Oskar Ritter – zwei Tore im Endspiel von Düsseldorf
Zwei Tore im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, und trotzdem nur Zweiter. Am 22. Juni 1930 trifft Oskar Ritter in Düsseldorf früh zum 2:0 für Holstein Kiel und kurz vor Schluss zum 4:4. Dann geht Hertha BSC in der 87. Minute zum 5:4 in Führung, und es bleibt dabei. Fünf Jahre vorher hatte Ritter in Stockholm sein einziges Länderspiel bestritten, auch das ging verloren.
»Zwei Minuten nach dem Platzverweis von Ludwig ging Ritter blitzschnell durch, und ehe sich die Berliner Verteidigung der Gefahr bewußt geworden war, hatte Ritter schon das Leder eingeschossen.«
Von Hamburg nach Kiel
Ritter wird am 30. September 1901 geboren, so führen es die Wikipedia und das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939, das DFB-Datencenter nennt den 30. Januar 1901. Geburtsort ist nach der Wikipedia Hamburg, im Lexikon steht als Heimatort Kiel. Nach dem Lexikon ist er von Beruf Hausmeister, sein Stammposten Rechtsinnen. Die Wikipedia rühmt seine Dribbelstärke und seinen Torinstinkt.
Bis 1923 spielt er nach der Wikipedia beim SK Komet Hamburg, dann wechselt er zu Holstein Kiel. Schulze-Marmeling führt ihn in einer anderen Version: Er nennt »Komet Flottbek (heute Komet Blankenese)« und rechnet Ritter zu den Spielern, die aus dem Arbeitersport zu bürgerlichen Vereinen wechselten. Welcher Komet gemeint ist, sagen die Quellen nicht. Das DFB-Datencenter führt ihn bei Holstein vom 1. April 1923 bis zum 30. Juni 1936.
Holstein ist in diesen Jahren die Macht im Norden. Nach der Wikipedia gewinnt Ritter mit dem Klub die schleswig-holsteinische Meisterschaft von 1924 bis 1928 und von 1930 bis 1933 und dreimal die Norddeutsche Meisterschaft, 1926, 1927 und 1930. Sieben Jahre in Folge steht er in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, nach dem DFB-Datencenter in 17 Spielen mit 11 Toren und einer Bilanz von 10 Siegen und 7 Niederlagen. Das Ziel erreicht er nie. Die Quellen führen sieben Ausscheiden: gegen Fürth (1926), Hertha (1927 und 1928), Nürnberg (1929), 1860 München (1931), erneut Nürnberg (1932). Nur 1930 geht es bis ins Endspiel.
Ein Länderspiel in Stockholm
Im Juni 1925 steht Ritter im Aufgebot für die Nordlandreise. In Stockholm spielt er am 21. Juni im Sturm, nach der DFB-Aufstellung neben Otto Montag, seinem Kieler Kameraden Karl Schulz und Paul Pömpner. Der Spielbericht erzählt das 0:1 im Detail. Das Karlsruher Tagblatt stellt über seinen Bericht die Zeile »Der deutsche Innensturm versagt« und schreibt, die deutschen Angriffe hätten sich an der »Unfähigkeit des Innensturmes« festgelaufen, Namen nennt es nicht. Ritter gehört nach der Aufstellung zu diesen drei Innenstürmern. Eine zweite Chance bekommt er nicht.
Der große Tag: Düsseldorf, 22. Juni 1930
Der fünfte Anlauf von Hertha BSC, die vorher viermal im Endspiel gescheitert ist. Im Düsseldorfer Rheinstadion sind nach dem DFB 40.000 Zuschauer, das Tagblatt zählt 45.000 und spricht von »tropischer Hitze«. Schiedsrichter ist Willi Guyenz. Kiel, trainiert von dem Österreicher Karl Heinlein, startet furios. Nach der Wikipedia trifft Werner Widmayer in der 4., Ritter erhöht in der 8. Minute auf 2:0. Das Tagblatt datiert dieses Tor auf die 11. Minute und schreibt, Ritter habe nicht gezaudert.
Kiel spielt mit Kurt Voß und Franz Esser auf den Flügeln, Widmayer und Ritter innen, in der Mitte Johannes Ludwig. Dann dreht Hertha auf. Hanne Sobek, den das Tagblatt »Sobeck« schreibt, trifft zweimal und gleicht aus, Ludwig bringt Kiel noch einmal in Führung, und Bruno Lehmann gleicht vor der Pause zum 3:3 aus. Nach dem Wechsel führt Berlin 4:3, nach der Wikipedia in der 68. Minute, nach dem Tagblatt in der 70.
Dann kommt Ludwigs Platzverweis. Er hat beim Schiedsrichter nach dem Tagblatt allzu temperamentvoll reklamiert und geht »weinend« vom Platz, nach der Wikipedia in der 80. Minute, nach dem Tagblatt in der 77. Das Publikum, vorher neutral, steht jetzt auf Kiels Seite. Zwei Minuten später, so das Blatt, geht Ritter durch und schiebt ein. Die Wikipedia nennt für das 4:4 die 82. Minute. Dann sammelt Berlin die Kräfte zu einem letzten Angriff, Hans Ruch schießt in der 87. Minute das 5:4.
Von den vier Kieler Treffern schießt Ritter zwei, das erste und das letzte.
Nach dem Endspiel
Ritter spielt bis 1936 in Kiel. Danach absolviert er noch drei Spielzeiten in der Gauliga Nordmark, die letzten Jahre. Im Tschammerpokal setzt ihn die Wikipedia nur einmal ein, am 1. September 1935 beim 7:1 gegen die SpVgg Nordring Stettin, er schießt vier Tore. Nach der Wikipedia, die sich auf eine Karteikarte im Bundesarchiv und einen Artikel der »Zeit« vom 24. Juli 2024 stützt, beantragte er am 9. Oktober 1937 die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai 1937 aufgenommen. Weiteres dazu nennt die Wikipedia nicht. Er starb am 5. März 1985, ein Ort wird nicht genannt.
Wer »Oskar Ritter« sucht, findet in der englischsprachigen Wikipedia auch einen Physiker, geboren 1913, der im deutschen Uranprojekt arbeitete. Mit dem Kieler Stürmer hat er nichts zu tun.
Oskar Ritter auf einen Blick
Geboren: 30.9.1901 in Hamburg (Wikipedia), Heimatort Kiel (Lexikon 1939), 30.1.1901 nach dem DFB-Datencenter
Gestorben: 5.3.1985 (nach der Wikipedia, Ort nicht genannt)
Vereine: SK Komet Hamburg (bis 1923), Holstein Kiel (1923–1936)
Position: Rechtsinnen (Lexikon 1939), Sturm
Beruf: Hausmeister
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Niederlage), 0 Tore; 17 Endrundenspiele, 11 Tore
Erfolge: Deutscher Vizemeister 1930, Norddeutscher Meister 1926, 1927 und 1930, Schleswig-Holsteinischer Meister 1924 bis 1928 und 1930 bis 1933
Länderspiele
- 21.06.1925 Schweden – Deutschland 1:0 – Debüt und einziges Länderspiel, Sturm
Weitere Länderspiele verzeichnen weder das DFB-Datencenter noch das Lexikon von 1939 noch RSSSF.
Quellen
- Wikipedia: Oskar Ritter
- Wikipedia (en): Oskar Ritter, Physiker (Namensvetter)
- DFB-Datencenter: Oskar Ritter, Spielerprofil
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1929/30
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1925/26
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1926/27
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1927/28
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1928/29
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1930/31
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1931/32
- Wikipedia: Tschammerpokal 1935
- RSSSF: (West) Germany International Results
- Die Deutschen Nationalspieler (1939), Verzeichnis
- Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft (Schulze-Marmeling, Internet Archive)
- Darmstädter Tagblatt, 23. Juni 1930 (Endspiel in Düsseldorf)
- Karlsruher Tagblatt, 22. Juni 1925, Sportblatt (Badische Landesbibliothek)