Fritz Bache – ein Tegeler Verteidiger und ein Nebensatz im Tagblatt
Es ist das einzige Urteil, das das Darmstädter Tagblatt über ihn fällt, und es steht in einem Nebensatz. Am 4. November 1923 debütierte Fritz Bache in Hamburg beim 1:0 gegen Norwegen, ein Berliner Verteidiger von Wacker 04 Tegel, 25 Jahre alt. Sein Nebenmann Walter Risse sei sehr gut gewesen, schrieb die Zeitung, »gegen den der Berliner Bache etwas abfiel«. Knapp zehn Monate später stand er im Berliner Deutschen Stadion zum zweiten und letzten Mal in der Nationalelf, beim 1:4 gegen Schweden. Zwei Länderspiele, ein Sieg, eine Niederlage, ein Nebensatz.
»Sehr gut waren Stuhlfaut im Tor und der Verteidiger Risse (Westdeutschland), gegen den der Berliner Bache etwas abfiel.«
Ein Tegeler Verteidiger
Fritz Bache wird am 29. März 1898 in Berlin geboren, das nennen das DFB-Datencenter, die Wikipedia und das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939, das ihn als »Frits« führt. Das Lexikon nennt als Stammposten Verteidiger, als Beruf Brauereiarbeiter und als Vereine Wacker 04 Berlin, Alemannia 90 Berlin und den SC Engelhardt Brauerei.
Sportlich gehört er nach der Wikipedia von 1918 bis 1920 und von 1921 bis 1924 dem SC Wacker 04 Tegel an. Der Verein, der am Wackerplatz in Reinickendorf spielt, ist 1904 als Reinickendorfer FC West 04 gegründet worden, steigt 1917 erstmals ins Berliner Oberhaus auf, gleich wieder ab, kehrt sofort zurück und hält sich dort erst ab 1921 dauerhaft. Bache stößt noch in der zweiten Spielklasse zu ihm. 1919/20 wird Wacker Vizemeister hinter Union Oberschöneweide, und Bache ist, so die Wikipedia, Nordkreismeister. Dazwischen liegt eine Saison bei Hertha BSC. Wann genau, ist offen: Der Infokasten der Wikipedia nennt 1920/21, der Text 1921/22. Zum Länderspiel kommt er als Spieler eines Vereins aus der unteren Tabellenhälfte, Wacker wird 1922/23 Achter von zehn und 1923/24 Siebter von zehn. Die Wikipedia zu Wacker hält fest, der Verein habe 1923 mit Bache einen Nationalspieler gestellt.
Der große Tag: Hamburg, 4. November 1923
Eigentlich sollte das Spiel in Berlin steigen, aber dort steht kurz darauf die Zwischenrunde um den Bundespokal an, so meldet es das Tagblatt, und so zieht es nach Hamburg um, auf den Victoria-Platz an der Hoheluft. Dass Bache fest eingeplant ist, zeigt die niederländische Presse: Schon am 18. und 23. Oktober 1923 melden Zeitungen die deutsche Elf mit »Bache (Berlijn)« neben Risse. Beim Spieltermin sind sie ungenau, sie nennen den 1. beziehungsweise den 5. November, gespielt wird am 4. 20.000 Zuschauer sehen die erste Begegnung mit Norwegen, es pfeift der Niederländer Theo van Zwieteren, das Tagblatt nennt einen Herrn Mutters. Die Mannschaft führt Torwart Heiner Stuhlfauth als Kapitän an, vor ihm Risse und Bache, in der Läuferreihe Hans Schmidt, Hans Kalb und Walter Krause. Im Angriff spielen Rudolf Leip, Martin Reißmann, Tull Harder, Ludwig Wieder und Hans Sutor.
Das Tor schießt Harder in der 22. Minute, es bleibt beim 1:0 zur Pause und am Ende. Das Tagblatt lobt Stuhlfauth und Risse, hebt in der Läuferreihe Schmidt hervor, der besser als Kalb gespielt habe, und sieht Harder als Sturmführer unter den Erwartungen. Dann kommt der Satz über Bache, mehr nicht. Das Gesamturteil ist freundlich: »Der Sieg ist verdient.« Für Bache ist es ein Debüt an der Seite des besten Verteidigers des Tages, und der Berliner fällt neben ihm ab. Mehr gibt die Zeitung nicht her. Wie viel »etwas« ist, bleibt offen.
Berlin, 31. August 1924
Das zweite Länderspiel findet vor heimischem Publikum statt, aber unter besonderen Umständen. Die Spieler des 1. FC Nürnberg und der SpVgg Fürth wollen wegen eines Streits ihrer Vereine nicht gemeinsam antreten, die Mannschaft wird »durch die Disqualifizierung der Nürnberg-Fürther Spieler umgestellt«, wie das Tagblatt schreibt. Sechs Spieler debütieren. Ein großer Teil der Elf kommt aus Berlin: Torwart Werner Kuhnt vom SV Norden-Nordwest, die Läufer Hermann Lux und Albert Eschenlohr von Union Oberschöneweide, Stürmer Willi Kirsei, dazu Bache, der in der Abwehr wieder neben Walter Risse steht.
Bis zur Pause bleibt es eng. Schweden geht in der 19. Minute durch Rune Wenzel in Führung, Harder gleicht in der 28. aus (das Tagblatt nennt die 9. und die 27. Minute), mit 1:1 geht es in die Pause. Dann bricht die Mannschaft in den letzten zehn Minuten ein: Otto Malm in der 80., Gunnar Rydberg in der 81., Bror Carlsson in der 89. Minute treffen. Das Tagblatt spricht von einer »Katastrophe«, schreibt sie aber vor allem Torwart Kuhnt zu, und findet die Schweden fair und gut. Über Bache sagt es nichts.
Bei der Aufstellung gibt es einen Haken. Niederländische Zeitungen melden am 29. und 30. August 1924 für Deutschland die Verteidiger »Bache« und »Müller«. Im DFB-Datencenter und auf der Berichtsseite zum Spiel steht dagegen Walter Risse neben Bache. Ob Müller kurzfristig ausfiel oder die Ankündigung nur falsch war, lässt sich aus den benutzten Zeitungen nicht klären.
Es bleibt sein letztes Länderspiel. Warum der DFB nicht mehr auf ihn zurückgreift, steht in keiner der benutzten Quellen.
Zwischen Länderspielen und Städteelf
Im Sommer 1924 steht Bache auch in der Berliner Städtemannschaft. Das Libero-Jahrbuch zur Deutschen Meisterschaft druckt ein Foto des Roschke-Archivs vom sechsten Vergleich Berlin – München am 15. Juni 1924, den die Berliner 4:2 gewinnen. In der Bildunterschrift stehen neben anderen Hermann Lux, Willi Kirsei, Hans Ruch und Paul Philipp, dazu Fritz Bache. Berlin spielt zu dieser Zeit gegen Städte im In- und Ausland. Bis Ende 1926 tritt die Stadtauswahl nach demselben Buch zu 214 Städtespielen an, 103 davon gewinnt sie.
Alemannia und die Meisterschaft
Zur Saison 1924/25 wechselt Bache zu Alemannia, so führt ihn das Datencenter ab dem 1. Juli 1924. Beide Vereine gehören nach der Wikipedia zum Berliner Bezirk Reinickendorf, Wacker nennt sie den langjährigen »Kiezrivalen« von Alemannia. Im Frühjahr hatte Alemannia die Berliner Meisterschaft gewonnen, mit 5:3 im Gesamtergebnis gegen Norden-Nordwest. 1924/25 wird der Verein Sieger der Gruppe B, mit 15 Siegen, zwei Unentschieden und einer Niederlage bei 64:20 Toren. Im Finale um die Berliner Meisterschaft gewinnt aber Hertha, mit 3:1 am 8. und 3:2 am 29. März 1925, also 6:3 insgesamt, Alemannia ist Berliner Vizemeister und damit für die Endrunde qualifiziert.
Dort kommt es am 3. Mai 1925 zum Achtelfinale gegen den Duisburger SpV auf dem NNW-Platz am Gesundbrunnen, vor 15.000 Zuschauern, Schiedsrichter ist Karl Weingärtner aus Offenbach. Das Datencenter führt Bache in der Aufstellung. Das Libero-Jahrbuch zur Deutschen Meisterschaft nennt die Berliner Elf mit Paul Philipp im Tor, davor Hermann Lemke und Fritz Bache, die Läuferreihe Karl Schröder, Karl Wiegand und Wende, im Sturm Max Grünberg, Hanne Sobek, Karl Wolter, Bartz und Ziolkowski. Der Gegner kommt mit Brammen; Kobus, Löhr; Korb, Gruber, Heine; Fiederer II, Peter Sackenheim, Malsch, August Sackenheim und Blethgen. Es geht schlecht los, Hans Malsch trifft in der 2. Minute, Hanne Sobek gleicht in der 6. aus, in der 60. Minute trifft Malsch erneut. Mit 1:2 ist Alemannia raus. Es ist, nach dem Datencenter, Baches einziges Spiel in einer deutschen Endrunde. Alemannia steht mit Bache also in einer Elf, in der mit Sobek, dem späteren Hertha-Spieler, der Torschütze des Spiels spielt. Am selben Nachmittag trifft in Köln Josef Lüke zweimal beim 4:1 der TuRU Düsseldorf über den VfR Mannheim. Bis 1926 bleibt Bache bei Alemannia, dann verlieren sich seine Spuren. In seiner zweiten Alemannia-Saison, 1925/26, wird der Klub in der Gruppe B der Berliner Verbandsliga Fünfter von zehn, mit sieben Siegen, drei Unentschieden und acht Niederlagen bei 49:52 Toren. Der Kiezrivale Wacker folgt direkt dahinter auf Rang sechs, mit demselben Punktekonto und 46:50 Toren. Ob Bache in dieser Saison noch regelmäßig spielt, geht aus den Quellen nicht hervor.
Frits, Fritz und das Todesdatum
Das Lexikon von 1939 schreibt »Frits«, alle anderen Quellen »Fritz«. Gemeint ist dieselbe Person mit demselben Geburtsdatum und denselben Vereinen. Beim Tod gehen die Quellen auseinander: Die deutsche Wikipedia nennt den 2. Dezember 1959 und stützt sich auf das Sterberegister Wedding von Berlin 1959, Eintrag Nr. 3320, die englische den 6. Dezember 1959. Den Sterbeort nennt keine von beiden.
Fritz Bache auf einen Blick
Geboren: 29.3.1898 in Berlin
Gestorben: 2.12.1959 (nach der deutschen Wikipedia; englische Wikipedia: 6.12.1959), Ort nicht genannt
Vereine: SC Wacker 04 Tegel (1918–1924, mit einer Saison bei Hertha BSC), BFC Alemannia (1924–1926)
Position: Verteidiger
Beruf: Brauereiarbeiter (laut Lexikon 1939)
Bilanz: 2 Länderspiele (1 Sieg, 1 Niederlage), kein Tor (1923–1924)
Erfolge: Nordkreismeister 1920 und Berliner Vizemeister 1925 (nach der Wikipedia), Endrunde 1925 mit Alemannia
Länderspiele
Quellen
- Wikipedia: Fritz Bache
- Wikipedia (englisch): Fritz Bache
- Wikipedia: Wacker 04 Berlin
- Wikipedia: BFC Alemannia 90
- Wikipedia: Berliner Fußballmeisterschaft 1923/24
- Wikipedia: Berliner Fußballmeisterschaft 1925/26
- Niederländische Zeitungen (Delpher), 18. und 23. Oktober 1923 (Ankündigung der deutschen Elf für Hamburg)
- Wikipedia: Berliner Fußballmeisterschaft 1924/25
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1924/25
- RSSSF: (West) Germany International Results
- DFB-Datencenter: Fritz Bache, Spielerprofil
- DFB-Datencenter: Alemannia 90 – Duisburger SV 1:2, 3. Mai 1925
- Die Deutschen Nationalspieler (1939), Verzeichnis
- Libero Deutschland Special: Die Deutsche Fußballmeisterschaft 1903–1945 (Aufstellungen 1925, Foto Berlin–München 1924)
- Niederländische Zeitungen (Delpher), 29. und 30. August 1924 (Ankündigung der deutschen Elf)
- Darmstädter Tagblatt, 5. November 1923
- Darmstädter Tagblatt, 1. September 1924