Wilhelm Blunk – Der Torwart aus Neumünster, der in Altona die Null hielt

Altona, 20. Oktober 1929, ein Heimspiel im besten Sinn: Der Hamburger Torwart Wilhelm Blunk steht im Volksparkstadion zum ersten und einzigen Mal im deutschen Tor. Die Finnen hatten eine Woche zuvor 0:8 in Dänemark verloren, und für Blunk wird es ein ruhiger Nachmittag. Das Tagblatt schreibt, Torwart und Verteidigung hätten nur selten wirklich schwere Arbeit bekommen. Deutschland gewinnt 4:0. Einen Stammplatz bringt ihm das nicht, denn danach stehen Stuhlfauth, Kreß, Wenz, Jakob und Gehlhaar im Tor.

Wilhelm Blunks Laufbahn · Neumünster, Hamburger SV, ein Länderspiel 1929
Wilhelm Blunks Laufbahn · Neumünster, Hamburger SV, ein Länderspiel 1929

»Torwart und Verteidigung waren sehr sicher, wenn sie auch nur selten wirklich schwere Arbeit erhielten.«

— Darmstädter Tagblatt, 21. Oktober 1929, über das Länderspiel gegen Finnland (Presseurteil)

Ein Neumünsteraner beim HSV

Wilhelm Blunk wird am 12. Dezember 1902 geboren, darin sind sich DFB-Datencenter, Wikipedia und das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 einig. Das Lexikon nennt Neumünster als Heimatort und ihn einen Monteur. Beim Namen sind die Quellen nicht so einig. Die Wikipedia schreibt »Wilhelm Friedrich ›Fiete‹ Blunk«, das DFB-Datencenter »Wilhelm Blunk«, das Lexikon von 1939 dagegen »Blunck, Friedrich«, und auch das Darmstädter Tagblatt schreibt 1931 »Blunck«. »Fiete« passt zu dem Friedrich des Lexikons, mehr als diese Vermutung hergeben die Quellen nicht. Hier steht die Schreibweise des DFB.

Mit sechs Jahren beginnt er nach der Wikipedia bei Gut Heil Neumünster, er turnt zunächst und treibt Leichtathletik, ehe er Fußballer wird. Danach spielt er für den VfR Neumünster, das Lexikon führt »Neumünster 1910« als Verein. 1925 entdeckt ihn der Hamburger SV in der Bezirksliga Schleswig-Holstein und baut ihn zum Nachfolger der »Torwartlegende« Hans Martens auf. Seine Stärke, schreibt die Wikipedia, sei die Beherrschung des Strafraums gewesen, er habe als ruhig und sachlich gegolten.

Deutscher Meister 1928

Gleich in der ersten Saison, 1925/26, wird der HSV Groß-Hamburger Meister, schlägt dabei im Entscheidungsspiel Altona 93 und kommt als norddeutscher Vizemeister in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, wo im Halbfinale Hertha BSC mit 4:2 gewinnt. 1927/28 wird der HSV norddeutscher Meister. In der Endrunde schlägt der HSV Schalke 04 (4:2) und den VfB Königsberg (4:0), im Halbfinale in Duisburg am 22. Juli den FC Bayern 8:2. Das Tagblatt hebt hervor, wie Blunk in der 20. Minute einen Münchner Angriff hervorragend abwehrt, und lobt das Abwehrtrio Blunk, Beier und Risse.

Das Endspiel am 29. Juli 1928 steigt in Altona gegen Hertha BSC, nach dem Tagblatt vor 50.000 Zuschauern, die Wikipedia nennt 60.000. Der HSV gewinnt 5:2. Im Tor der Hamburger steht Blunk, davor Risse und Beier, im Angriff Otto Harder und Franz Horn. Das Tagblatt schreibt über den Torwart nur einen kurzen Satz: »Auch Blunk im Tor war gut.« Nach dem DFB-Datencenter bestreitet er in diesem Jahr vier Endrundenspiele, vier Siege.

Mit dem Norden steht er 1929 im Bundespokalfinale und verliert in Berlin 1:4 gegen Brandenburg, ein Jahr später gewinnt Norddeutschland in Altona die Revanche 2:0. Insgesamt hütet er nach der Wikipedia von 1925 bis 1933 175 Mal das HSV-Tor, das DFB-Datencenter zählt bis 1933 16 Endrundenspiele mit 10 Siegen und 6 Niederlagen.

Der Weg in die Nationalelf

Der Platz im Nationaltor ist umkämpft. Die Wikipedia nennt als Konkurrenten Heiner Stuhlfauth aus Nürnberg, Willibald Kreß aus Frankfurt und Hans Jakob aus Regensburg, in Hamburg dazu Hans Wentorf von Altona 93, der im September 1928 gegen Dänemark im Länderspiel steht. 1929 stehen vor Blunk Stuhlfauth und Kreß im Tor.

Eine Woche vor dem Finnland-Spiel spielt Blunk im Pokal in Dortmund. Norddeutschland schlägt Westdeutschland 4:1, und das Tagblatt nennt den Torwart Blunk, die Verteidiger Beier und Risse und den Sturmführer Horn als Hauptstützen der Mannschaft. Auf der Gegenseite spielt Mittelläufer Hans Gruber, dem die Zeitung ein »völliges Versagen« bescheinigt. Am Freitag, dem 18. Oktober, druckt das Blatt die Elf für Altona: Blunk im Tor, davor Beier und Hans Hagen.

Der große Tag: Altona, 20. Oktober 1929

Reichstrainer Otto Nerz schickt gleich sechs Neulinge los: Blunk, Hermann Flick, Carl Schulz, Willi Völker, Fritz Szepan und August Sackenheim. Von Blunks Hamburger Kollegen spielen Beier und Horn mit. Vor dem Anpfiff ehrt der Verband Beier und Hagen für ihr zehntes Länderspiel. Schiedsrichter ist der Norweger Bjarne Bech.

Die Tore fallen alle nach der Pause. Der erste Durchgang bleibt torlos, weil der finnische Torhüter nach dem Tagblatt allein eine höhere Führung verhindert. Danach geht es schnell: Nach dem DFB-Datencenter treffen Fritz Szepan in der 52., August Sackenheim in der 61. und 81. und Richard Hofmann in der 70. Minute. Beim 1:0 sind sich die Quellen nicht einig: Das Tagblatt schreibt es in der achten Minute der zweiten Halbzeit Rechtsaußen Ernst Albrecht zu.

Blunk erlebt von alledem wenig. Die Finnen kombinieren gefällig, sagt das Tagblatt, aber ohne Taktik, und an der deutschen Verteidigung kommen sie nicht vorbei. Eine feine Chance der Gäste vereitelt in der ersten Hälfte der Duisburger Hermann Flick in letzter Sekunde. Wie oft Blunk eingreifen musste, ist nicht überliefert. Zum Schwachpunkt erklärt die Zeitung allein Mittelläufer Schulz. Ausführlich ist das Spiel auf der Seite Deutschland gegen Finnland am 20. Oktober 1929 beschrieben.

Deutschland – Finnland 4:0 · Blunk bleibt ohne Gegentor, Torminuten nach dem DFB
Deutschland – Finnland 4:0 · Blunk bleibt ohne Gegentor, Torminuten nach dem DFB

Ersatzmann und Abschied vom HSV

Danach bleibt er der Torwart der Norddeutschen und des HSV, aber nicht der Nationalelf. Am 13. März 1931 nennt das Tagblatt für das Länderspiel in Paris die Elf, mit Kreß im Tor. Als Ersatz steht dort: »Tor: Blunck (Hamb. SV.)«. Zum Einsatz kommt er nach der Wikipedia nicht, Deutschland verliert 0:1.

1932/33 gewinnt der HSV zum fünften Mal die norddeutsche Meisterschaft, scheidet aber im Achtelfinale der Endrunde mit 1:4 gegen Eintracht Frankfurt aus. 1933 erwischt es nach der Wikipedia bei der »radikal betriebenen Verjüngung« des Vereins neben Blunk auch Beier, Risse und den Spielertrainer Asbjørn Halvorsen. Blunk geht zurück nach Neumünster und wird Trainer bei Gut Heil, seinem Stammverein. Er stirbt am 25. Oktober 1975, den Ort nennen die Quellen nicht.

Wilhelm Blunk auf einen Blick

Geboren: 12.12.1902 (Heimatort Neumünster, Lexikon 1939)
Gestorben: 25.10.1975 (Ort nicht angegeben)
Vereine: Gut Heil Neumünster, VfR Neumünster, Hamburger SV (1925–1933), danach Trainer bei Gut Heil
Position: Torwart
Beruf: Monteur
Name: Wilhelm Friedrich »Fiete« Blunk (Wikipedia); Lexikon 1939: »Blunck, Friedrich«
Erfolge: Deutscher Meister 1928, fünfmal norddeutscher Meister (der erste Titel 1927/28, der fünfte 1932/33)
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Sieg, kein Gegentor), 1 Mal Ersatztorwart (Paris 1931, nicht eingesetzt)

Länderspiele

Das Länderspiel in Paris am 15.03.1931 Frankreich – Deutschland 1:0 gehört nicht in diese Liste: Das Tagblatt nennt Blunk als Ersatztorwart, nach der Wikipedia kam er nicht zum Einsatz. Weitere Länderspiele sind weder im DFB-Datencenter noch bei RSSSF oder im Lexikon von 1939 verzeichnet.

Quellen