Rang zwei, hinter dem Nürnberger Josef Schmitt. Im Endspiel selbst werden die Tore nach Wikipedia und Tagblatt Hanne Sobek, Bruno Lehmann und Hans Ruch zugeschrieben, nachzulesen in deren Biografien.
Ein Jahr später folgt der zweite Titel, und Kirsei wird Torschützenkönig: sieben Tore in vier Spielen. Am 14. Juni 1931 gewinnt Hertha das Endspiel in Köln 3:2 gegen 1860 München. Wer das Siegtor schoss, ist umstritten. Die Wikipedia nennt Kirsei in der 89. Minute, das Darmstädter Tagblatt schreibt das Tor eine Minute vor Schluss Sobek zu und sah nach der Pause 1860 lange als die bessere Mannschaft. Im Spielbericht kommt Kirsei trotzdem vor. Das Tagblatt erwähnt einen Volleyschuss, den der Münchner Torwart Alfred Riemke zur »besten Parade des Spiels« macht, und einen Zusammenprall mit der Münchner Verteidigung, nach dem Kirsei liegen bleibt, von Sobek vom Platz geleitet wird und nach zwei Minuten zurückkehrt. Eine Einzelwertung für ihn ist im Scan der Zeitung nicht zu erkennen.
Der große Tag: Berlin, 31. August 1924
Sein Länderspiel liegt sechs Jahre vor dem ersten Titel. Am 31. August 1924 fehlen dem DFB gegen Schweden die Nürnberger und Fürther. Das Darmstädter Tagblatt schreibt von der »Disqualifizierung der Nürnberg-Fürther Spieler«, nach dem Spielbericht dieser Seite wollten die Spieler beider Vereine wegen ihres Streits nicht gemeinsam antreten. Im Deutschen Stadion stehen sechs Debütanten, darunter Kirsei, mit 21 Jahren nach der Wikipedia, nach dem Lexikon ein Jahr jünger. Er stürmt im Angriff neben Rudolf Leip, Carl Hartmann, Tull Harder und Paul Pömpner und steht in der Aufstellung des DFB zwischen Harder und Pömpner, also halblinks. Die deutsche Wikipedia nennt ihn dagegen einen »linken Außenstürmer« und gibt außerdem ein Ergebnis von 1:3 an, auch das weicht von RSSSF, DFB-Datencenter und Spielbericht ab, die 1:4 melden.
Das Spiel hat vor 20.000 Zuschauern (nach anderer Angabe 25.000) zwei Gesichter. Bis zur Pause steht es 1:1, Harder gleicht in der 28. Minute die schwedische Führung aus. Nach der Pause kommt für den verletzten Pömpner nach dem DFB in der 72. Minute der Berliner Georg Schumann, und dann bricht die Elf auseinander: Nach dem DFB treffen die Schweden in der 80., 81. und 89. Minute. Das Tagblatt sah in diesen zehn Minuten eine »Katastrophe« und gibt dem Torwart Werner Kuhnt eine Mitschuld. Zu Kirsei steht in dem Bericht nichts.
Im Verein beginnt seine große Zeit erst, mit sechs Endspielen in Folge. Im Länderteam steht er nie wieder.
Trainer in Berlin
1936 endet seine Zeit bei Hertha, zumindest die erste. Von Juli bis Dezember 1939 gehört er der ersten Mannschaft noch einmal an. Sein einziges Spiel im Tschammerpokal, dem Vorläufer des DFB-Pokals, geht am 19. November 1939 in der zweiten Schlussrunde verloren, 2:5 bei Vorwärts-Rasensport Gleiwitz.
Danach arbeitet er vor allem als Trainer. Nach der Wikipedia trainiert er schon 1939 Preußen Eberswalde (Fußball-Woche, 14. August 1939), obwohl sie ihn bis Dezember desselben Jahres auch als Hertha-Spieler führt. 1948/49 gewinnt der Berliner SV 1892 mit ihm die Meisterschaft der Stadtliga. Vor dieser Station und danach trainiert er den VfL Nord Berlin. Noch 1947 soll er mit 45 Jahren, außer in Prominentenspielen, für die SG Lichterfelde am Ball gewesen sein, so das Deutsche Sportecho vom 16. Mai 1947.
Willi Kirsei auf einen Blick
Geboren: 3.12.1902 in Berlin (Lexikon 1939: 1903)
Gestorben: 19.12.1963 (englische Wikipedia: 20.12.), Ort unbekannt
Vereine: Hertha BSC (1924–1936, Juli bis Dezember 1939)
Position: Halblinker, Stürmer
Beruf: Reisender (Lexikon 1939); später Trainer
Titel: Deutscher Meister 1930 und 1931, Torschützenkönig der Endrunde 1931, neunmal Berliner Meister
Bilanz: 1 Länderspiel, 0 Tore (1924), 1 Niederlage
Länderspiele
Quellen
- Wikipedia: Willi Kirsei
- Wikipedia (englisch): Willi Kirsei
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1930/31
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1929/30
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1927/28
- DFB-Datencenter: Willi Kirsei
- RSSSF: (West) Germany International Results
- Die Deutschen Nationalspieler (1939), Verzeichnis
- Darmstädter Tagblatt, 1. September 1924
- Darmstädter Tagblatt, 15. Juni 1931