Hermann Flick – ein Duisburger Läufer, ein Nachmittag in Altona

Altona, 20. Oktober 1929. Die deutsche Elf drückt, der finnische Torwart hält, und bei einer der wenigen Chancen der Gäste rettet ein Duisburger im letzten Moment. Er verletzt sich dabei, spielt aber weiter. Hermann Flick ist 23 Jahre alt, rechter Läufer, und steht zum ersten Mal in der Nationalelf. Am nächsten Tag lobt ihn das »Darmstädter Tagblatt« als den Einzigen der drei Läufer, der größeren Ansprüchen genügt. Es bleibt sein einziges Länderspiel.

Hermann Flicks Laufbahn · Duisburg, Dresden und zurück, ein Länderspiel 1929, gefallen 1944
Hermann Flicks Laufbahn · Duisburg, Dresden und zurück, ein Länderspiel 1929, gefallen 1944

»Von den drei Läufern genügte nur Flick größeren Ansprüchen.«

— Darmstädter Tagblatt, 21. Oktober 1929

Von Kehl nach Duisburg

Hermann Flick wird am 22. November 1905 in Kehl geboren, so nennen es das DFB-Datencenter, die Wikipedia und das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 übereinstimmend. Das Lexikon führt Kehl am Rhein als Heimatort, nennt ihn einen kaufmännischen Angestellten und als Stammposten Mittelläufer. Wie es den Badener nach Duisburg verschlug, sagt keine der Quellen.

Von 1916 an spielt er nach der Wikipedia für Duisburg 99. Der Verein war 1899 als Duisburger FK 99 gegründet worden, trat in den Zwanzigern als Duisburger TSV 1899 an und ging erst 1938 im TuS Duisburg 48/99 auf; die Wikipedia führt Flick vereinfacht beim späteren Namen. Ein Spitzenklub war das nicht: Die Vereinsgeschichte sieht die Mannschaft zumeist im Mittelfeld, 1928 vermied sie nur knapp den Abstieg. Flick fällt trotzdem auf, als rechter Läufer und Mittelläufer mit klarem Blick fürs Verteilen der Bälle, so die Wikipedia, und kommt in die Auswahl des westdeutschen Verbands.

Dort erlebt er im Winter 1927/28 eine Serie, die Geduld kostet. Im Halbfinale des Bundespokals trifft Westdeutschland dreimal auf Norddeutschland, und dreimal geht es in die Verlängerung: 4:4 am 8. Januar 1928 in Hamburg, 2:2 am 5. Februar in Duisburg, am 1. April in Altona dann 1:2 nach Verlängerung. In der Läuferreihe stehen nach der Wikipedia jedes Mal Flick, Hans Gruber und Konrad Heidkamp, dem Nationalspieler Conny Heidkamp. Auch 1928/29 ist im Halbfinale Schluss, mit 1:2 gegen Brandenburg.

Der große Tag: Altona, 20. Oktober 1929

Am Freitag druckt das Tagblatt die Elf für Sonntag, mit dem Zusatz »Flick (Duisburg)« in der Läuferreihe. Dann das Spiel: Nur 20.000 Zuschauer kommen in das Volksparkstadion, und das Tagblatt schreibt, der DFB habe diesmal »kein großes Geschäft« gemacht. Die Finnen hatten eine Woche zuvor 0:8 gegen Dänemark verloren. Schiedsrichter ist der Norweger Bjarne Bech. Vor dem Anpfiff ehrt der Verband die Verteidiger Ali Beier und Hans Hagen für ihr zehntes Länderspiel.

Reichstrainer Otto Nerz schickt sechs Debütanten los: Torwart Wilhelm Blunk vom Hamburger SV, Flick, Carl Schulz von Viktoria Berlin, Willi Völker von Hertha BSC, Fritz Szepan von Schalke und August Sackenheim aus Dresden. Flick bildet mit Schulz und Völker die Läuferreihe.

Deutschland – Finnland 4:0 in Altona · Flick als rechter Läufer, sechs Debütanten in der Elf
Deutschland – Finnland 4:0 in Altona · Flick als rechter Läufer, sechs Debütanten in der Elf

Die erste Halbzeit bleibt torlos. Deutschland ist nach dem Tagblatt schon nach wenigen Minuten klar überlegen, doch der Finne im Tor, den die Zeitung als weitaus besten Mann der Gäste lobt, hält alles. Dann kommt Finnlands Chance, und Flick rettet im letzten Moment. Dabei wird er verletzt, kann aber weiterspielen.

Nach der Pause fallen die Tore. Das 1:0 um die 53. Minute schreibt das DFB-Datencenter Szepan zu, das Tagblatt dem Düsseldorfer Rechtsaußen Ernst Albrecht. Sackenheim erhöht (nach DFB 61. Minute), Richard Hofmann trifft zum 3:0, kurz vor Schluss macht Sackenheim das 4:0. Den ganzen Spielverlauf mit beiden Aufstellungen erzählt der Spielbericht.

Das Tagblatt urteilt am Montag nüchtern. Torwart und Verteidigung seien sehr sicher gewesen, mussten aber selten wirklich ran. Die Mannschaft habe nicht schlecht gespielt, hätte aber in dieser Zusammenstellung nicht auf einen stärkeren Gegner treffen dürfen. Und dann der Satz über Flick, der in der Läuferreihe der Einzige war, der größeren Ansprüchen genügte.

Dresden und zurück

Weitere Länderspiele folgen nicht, einen Grund nennt keine Quelle. Flick spielt weiter für Duisburg, 1929/30 und 1930/31 in der Bezirksliga Niederrhein. Dann wechselt der gelernte Kaufmann nach der Wikipedia berufsbedingt nach Sachsen, zu Guts Muts Dresden, dem Verein, bei dem auch Sackenheim spielte, bis er 1932 zum Dresdner SC ging. Von 1933 bis 1936 tritt Flick mit Guts Muts in der Gauliga Sachsen an.

1936 kehrt er nach Duisburg zurück und spielt zwei Runden in der Gauliga Niederrhein. Der Verein war 1936 wieder aufgestiegen und wurde nach seiner Vereinsgeschichte auf Anhieb Vizemeister, einen Punkt hinter Fortuna Düsseldorf. Ob Flick in dieser Saison alle Spiele bestritt, geht aus den Quellen nicht hervor.

Hermann Flick fiel nach der Wikipedia am 19. Januar 1944 im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront bei Leningrad. Er wurde 38 Jahre alt. Nähere Umstände nennen die Quellen nicht.

Hermann Flick auf einen Blick

Geboren: 22.11.1905 in Kehl
Gestorben: 19.1.1944 (nach der Wikipedia gefallen bei Leningrad)
Vereine: Duisburg 99 (1916–1931), Guts Muts Dresden (1931–1936), Duisburg (1936–1938)
Position: Läufer (rechter Läufer, Mittelläufer)
Beruf: kaufmännischer Angestellter (Lexikon 1939)
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Sieg), kein Tor (1929)
Auswahl: Westdeutschland, Bundespokal-Halbfinale 1928 und 1929

Länderspiele

Quellen