Erich Schröder – der Kölner Verteidiger, der mit 32 in Amsterdam debütierte

Zweimal Schröder, zweimal Holland, zweimal genau ein Länderspiel. 1926 lief in Düsseldorf Hans Schröder aus Berlin gegen die Niederlande auf, 19 Jahre alt. Fünf Jahre später, am 26. April 1931, steht in Amsterdam wieder ein Schröder in der Nationalelf: Erich, Verteidiger vom VfR Köln 04, 32 Jahre alt. Das 1:1 ist sein einziger Auftritt. In der Elf steht auch ein Dresdner, der erst 19 ist.

Erich Schröders Laufbahn · Dresden und Köln, 1898–1975, mit dem einen Länderspiel 1931
Erich Schröders Laufbahn · Dresden und Köln, 1898–1975, mit dem einen Länderspiel 1931

»… und auch die Verteidigung ging an. Sie hatte allerdings auch in Kreß einen zuverlässigen Mann hinter sich.«

— Darmstädter Tagblatt, 27. April 1931, über das 1:1 in Amsterdam

Von Dresden an den Rhein

Erich Schröder wird am 20. November 1898 in Dresden geboren, das nennen das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 und die Wikipedia. Fußball spielt er nach der Wikipedia zuerst in der Jugend des Dresdner SC. Dann zieht es ihn ins Rheinland: Von der Saison 1918/19 an gehört er dem VfR Köln 04 rrh. an, so die Wikipedia, das Kürzel steht für rechtsrheinisch. Das DFB-Datencenter führt den Verein als »Viktoria Köln« und nennt als Zeitraum den 1. Juli 1918 bis zum 30. Juni 1932. Das Lexikon von 1939 führt zwei Vereine, den Dresdner Sportclub und den VfR Köln, dazu den Stammposten Verteidiger und den Beruf Kraftfahrer. Wohnort ist Köln-Mülheim, ebenfalls auf der rechten Rheinseite.

Mit dem VfR geht es in den Kreisligen des Westdeutschen Spiel-Verbands zur Sache, im Rheinischen Südkreis, von 1921/22 an im Rheingau. 1924/25 gewinnt die Mannschaft ihre Gruppe, verliert aber das Endspiel um die Rheingaumeisterschaft 1:3 gegen den Rheydter Spielverein. Ein Jahr später klappt es. Im Endspiel schlägt der VfR die Rheydter 2:1, danach gewinnt er die westdeutsche Endrunde mit vier Siegen und zwei Unentschieden bei 16:6 Toren, knapp vor dem BV Altenessen 06. Schröder ist dabei, nach der Wikipedia »mit seiner Mannschaft«. Welche der Spiele er im Einzelnen bestritt, sagt keine der benutzten Quellen.

Ein einziges Endrundenspiel

Als westdeutscher Meister ist der VfR in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft 1926. Am 17. Mai steht im Achtelfinale im Kölner Müngersdorfer Stadion der SV Norden-Nordwest 98 gegenüber, der Vizemeister aus Berlin. Die Wikipedia-Seite zur Endrunde nennt den 17. Mai, das DFB-Datencenter den 16. Köln verliert 1:2. Es ist Schröders einziges Endrundenspiel.

Beim VfR führt ihn das Datencenter bis zum 30. Juni 1932. Über die Jahre dazwischen steht in den benutzten Quellen nichts.

Der große Tag: Amsterdam, 26. April 1931

Am 20. April 1931 meldet das »Darmstädter Tagblatt« die Mannschaft, mit der der DFB in Amsterdam antreten will: Kreß aus Frankfurt im Tor, davor Schröder (Köln) und Weber (Kassel). Reichstrainer ist Otto Nerz. Die Nationalelf ist nach Schulze-Marmeling in jenen Monaten sportlich längst wieder auf dem absteigenden Ast, nur im Tor und im Mittelsturm herrscht Kontinuität, sonst sucht Nerz, und eine Stammplatzgarantie hat fast niemand. Das Tagblatt spricht nach dem Spiel von einer »schwachen deutschen Mannschaftsaufstellung«.

Es ist die zwölfte Begegnung mit den Niederlanden. Im Olympiastadion zählt das DFB-Datencenter 32.000 Zuschauer, die »Nieuwe Tilburgsche Courant« »ruim 31.000«, darunter mehr als 6.000 Deutsche, die mit Sonderzügen angereist sind. Der Schwede Axel Bergqvist pfeift. Schröder spielt neben Heinrich Weber, hinter ihm im Tor steht Willibald Kreß.

Die Niederländer sind schneller, schreibt das Tagblatt. Das erste Tor fällt nach dem DFB in der 29. Minute, das Tagblatt nennt die 30. oder 31. Die Quellen erzählen es verschieden: Nach dem Tagblatt kommt Wim Tap nach einer langen Vorlage in einem Gedränge zum Schuss, Kreß ist zu früh aus dem Tor gegangen, Weber greift zu spät ein. Nach der niederländischen Zeitung dribbelt Tap zwischen Weber und Schröder hindurch und schiebt den Ball mit einem ruhigen Roller an Kreß vorbei. Mit 0:1 geht es in die Pause.

Niederlande – Deutschland 1:1 in Amsterdam · Tap trifft in der 29. Minute, Schlösser gleicht in der 73. aus
Niederlande – Deutschland 1:1 in Amsterdam · Tap trifft in der 29. Minute, Schlösser gleicht in der 73. aus

Danach drängt Deutschland, nach dem Tagblatt zwanzig Minuten lang überlegen. In der 73. Minute, das Tagblatt zählt die 28. Minute der zweiten Halbzeit, trifft Karl Schlösser zum 1:1. Wenig später zählt ein zweites deutsches Tor, das Ludwig Lachner erzielt, nicht: Der Schiedsrichter pfeift Abseits, »sehr zweifelhaft«, so das Tagblatt. Mehr passiert nicht. Kreß hält, was auf sein Tor kommt, das Tagblatt schreibt, mit einem anderen Torwart hätte Deutschland »die Partie sicher glatt verloren«.

Über Schröder steht in den Zeitungen kein eigenes Urteil. Das Tagblatt fasst die Hintermannschaft in einem Halbsatz zusammen, die Verteidigung »ging an«. Die niederländische Zeitung hebt bei den Deutschen Kreß, Weber, Kauer und Hofmann hervor, ein anderes niederländisches Blatt, das das Tagblatt am 29. April zitiert, nennt Kreß, Knöpfle, Weber und Richard Hofmann. Schröders Name fällt in beiden Listen nicht, und so bleibt von seinem Länderspiel ein Mann, der hinten stand, während der Torwart den Tag verbucht bekam.

Danach

Vier Wochen später verliert die Nationalelf in Berlin 0:6 gegen Österreich, nach den Seitendaten ohne Schröder. Es bleibt bei dem einen Spiel, auch das Lexikon von 1939 verzeichnet »1 Länderspiel: 1931 Holland«. Einen Grund für die Nicht-Wiederberufung nennt keine Quelle.

Am 30. Mai 1937 beantragte Schröder die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai 1937 aufgenommen. Das ergibt sich nach der Wikipedia aus Unterlagen des Bundesarchivs, über die die Zeit am 24. Juli 2024 berichtet hat. Er stirbt am 24. Dezember 1975, wo, steht in keiner der benutzten Quellen.

Erich oder Hans?

Die Verwechslungsgefahr ist real, weil der Name häufig ist und die Länderspiele ähnlich aussehen. Hans Schröder, Rechtsaußen von Tennis Borussia Berlin, spielte am 18. April 1926 beim 4:2 in Düsseldorf gegen die Niederlande, er ist ein anderer Mann und hat seine eigene Biografie. Erich Schröder, Verteidiger aus Köln, gehört nur das Spiel vom 26. April 1931. Die Wikipedia führt in ihrer Begriffsklärung fünf Erich Schröder, darunter einen Maler, einen Mediziner, einen Polizeibeamten und einen Philosophen. Als Fußballspieler und Nationalspieler ist dort nur er (1898–1975) genannt. Die Weblinks laufen unter »erich-schroeder« beim DFB und bei Weltfussball, das DFB-Datencenter schreibt ihn »Schroder«.

Erich Schröder auf einen Blick

Geboren: 20.11.1898 in Dresden
Gestorben: 24.12.1975 (Ort nicht angegeben)
Vereine: Dresdner SC (Jugend), VfR Köln 04 rrh. (1918–1932; im DFB-Datencenter als Viktoria Köln)
Position: Verteidiger
Beruf: Kraftfahrer in Köln-Mülheim (Lexikon 1939)
Erfolge: westdeutscher Meister 1926 mit dem VfR Köln 04; ein Endrundenspiel um die deutsche Meisterschaft (1926)
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Unentschieden), kein Tor (1931)

Länderspiele

Quellen