Hans Appel – Hänschen, der Allrounder aus Berlin

Hans Appel ist 19, als er im Mai 1931 zum ersten Mal in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft aufläuft, und 40, als er im Juni 1951 zum letzten Mal darin spielt. Dazwischen liegen nach dem DFB-Datencenter 33 Endrundenspiele, ein Titel mit Hertha BSC, drei Berliner Gaumeisterschaften mit dem BSV 92, eine Zeit in der »Wundermannschaft« des FC St. Pauli und fünf Länderspiele. Alle fünf gewinnt Deutschland. Appel fällt selten auf. Er ist Allrounder, mal Läufer, mal Verteidiger, und er spielt einfach immer.

Hans Appels Laufbahn · Hertha BSC, BSV 92, St. Pauli und fünf Länderspiele, 1922–1958
Hans Appels Laufbahn · Hertha BSC, BSV 92, St. Pauli und fünf Länderspiele, 1922–1958

»In der Läuferreihe hielt sich der Berliner Appel am besten.«

— Darmstädter Tagblatt, 14. Oktober 1935, im Bericht vom Länderspiel in Königsberg

Hänschen aus Wilmersdorf

Hans Appel wird am 8. Juni 1911 in Berlin geboren, man nennt ihn »Hänschen«. Nach der Wikipedia fängt er als Schüler beim Wilmersdorfer SC an, später spielt er in der Jugend von Hertha BSC. Mit 18 steht er in der Auswahl des Verbandes Brandenburgischer Ballspielvereine, später trägt er den Berliner Bären in der Stadtauswahl, gut hundert Mal. Die Wikipedia nennt 106 Einsätze mit einem Fragezeichen bei 102, bis 1940, die letzten Jahre als Kapitän. Das Lexikon von 1939 verzeichnet ihn als Kraftwagenführer.

1931: Meister mit Hertha

Für die Herthaner Liga-Elf spielt er nur eine Saison, 1930/31, und die endet mit dem Titel. Hertha gewinnt die Meisterschaft des Verbandes und in der Endrunde der Reihe nach 5:2 gegen den VfB Bielefeld (am 10. Mai, Appels erstes Endrundenspiel), 3:1 gegen die SpVgg Fürth, 3:2 nach Verlängerung gegen den Hamburger SV und am 14. Juni in Köln 3:2 gegen den TSV 1860 München. Appel steht in allen vier Spielen auf dem Platz, im Finale neben den Routiniers Hans Ruch, Hanne Sobek und Ernst Müller. Im Tor steht Paul Gehlhaar. Auf der anderen Seite spielt in der Läuferreihe der Münchner Fritz Eiberle, der später mit ihm in der Nationalelf steht. Das Finale liegt sechs Tage nach Appels 20. Geburtstag; die Wikipedia schreibt acht Tage, die Daten ergeben sechs.

Allrounder in Nerz' Elf

Danach spielt er für den Berliner SV 92. Das Lexikon führt als »Stammposten« Läufer und Verteidiger (»Allroundspieler«). Für Schulze-Marmeling gehört er zu den Einzelspielern »kleinerer« Klubs, die Reichstrainer Nerz zur Verfügung standen, neben Reinhold Münzenberg aus Aachen und Ernst Lehner aus Augsburg. Nach der »Gleichschaltung« der Landesverbände schnellt nach demselben Buch die Zahl der Länderspiele nach oben: Bis 1933 gab es selten mehr als vier im Jahr, 1935 waren es 17.

Der große Tag: Berlin, 3. Dezember 1933

Deutschland spielt zum ersten Mal gegen Polen, im Berliner Poststadion, bei Frost. Nach dem Darmstädter Tagblatt kämpfen beide Mannschaften mit dem steinharten Boden. 32.000 Zuschauer sehen nach dem DFB-Datencenter zu, nach der Wikipedia auch Propagandaminister Joseph Goebbels und der polnische Gesandte Józef Lipski auf der Ehrentribüne. Reichstrainer Nerz hat nach dem 2:0 in Zürich nur wenig geändert, neu sind der Berliner Verteidiger Emil Krause und der Läufer Hans Appel, der in seiner Heimatstadt debütiert. Er bildet mit Paul Janes und Jakob Bender von Fortuna Düsseldorf die Läuferreihe. Im Tor steht Hans Jakob.

Das Spiel wird zäh. Die Polen überraschen nach dem Tagblatt mit Tempo und sauberem Spiel, die deutschen Stürmer schießen unsicher. Im Publikum rechnet man schon nicht mehr mit einem Sieg. In der 89. Minute (Tagblatt: 88.) legt Karl Hohmann für Josef Rasselnberg auf, der den Ball platziert ins Tor schießt. Das Tagblatt nennt Janes den besten Mann der Läuferreihe. Ihr Gesamteindruck sei »nicht so gut« gewesen wie der der Läuferreihe in Zürich, wo Ludwig Goldbrunner, Rudolf Gramlich und Eiberle gespielt hatten. Das ist das Urteil eines einzelnen Blattes am Tag danach.

Deutschland – Polen 1:0 · Die Aufstellung von Berlin, Appel debütiert in der Läuferreihe
Deutschland – Polen 1:0 · Die Aufstellung von Berlin, Appel debütiert in der Läuferreihe

Vier weitere Spiele, alle gewonnen

Dann liegt über ein Jahr Pause, bis Appel zurückkommt. Am 27. Januar 1935 in Stuttgart gewinnt Deutschland 4:0 gegen die Schweiz, bei Schnee, vor 60.000 Zuschauern. Das Tagblatt schreibt: »Besonders hervorzuheben seien Stührck und Appel«, die sich »einen dauernden Platz in der Nationalelf« erkämpft haben dürften. Neben ihm in der Läuferreihe stehen Gramlich und Goldbrunner. Wer das 1:0 schießt, ist strittig: nach dem DFB-Datencenter Edmund Conen in der 29. Minute, nach dem Tagblatt Stanislaus Kobierski in der 30.

Am 13. Oktober 1935 spielt er im Königsberger Horst-Wessel-Stadion beim 3:0 gegen Lettland, dem ersten Länderspiel in Königsberg und dem ersten gegen Lettland. Das Tagblatt zählt über 15.000 Zuschauer, das DFB-Datencenter 14.000. In der Läuferreihe, mit dem Ostpreußen Fritz Ruchay (er debütiert) und dem Danziger Mittelläufer Paul Mathies, hält sich nach dem Tagblatt der Berliner Appel am besten. Schulze-Marmeling rechnet Lettland zu den sportlich unbedeutenden Gegnern des Jahres 1935, solche Spiele seien als »politische Mission« erwünscht gewesen, um den deutschen Ruf im Ausland aufzupolieren.

Das vierte Spiel folgt am 21. März 1937 in Luxemburg vor 12.000 Zuschauern. Deutschland gewinnt 3:2, Karl Striebinger schießt zwei Tore, Ernst Poertgen eines. Als Trainer führt das DFB-Datencenter Sepp Herberger. Das fünfte und letzte Spiel am 25. September 1938 in Bukarest endet 4:1 für Deutschland. Nach der Eingliederung Österreichs steht eine gemischte Elf auf dem Platz: Raftl, Schmaus, Mock, Skoumal, Wagner, Stroh, Hahnemann und Pesser gehörten im Juni, bei der WM, zum Kader und werden dort mit Wiener Vereinen geführt. Dazu kommen Appel, Hans Biallas und Helmut Schön, der in der 17. Minute das 1:0 schießt. Dann treffen Josef Stroh (51.), der Rumäne Albu ins eigene Tor (55.) und Hans Pesser (77.), den Ehrentreffer der Rumänen erzielt Cornel Orza in der 81. Minute. Für Appel ist es das letzte Länderspiel.

Zwanzig Jahre Endrunde

Mit dem BSV 92 wird er 1936, 1938 und 1943 Meister der Gauliga Berlin-Brandenburg und spielt jeweils in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Nach dem DFB-Datencenter kommen für den BSV zwischen 1936 und 1943 dreizehn Endrundenspiele zusammen, dazu drei im Tschammerpokal. 1942/43 tritt er, so die Wikipedia nach dem »Oberschlesischen Kurier«, als Angehöriger der Luftwaffe für den LSV Adler Tarnowitz in der Gauliga Oberschlesien an. 1944 spielt er laut DFB-Datencenter noch einmal vier Endrundenspiele für Hertha. Im 1942 erschienenen Sportfilm »Das große Spiel« spielt er einen Fußballspieler.

Nach dem Krieg geht er zum FC St. Pauli, in die »Wundermannschaft« mit Helmut Schön, Karl Miller, Walter Dzur und Harald Stender. Von 1948 bis 1951 spielt er viermal in Folge in der Endrunde, das letzte Mal am 10. Juni 1951 beim 1:0 gegen die SpVgg Fürth. Nach der Wikipedia hat kein anderer Spieler so lange, über 21 Spielzeiten oder 20 Kalenderjahre, an dem Wettbewerb teilgenommen. Dazu kommen fünf Spiele für die NFV-Auswahl 1948 und 1949, zwei gegen Westdeutschland und drei gegen Süddeutschland.

Trainer in Neumünster

1952 trainiert Appel kurz den FC St. Pauli, danach den VfR Neumünster. Er führt ihn 1955 aus der Bezirksliga in die Oberliga Nord, wo die Mannschaft nach der Wikipedia zum Favoritenschreck wird: Nur Hannover 96 gewinnt in Neumünster. Hans Appel stirbt am 24. Juli 1973 in Hamburg, so das »Kicker«-Sportmagazin vom 26. Juli 1973 nach der Wikipedia. Die englische Wikipedia nennt den 27. Juli. Er wird auf dem Friedhof Ohlsdorf beigesetzt.

Hans Appel auf einen Blick

Geboren: 8.6.1911 in Berlin
Gestorben: 24.7.1973 in Hamburg (nach Kicker, 27.7. nach englischer Wikipedia)
Vereine: Wilmersdorfer SC, Hertha BSC (1930–1932, 1943/44), Berliner SV 92 (1932–1943), FC St. Pauli (1945–1952)
Position: Läufer und Verteidiger (Allrounder)
Beruf: Kraftwagenführer (Lexikon 1939)
Erfolge: Deutscher Meister 1931, Gaumeister Berlin-Brandenburg 1936, 1938 und 1943
Trainer: FC St. Pauli (1952), VfR Neumünster (Aufstieg in die Oberliga Nord 1955)
Bilanz: 5 Länderspiele (5 Siege), 0 Tore, 15:3 Tore der Mannschaft, 1933–1938

Länderspiele

  • 03.12.1933 Deutschland – Polen 1:0 – Debüt, Poststadion Berlin
  • 27.01.1935 Deutschland – Schweiz 4:0 (Stuttgart)
  • 13.10.1935 Deutschland – Lettland 3:0 (Königsberg)
  • 21.03.1937 Luxemburg – Deutschland 2:3
  • 25.09.1938 Rumänien – Deutschland 1:4 (Bukarest)

Quellen