Georg Wellhöfer – Deutscher Meister mit 21, Nationalspieler mit 29
Mit 21 Deutscher Meister, mit 29 Nationalspieler, und dazwischen lag ein Krieg: Georg Wellhöfer gehört zu den Fußballern, deren Karriere an den Jahreszahlen hängt. Er gewann 1914 den Titel, kam unversehrt aus dem Weltkrieg zurück, stand 1920 noch einmal im Endspiel und lief 1922 genau einmal für Deutschland auf. Im Frankfurter Länderspiel war er einer von sieben Fürthern in der Elf.
»›Schorsch‹, wie ihn alle nannten, kehrte aus dem Krieg zurück und stand 1920 erneut mit seinem Verein im deutschen Endspiel.«
Ein Fürther und sein Verein
Georg Wellhöfer wird am 16. März 1893 in Fürth geboren. Mit 13 beginnt er bei Union Fürth, 1908/09 spielt er beim FC Pfeil Nürnberg. Nach der Wikipedia und der Kleeblatt-Chronik gehört er von 1911 an der SpVgg Fürth an, die Chronik führt ihn dort seit Juli 1909 in der Jugend. Er ist Abwehrspieler, das Lexikon von 1939 nennt ihn Sportlehrer.
In seinen ersten drei Jahren gewinnt er mit der Mannschaft jeweils die Ostkreismeisterschaft, 1914 dazu die Süddeutsche Meisterschaft. Damit steht Fürth in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, und Wellhöfer spielt Viertelfinale, Halbfinale und Finale. Das Endspiel am 31. Mai 1914 in Magdeburg gegen den VfB Leipzig endet 3:2 nach Verlängerung für Fürth. Er ist 21 Jahre alt.
Wochen später wird er zum Wehrdienst eingezogen. Nach der Wikipedia dient er von 1915 bis 1917 an der Front, spielt in dieser Zeit als Kriegsgastspieler für den FC Phönix Ludwigshafen und kehrt unversehrt in seine Heimat zurück. Die Chronik nennt als Phönix-Zeit 1915 bis 1917.
Zweiter 1920, Pokalsieger, Nationalspieler
Als der Spielbetrieb wieder normal läuft, tritt Fürth 1920 als Titelverteidiger von 1914 in der Endrunde an. Wellhöfer bestreitet wie 1914 alle drei Spiele. Das Endspiel am 13. Juni 1920 in Frankfurt geht gegen den fränkischen Rivalen 1. FC Nürnberg 0:2 verloren. Von September bis November 1920 hilft er außerdem beim FC Phönix Ludwigshafen aus. Als Süddeutscher Pokalsieger führen ihn die Quellen 1918 und 1923.
Am 5. März 1922 gewinnt die Auswahl Süddeutschlands in Hamburg das Endspiel um den Bundespokal 7:0 gegen Norddeutschland. Im Süden spielen sechs Fürther, darunter Torwart Theodor Lohrmann und Wellhöfer, der nach der Biografie von Josef Müller zunächst mit diesem das Verteidigerpaar bildet. Drei Wochen später steht er mit fünf von ihnen im Nationaltrikot.
Der große Tag: Frankfurt, 26. März 1922
Es ist das erste Länderspiel, das in Frankfurt stattfindet, gespielt am Riederwald, denn das Waldstadion gibt es noch nicht. Als der Sonderzug der Schweizer am Hauptbahnhof einläuft, muss die Halle eineinhalb Stunden gesperrt werden, so voll ist sie. Der 1. FC Nürnberg ist auf Spanienreise und fehlt, der DFB stellt eine Elf mit sieben Fürthern auf. Wellhöfer und Müller bilden das Verteidigerpaar vor Torwart Lohrmann, in der Läuferreihe spielen Hans Lang, Eduard Pendorf und Hans Hagen. Im Sturm stehen Fritz Retter, Andreas Franz, Kapitän Lony Seiderer, Willi Hutter und Heinrich Altvater.
Schiedsrichter ist der Niederländer Wolf Boas, die Zuschauerzahl schwankt zwischen 35.000 (RSSSF) und 40.000 (Schweizer Verband, Eintracht-Museum). Die Schweiz beginnt stärker, doch Deutschland verteidigt gut. Franz trifft in der 26. Minute zum 1:0, Seiderer in der 34. zum 2:0. Das Lexikon von 1939 und der Kicker von 1959 schreiben beide Tore Franz zu.
Nach der Pause verletzt sich Lohrmann, nach der Wikipedia ab der 62. Minute, und Seiderer, eigentlich Mittelstürmer, geht ins Tor. Die Abwehr bekommt nun einen Torwart, der keiner ist. Paul Sturzenegger verkürzt in der 72. Minute, Oskar Merkt gleicht in der 86. aus. Die niederländische Zeitung Limburger Koerier schrieb am 28. März 1922, der deutsche Torwart sei verletzt ausgeschieden, wodurch die Elf durcheinandergeraten sei. Einzelkritiken zur Abwehr enthält der Bericht nicht, auch zu Wellhöfer ist kein Urteil überliefert. Ein weiteres Länderspiel folgt nicht.
Meister 1923, dann auf die Trainerbank
Nach Wikipedia und Chronik ist 1923 sein erfolgreichstes Jahr bei der Spielvereinigung: nordbayerischer Meister, Süddeutscher Meister, Süddeutscher Pokalsieger. In der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft bestreitet er laut Chronik zwei Spiele. Im Oktober 1924 spielt er laut Wikipedia zum letzten Mal für Fürth, die Chronik nennt als Ende der Zeit im Team den November 1924.
Wellhöfer hat schon während der aktiven Zeit den Trainerschein als Sportlehrer erworben. Von November 1924 an ist er Spielertrainer bei Arminia Bielefeld, von 1925 bis 1928 in gleicher Rolle beim FC Phönix Ludwigshafen. Danach trainiert er nach der Wikipedia unter anderem den 1. FC Bayreuth, den VfR Fürth, die Sportfreunde 05 Saarbrücken, den SV Saar 05 Saarbrücken, den FV Saarbrücken (1933 bis 1936), Vorwärts-Rasensport Gleiwitz (1936/37) und den Karlsruher FC Phönix. Zwischenzeitlich war er Sportlehrer des Gaues Saarpfalz. Zuletzt betreute er bis 1952 die Alte-Herren-Mannschaft des SV Kirchheimbolanden. Eine Jahresangabe zu den meisten dieser Stationen liefern die Quellen nicht.
Georg Wellhöfer stirbt am 13. Dezember 1968. Den Sterbeort nennen die Quellen nicht.
Wellhöfer oder Wellhofer?
Das Lexikon von 1939 und die Wikipedia schreiben »Wellhöfer«, das DFB-Datencenter führt ihn als »Georg Wellhofer«. Gemeint ist derselbe Mann, geboren am 16. März 1893 in Fürth. In Fürth kannte man ihn als »Schorsch«.
Georg Wellhöfer auf einen Blick
Geboren: 16.3.1893 in Fürth
Gestorben: 13.12.1968 (Ort nicht angegeben)
Vereine: Union Fürth (1906–1908), FC Pfeil Nürnberg (1908/09), SpVgg Fürth (1911–1924), FC Phönix Ludwigshafen (Gastspiele 1915–1917 und 1920); als Spielertrainer Arminia Bielefeld (1924/25) und Phönix Ludwigshafen (1925–1928)
Position: Abwehr
Beruf: Sportlehrer, später Trainer
Erfolge: Deutscher Meister 1914, Deutscher Vizemeister 1920, Süddeutscher Meister 1914 und 1923, Süddeutscher Pokalsieger 1918 und 1923
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Unentschieden), kein Tor (1922)
Länderspiele
- 26.03.1922 Deutschland – Schweiz 2:2 – Debüt und einziges Länderspiel, Frankfurt am Main
Quellen
- Wikipedia: Georg Wellhöfer
- Wikipedia (englisch): Georg Wellhöfer
- Kleeblatt-Chronik: Georg Wellhöfer, Spielerprofil
- DFB-Datencenter: Georg Wellhofer, Spielerprofil
- RSSSF: (West) Germany International Results
- Die Deutschen Nationalspieler (1939), Verzeichnis
- Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft
- Biografie Theodor Lohrmann und Biografie Josef Müller auf rasenpoesie.de (Bundespokal-Endspiel 1922, Fürther Verteidigerpaar)
- Länderspielbericht Deutschland – Schweiz 1922 auf rasenpoesie.de mit Eintracht Frankfurt Museum, Schweizerischem Fussballverband und niederländischen Zeitungen (Limburger Koerier, 28. März 1922)