Max Niederbacher – der Mittelläufer aus dem Schwarzwald

Am 2. November 1924 läuft Max Niederbacher zum ersten Mal für die Stuttgarter Kickers auf, in Stuttgart gegen den Freiburger FC, es endet 3:0. Keine acht Monate später steht er in Stockholm auf dem Platz, auf der Tribüne der schwedische König und die Königin, und spielt für Deutschland. Es ist sein einziges Länderspiel. Das Karlsruher Tagblatt nennt den deutschen Mittelläufer danach »sehr enttäuschend«.

Max Niederbachers Laufbahn · Stuttgarter Kickers, Stuttgarter SC und Biel, 1924–1940
Max Niederbachers Laufbahn · Stuttgarter Kickers, Stuttgarter SC und Biel, 1924–1940

»Die Schwäche der deutschen Elf aber war ihr Innensturm, der sich nicht zusammenfinden konnte, und der sehr enttäuschende Mittelläufer.«

— Karlsruher Tagblatt, Sportblatt vom 22. Juni 1925, über das Länderspiel in Stockholm

Vom Schwarzwald zu den Kickers

Niederbacher wird am 22. Juni 1899 in Pfalzgrafenweiler im Schwarzwald geboren. Wikipedia, DFB-Datencenter, Kickersarchiv und das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 stimmen darin überein. Beim Todesdatum gehen sie auseinander: Die Wikipedia nennt unter Berufung auf die Friedhofsverwaltung Stuttgart den 16. Mai 1979, das Kickersarchiv den 6. Juni 1979, die englische Wikipedia nur »June 1979«. Von Beruf ist er nach dem Lexikon Mechaniker, Stammposten Mittelläufer und Verteidiger.

Vor den Kickers führt ihn das Kickersarchiv beim Stuttgarter SC und, »zwischenzeitlich«, in der Schweiz, genauere Daten fehlen dort. Ab dem 1. November 1924 ist er für die Kickers spielberechtigt. Trainer der Mannschaft ist damals der Engländer Edwin Dutton, selbst früher Nationalspieler, die Kickers gewinnen die Bezirksliga Württemberg/Baden mit 22:6 Punkten. Am 4. Januar 1925 trifft Niederbacher beim 4:0 gegen den VfB Stuttgart zum 3:0.

In der Süddeutschen Meisterschaft 1925 wird der Klub Vierter von fünf. Niederbacher steht dort gegen den 1. FC Nürnberg im Mittelfeld, am 22. Februar bei der 0:1-Niederlage in Nürnberg, am 15. März beim 1:1 in Stuttgart. Auf der Gegenseite spielt Heiner Stuhlfauth im Tor und Ludwig Wieder im Sturm.

Der große Tag: Stockholm, 21. Juni 1925

Der DFB schickt im Juni 1925 einen Tross von 25 Spielern nach Skandinavien. Zum Auftakt steht Niederbacher in Stockholm in der Elf, zwischen den Läufern Hans Lang und Otto Martwig. Der Spielbericht mit Aufstellungen und niederländischen Pressestimmen steht hier. Das Karlsruher Tagblatt nennt etwa 10.000 Zuschauer, darunter das Königspaar, das Kronprinzenpaar und Prinz Eugen, dazu den finnischen Präsidenten und den deutschen Gesandten.

Die Elf, die da aufläuft, ist nicht die geplante. Nach dem Tagblatt hätte Kurt Voß rechts außen und August Werner links in der Verteidigung stehen sollen, stattdessen spielen Hans Ruch und Emil Kutterer. Im Tor steht Georg Ertl, dem die Zeitung zugutehält, dass die Niederlage so knapp bleibt.

Das Spiel beginnt nervös. Die Schweden, so das Tagblatt, finden sich zuerst und haben entschieden mehr vom Spiel. Dann fällt das einzige Tor des Tages, nach dem Tagblatt, weil Lang einen Ball zu Ali Beier zurückspielt, Beier glaubt, Ertl erreiche ihn noch, und ein Schwede dazwischenfährt. Wann es fällt, ist strittig: Das DFB-Datencenter nennt die 9. Minute, die Winschoter courant die fünfte, das Tagblatt die 18. Auch der Schütze ist nicht gesichert. Datencenter und Winschoter courant nennen Filip Johansson, das Tagblatt spricht von einem schwedischen Linksinnen. Beier muss verletzt raus, nach dem Tagblatt in der 18. Minute, nach dem Datencenter in der 22., für ihn kommt Werner.

Schweden – Deutschland 1:0 in Stockholm · die deutsche Elf mit Max Niederbacher als Mittelläufer
Schweden – Deutschland 1:0 in Stockholm · die deutsche Elf mit Max Niederbacher als Mittelläufer

Nach der Pause werden die Deutschen für eine Weile überlegen, doch ihr Innensturm, schreibt das Tagblatt, bleibt unsicher und langsam, und die Unterstützung durch den Mittelläufer sei »sehr mangelhaft«. Die Außenstürmer leiten manchen guten Angriff ein, aber alle verpuffen. Danach übernehmen die Schweden, so das Blatt, nach einer Phase des Ausgleichs wieder das Kommando und bleiben bis zum Schluss überlegen, ohne die deutsche Hintermannschaft noch einmal zu schlagen. Die Winschoter courant meldet knapper, nach dem Wechsel hätten sich die Mannschaften besser aufgewogen. Das Tagblatt nennt keinen Namen, aber nach der von ihm abgedruckten Aufstellung ist der Mittelläufer Niederbacher.

Fünf Tage später gewinnt Deutschland in Helsinki 5:3. Niederbacher steht nicht mehr in der Elf. Nach Schulze-Marmeling wurden von den 25 Reisenden 15 nie wieder aufgestellt, er gehört dazu.

Weiter bei den Kickers, und später

Bei den Kickers bleibt er bis 1930. Nur zwei Monate nach Stockholm spielt er am 23. August 1925 in München das Endspiel um den Süddeutschen Pokal, die Kickers verlieren 0:2 gegen die SpVgg Fürth, bei der Hans Hagen verteidigt. 1927/28 wird er mit den Kickers Meister von Württemberg und in der süddeutschen Finalrunde Fünfter von acht.

Das Kickersarchiv notiert für 1928/29 zwei Dinge, die ohne Erklärung bleiben: einen Platzverweis am 10. März 1929 beim 3:1 gegen den VfB Stuttgart und eine Sperre ab 19. März, Grund unbekannt. Beim Privatspiel am 29. Juni 1929 führt es ihn als Verteidiger auf, was zu dem Stammposten »Mittelläufer und Verteidiger« im Lexikon passt. 1930 geht er zum Stuttgarter SC und spielt dort nach der Wikipedia ein Jahr in der zweitklassigen Kreisliga, 1931/32 beim Schweizer Nationalligisten FC Biel-Bienne. In Biel wird er sesshaft. In der Saison 1939/40 trainiert er den Stuttgarter SC in der Gauliga Württemberg. Er stirbt 1979, einen Ort nennt keine der Quellen.

Max Niederbacher auf einen Blick

Geboren: 22.6.1899 in Pfalzgrafenweiler (Schwarzwald)
Gestorben: Mai oder Juni 1979 (Wikipedia: 16.5., Kickersarchiv: 6.6.), Ort nicht genannt
Vereine: Stuttgarter Kickers (1924–1930), Stuttgarter SC (1930/31), FC Biel-Bienne (ab 1931)
Position: Mittelläufer, später auch Verteidiger
Beruf: Mechaniker (laut Lexikon 1939)
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Niederlage), 0 Tore
Erfolge: Meister Württemberg/Baden 1925, Süddeutscher Pokalfinalist 1925, Meister von Württemberg 1928
Als Trainer: Stuttgarter SC (1939/40)

Länderspiele

Weitere Länderspiele verzeichnen weder das DFB-Datencenter noch das Lexikon von 1939 noch RSSSF.

Quellen