Hans Gruber – Duisburgs Mittelläufer im Schatten von Kalb und Leinberger

Im April 1928 sagt Hans Gruber ab. Für das Länderspiel in Bern, meldet das Darmstädter Tagblatt, müsse Deutschland deshalb ohne Ersatz-Mittelläufer reisen. Vier Wochen später steht sein Name auf der Liste der 22 Spieler für das Olympiaturnier, ein Jahr später spielt er in Berlin gegen Schottland: sein einziges Länderspiel, drei Tage vor dem 24. Geburtstag. Olympedia erklärt es so: Gruber stand im Schatten von Hans Kalb und Ludwig Leinberger, und deshalb blieb es bei dem einen Spiel.

Hans Grubers Laufbahn · Duisburger SpV 1923–1935, ein Länderspiel 1929
Hans Grubers Laufbahn · Duisburger SpV 1923–1935, ein Länderspiel 1929

»Aber ein Mittelläufer von der Klasse der Kalb und Leinberger ist er aber doch nicht.«

— Darmstädter Tagblatt, 3. Juni 1929, über Hans Gruber (Presseurteil)

Der Kapitän der Rotblusen

Johannes, genannt Hans, Gruber kommt am 4. Juni 1905 in Mülheim an der Ruhr zur Welt, so nennen es die Wikipedia und Olympedia. Das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 führt Duisburg als Heimatort, nennt ihn einen Bankbeamten und als Stammposten Mittelläufer. Gestorben ist er am 8. Oktober 1967 in Duisburg, die englische Wikipedia nennt den 9. Oktober.

Sein Verein ist der Duisburger Spielverein, die »Rotblusen« aus dem Duisburger Süden. Vorsitzender war nach der Wikipedia Gottfried Hinze, von 1905 bis 1925 auch Präsident des DFB. Gruber ist dort langjähriger Kapitän. Mit dem DSV wird er 1924, 1925 und 1927 Westdeutscher Meister. Beim DFB-Datencenter stehen sechs Endrundenspiele um die Deutsche Meisterschaft zwischen 1924 und 1927, mit zwei Siegen und vier Niederlagen: 1:3 gegen Nürnberg 1924, 1925 zwei Siege gegen Alemannia Berlin und Altona 93 und im Halbfinale in Duisburg ein 0:3 gegen Nürnberg vor 35.000 Zuschauern, 1926 ein 1:3 gegen den HSV, 1927 ein 4:5 nach Verlängerung gegen Kickers 1900 Berlin.

Zu seinen Mitspielern gehört in diesen Jahren der Stürmer August Sackenheim, nach dem DFB-Datencenter bis 1927 ebenfalls beim DSV. Im Oktober 1929 debütiert August Sackenheim für Dresden in der Nationalelf.

Zweite Wahl im Westen

In der Auswahl des Westdeutschen Spielverbands spielt Gruber im Bundespokal 1927/28 alle vier Spiele als Mittelläufer, nach der Wikipedia mit Hermann Flick und Konrad Heidkamp als Nebenleuten. Im Halbfinale trifft der Westen gleich dreimal auf Norddeutschland: 4:4 nach Verlängerung in Hamburg am 8. Januar 1928, 2:2 nach Verlängerung im Februar in Duisburg, am 1. April in Altona dann 1:2 nach Verlängerung.

Zwei Wochen später meldet das Tagblatt seine Absage für Bern. Warum Gruber nicht fahren will, steht dort nicht. Im Mai steht er dann in der Olympia-Vorbereitung auf dem Platz: Am 12. Mai 1928 gewinnt die Auswahl der Olympiakandidaten in Leipzig 3:2 gegen die schottische Berufsspielermannschaft von Cowdenbeath. Das Tagblatt nennt Torwart, Mittelläufer Gruber und Mittelstürmer Harder »sehr mäßig«, am Ende hätten Gruber, Horn und Albrecht in den letzten zwanzig Minuten Ausgleich und Sieg sichergestellt.

Am 16. Mai gibt der DFB die 22 Namen für Amsterdam bekannt, Gruber ist dabei. Reichstrainer Nerz lässt nach Schulze-Marmeling mehrere Routiniers daheim und nimmt dafür Neulinge mit, darunter Gruber. Olympedia nennt die Berufung überraschend. In den Spielen gegen die Schweiz (4:0) und Uruguay (1:4) bleibt er draußen, wie der Olympia-Kader 1928 ausweist. Mittelläufer ist Hans Kalb, der gegen Uruguay vom Platz gestellt wird.

Der große Tag: Berlin, 1. Juni 1929

Am 24. Mai 1929 nennt das Tagblatt die Elf für Berlin, mit »Gruber (Duisburger SpV)« in der Läuferreihe. Der Gegner sind schottische Profis, die nach der Zeitung nicht mit ihrer allerersten Garnitur kommen. Das Deutsche Stadion ist an diesem Samstagabend nach dem DFB mit 40.000, nach dem Tagblatt mit 50.000 Zuschauern gefüllt, Schiedsrichter ist der Schwede Otto Olsson. Heiner Stuhlfauth bestreitet sein 20. Länderspiel.

Gruber steht zwischen Heidkamp und Hans Geiger, vor ihm der Angriff mit Ruch, Sobek, Pöttinger und den beiden Hofmännern. Die erste Halbzeit endet 0:0. Nach der Pause schickt Hanne Sobek Hans Ruch, der aus vollem Lauf ins Eck schießt, nach dem DFB in der 49. Minute, nach dem Tagblatt in der fünften Minute der zweiten Hälfte. Kurz vor Schluss, in der 87. Minute, fällt der Ausgleich nach einem Freistoß, den Stuhlfauth mit einem Ausflug aus dem Strafraum verursacht hat. Der DFB nennt William Imrie als Torschützen, das Tagblatt den Mittelstürmer McCrae.

Deutschland – Schottland 1:1 · Hans Gruber als Mittelläufer, Ruch trifft zum 1:0
Deutschland – Schottland 1:1 · Hans Gruber als Mittelläufer, Ruch trifft zum 1:0

Das Tagblatt schreibt, Gruber sei »nicht ganz so schlecht« gewesen wie befürchtet. Er habe recht gut durchgestanden und auch den Angriff versorgt, aber ein Mittelläufer von der Klasse eines Kalb oder Leinberger sei er nicht. Bei den Nebenleuten gefiel Heidkamp besser als Geiger. Das 1:1 nannte die Zeitung ehrenvoll. Die ausführliche Schilderung steht im Bericht Deutschland gegen Schottland am 1. Juni 1929.

Das Ende der Nationalelf-Zeit

Es bleibt bei einem Spiel. Am 13. Oktober 1929 verliert Westdeutschland im Pokalspiel in Dortmund 1:4 gegen den Norden, und das Tagblatt macht dafür das »völlige Versagen« des Mittelläufers Gruber verantwortlich, der seit seiner Verletzung im Vorjahr seine alte Form nicht mehr gefunden habe. Welche Verletzung gemeint ist, sagt die Zeitung nicht. Im Tor der Norddeutschen steht an diesem Sonntag Wilhelm Blunk, eine Woche später Debütant im Länderspiel gegen Finnland.

Beim DSV bleibt Gruber bis 1935, so führt ihn das DFB-Datencenter. Später ist er nach der Wikipedia jahrelang Spielausschussobmann seines Vereins, der einer der Vorgängerklubs von Eintracht Duisburg ist.

Hans Gruber auf einen Blick

Geboren: 4.6.1905 in Mülheim an der Ruhr (Lexikon 1939: Heimatort Duisburg)
Gestorben: 8.10.1967 in Duisburg (englische Wikipedia: 9.10.1967)
Verein: Duisburger SpV 1900 (1923–1935)
Position: Mittelläufer
Beruf: Bankangestellter, später Spielausschussobmann beim DSV
Erfolge: Westdeutscher Meister 1924, 1925 und 1927; Olympia-Kader 1928 ohne Einsatz
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Unentschieden), kein Tor (1929)

Länderspiele

Weitere Länderspiele sind weder im DFB-Datencenter noch bei RSSSF oder im Lexikon von 1939 verzeichnet.

Quellen