Heinz Emmerich – Verteidiger von Tennis Borussia, drei Länderspiele 1931
Oslo, 21. Juni 1931, anhaltender Regen, die letzte Minute. Willibald Kreß fängt eine Flanke ab und schlägt den Ball ins Feld, aber die Norweger schicken sofort den nächsten Angriff nach. Hans Brunke tritt über den Ball, und ein Tor, schreibt das »Darmstädter Tagblatt«, scheint unvermeidlich. Dann stürzt noch jemand hinzu und wehrt zur Ecke ab: Heinz Emmerich, Brunkes Nebenmann bei Tennis Borussia Berlin und in der Nationalelf. Ludwig Leinberger schlägt den Eckball ins Feld, der Schlusspfiff ertönt, es bleibt beim 2:2.
»Im letzten Moment stürzte aber noch Emmerich hinzu und wehrte zur Ecke ab.«
Aus Pankow zu den Veilchen
Heinz Emmerich wird am 25. Februar 1908 in Berlin geboren, nach der Wikipedia lernt er in Pankow das Fußballspielen. Das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 führt ihn mit dem Heimatort Berlin-Pankow, als Stammposten Verteidiger und als Beruf Angestellter. Als Vereine nennt es Tennis Borussia Berlin und die Bewag Berlin, die Wikipedia spricht von »SV Elektra beziehungsweise BEWAG Berlin«. Das Datencenter des DFB führt ihn bei Tennis Borussia von 1926 bis 1939.
Bei Tennis Borussia, den »Veilchen«, bildet er über Jahre mit Hans Brunke ein Verteidigerpaar, nach der Wikipedia eines der besten Deutschlands. In Berlin steht der Verein im Schatten von Hertha BSC und ist trotzdem regelmäßig dabei: Fünfmal in Folge zieht Tennis Borussia von 1928 bis 1932 in die Endrunde um die deutsche Meisterschaft ein. Das Datencenter zählt Emmerich dort in acht Spielen, drei Siege und fünf Niederlagen, verteilt auf die Saisons 1927/28 (zwei Spiele), 1928/29 (zwei), 1929/30 (eines), 1930/31 (zwei) und 1931/32 (eines).
Das erste war nach beiden Quellen am 8. Juli 1928 in Hamborn, im Schwelgernstadion: ein 3:1 gegen Preußen Krefeld, laut Wikipedia im Angriff mit Sepp Herberger. Vier Tage später verlor Tennis Borussia im Berliner Stadion am Gesundbrunnen 1:4 gegen Wacker München. 1929 folgt am 16. Juni ein 3:2 nach Verlängerung gegen Titania Stettin auf dem Preußen-Platz, dann am 30. Juni ein 1:3 beim 1. FC Nürnberg im Ronhof. 1930 ist die Endrunde nach einer Partie vorbei: Am 18. Mai verliert Tennis Borussia 1:4 bei der SpVgg Fürth. 1931 gewinnen die Berliner am 10. Mai im Stadion am Gesundbrunnen 6:1 gegen den VfB Liegnitz, am 24. Mai scheiden sie im Frankfurter Riederwaldstadion mit 0:1 gegen 1860 München aus. Am selben Nachmittag verliert die Nationalelf in Berlin 0:6 gegen Österreich. Die letzte Endrunde ist 1932: Tennis Borussia ist Meister von Berlin-Brandenburg, schlägt am 8. Mai im SCC-Stadion Viktoria Stolp 3:0 und verliert am 22. Mai in Frankfurt 1:3 bei Eintracht. Hier passen die Zahlen nicht ganz zusammen: Nach dem Datencenter bestreitet Emmerich in dieser Saison nur ein Endrundenspiel, die Berliner Mannschaft aber zwei. Welches er verpasst, geben die benutzten Quellen nicht her. Hätte er das Stolp-Spiel ausgelassen, ergäben sich genau drei Siege und fünf Niederlagen, wie das Datencenter sie zählt; das ist aber nur eine Rechnung, kein Beleg.
Daneben spielt er für die Auswahl von Brandenburg. Am 28. April 1929 gewinnt sie das Finale um den Bundespokal 4:1 gegen Norddeutschland, mit Paul Gehlhaar im Tor und Emmerich und Brunke davor. Ein Jahr später kehren die Norddeutschen das Ergebnis um und siegen in Altona 2:0, wieder verteidigen die beiden. 1933 steht Brandenburg noch einmal im Endspiel: 2:2 nach Verlängerung am 23. Juli in Berlin gegen Bayern, im Wiederholungsspiel am 6. August in München siegen die Süddeutschen nach der Wikipedia 6:1.
Berufung unter Nerz
Reichstrainer Otto Nerz holt ihn nach der Wikipedia im April 1931 erstmals in den Kader, beim 1:1 in Amsterdam bleibt Emmerich ohne Einsatz. Das 0:6 gegen Österreich im Mai, mit Ali Beier und Heinrich Weber in der Abwehr, ändert die Lage, und für die Nordlandreise im Juni lädt der DFB Emmerich und Brunke ein.
Es ist eine Reise mit vielen Absagen. Am 12. Juni steht Emmerich im »Darmstädter Tagblatt« nur als Ersatzmann, zwei Tage später meldet das Blatt »weitere Absagen«, und jetzt steht er in der angekündigten Elf, neben Brunke, vor Willibald Kreß. Am 17. Juni im Olympiastadion von Stockholm debütiert er, es bleibt beim 0:0 (16.000 Zuschauer nach dem DFB, 17.000 nach niederländischen Zeitungen; Schiedsrichter John Langenus aus Belgien). Das Tagblatt findet, die beiden Berliner hätten »sehr sicher ihre Pflicht« getan, und nennt Kreß »einfach nicht zu schlagen«.
Der große Tag: Oslo, 21. Juni 1931
Vier Tage später geht es in Oslo gegen Norwegen. Die Quellen nennen 25.000 Zuschauer (Tagblatt) oder 17.000 (norwegische Angabe), es regnet anhaltend. Gespielt wird im Ullevaal-Stadion, Schiedsrichter ist der Schwede Ivan Eklind. Nach dem DFB-Datencenter bringt Josef Bergmaier Deutschland in der ersten Minute in Führung, Sten Moe gleicht in der 12. Minute aus (das Tagblatt datiert es auf die 15.). In der 60. Minute trifft Johannes Ludwig zum 2:1, und Moe antwortet in der 61. Minute zum 2:2. Ausführlich steht der Verlauf im Spielbericht.
Hinten spielt die Mannschaft mit Kreß, Emmerich und Brunke, davor die Läufer Erich Kauer, Leinberger und Georg Knöpfle. Kreß fängt nach dem Tagblatt »seelenruhig« die schwierigsten Schüsse. In der Schlussphase kommt die Szene, die diese Seite eröffnet: Brunke tritt über den Ball, Emmerich rettet.
Das Tagblatt zieht am nächsten Tag Bilanz. Die Norweger seien zumindest ein ebenbürtiger Gegner gewesen und hätten mehr Torchancen gehabt, die deutsche Elf habe angesichts der fehlenden ersten Garnitur nicht enttäuscht. Über die Verteidigung heißt es: »Die Verteidigung hatte gute und schwache Momente. Emmerich war etwas besser als Brunke.« Der Beste sei wieder Kreß gewesen.
Wien und das Ende
Am 13. September 1931 spielt Deutschland im neuen Stadion der Stadt Wien im Prater gegen Österreichs »Wunderteam«, vor 50.000 Zuschauern nach dem DFB-Datencenter, 60.000 nach dem Tagblatt; es pfeift der Schwede Otto Olsson. Emmerich steht mit Brunke in der Abwehr, vor Kreß, und Ludwig Leinberger und Knöpfle stehen vor ihnen. Matthias Sindelar trifft in der 2. Minute zum 1:0, bis zur Pause fällt noch ein zweites Tor. Nach der Pause spricht das Tagblatt von der »Nervosität und Hilflosigkeit«, in die die Verteidigung Emmerich–Brunke nun gefallen sei. Am Ende heißt es 0:5, und das Blatt schreibt: »Das war keine Verteidigung von internationalem Format.« Die Ursachen der Niederlage sieht es einerseits im Versagen der deutschen Verteidigung, andererseits im überlegenen, reiferen Spiel der Österreicher.
Zwei Wochen später, im Länderspiel gegen Dänemark in Hannover, spielt eine völlig neu formierte Elf, und Emmerich ist nicht mehr dabei. Der Spielbericht der Seite zum 0:5 nennt die Abwehr Emmerich–Brunke ausdrücklich nervös und hilflos; nach der Wikipedia endet damit seine internationale Laufbahn. Eine Begründung nennen die benutzten Quellen nicht.
Nach 1931
Emmerich und Brunke kennen Johannes Ludwig schon vor der Nordlandreise als Gegner: Als Brandenburgs Auswahl 1929 in Berlin gegen Norddeutschland gewann, stand Ludwig nach den Wikipedia-Aufstellungen auf der anderen Seite, 1930 in Altona dann auf der Seite des Siegers.
Bei Tennis Borussia bleibt Emmerich nach den Daten des DFB bis 1939. Was er nach der Nationalelf sonst erlebte, sagen die benutzten Quellen nicht; das Lexikon von 1939 nennt neben Tennis Borussia die Bewag Berlin als Verein. Er stirbt nach der Wikipedia am 10. März 1986; wo, steht dort nicht.
Heinz Emmerich auf einen Blick
Geboren: 25.2.1908 in Berlin (Heimatort Berlin-Pankow laut Lexikon 1939)
Gestorben: 10.3.1986 (nach der Wikipedia, Ort nicht genannt)
Vereine: Tennis Borussia Berlin (1926–1939 laut DFB-Datencenter), Bewag Berlin / SV Elektra
Position: Verteidiger
Beruf: Angestellter (laut Lexikon 1939)
Bilanz: 3 Länderspiele (2 Unentschieden, 1 Niederlage), kein Tor (alle 1931)
Erfolge: Endrundenteilnehmer 1928 bis 1932, Meister von Berlin-Brandenburg 1932, Bundespokal-Sieger mit Brandenburg 1929
Länderspiele
- 17.06.1931 Schweden – Deutschland 0:0 – Debüt
- 21.06.1931 Norwegen – Deutschland 2:2
- 13.09.1931 Österreich – Deutschland 5:0
Quellen
- Wikipedia: Heinz Emmerich
- Wikipedia (en): Heinz Emmerich
- DFB-Datencenter: Heinz Emmerich, Spielerprofil
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1927/28
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1930/31
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1931/32
- RSSSF: (West) Germany International Results
- Die Deutschen Nationalspieler (1939), Verzeichnis
- Darmstädter Tagblatt, 12. Juni 1931
- Darmstädter Tagblatt, 14. Juni 1931
- Darmstädter Tagblatt, 18. Juni 1931
- Darmstädter Tagblatt, 22. Juni 1931
- Darmstädter Tagblatt, 14. September 1931