Martin Haftmann – Rechtsaußen des Dresdner SC in Kopenhagen

Am 2. Oktober 1927 schickte Reichstrainer Otto Nerz in Kopenhagen eine Elf aufs Feld, in der neun Spieler zum ersten Mal das Nationaltrikot trugen. Einer von ihnen war ein 28-jähriger Autoschlosser aus Dresden, Rechtsaußen beim Dresdner SC: Martin Haftmann. Deutschland verlor 1:3. Von den elf Spielern dieses Tages kehrten, so Schulze-Marmeling, fünf nie wieder in die Nationalmannschaft zurück. Haftmann gehört dazu. Es blieb bei einem Länderspiel.

Martin Haftmanns Laufbahn · von Sportlust Dresden zum Dresdner SC, 1899–1961
Martin Haftmanns Laufbahn · von Sportlust Dresden zum Dresdner SC, 1899–1961

»Die Deutschen zeigten ein glänzendes Kurzpassspiel, bei dem jedoch das Fehlen des letzten Schliffs sehr auffiel. Die Dänen spielten unter ihrer Form, doch ihre größere Schussstärke entschied.«

— Nieuwsblad van het Noorden, 3. Oktober 1927, nach der »Crt.« (Courant), aus dem Niederländischen übersetzt

Von Sportlust zum DSC

Geboren wird Haftmann am 16. Juli 1899 in Dresden. Das Lexikon »Die deutschen Nationalspieler« (1939) nennt als Beruf Autoschlosser, die Wikipedia spricht vom gelernten Autoschlosser. Mit dem Fußball beginnt er bei Sportlust Dresden. Von 1925 bis 1933 gehört er dem Dresdner SC an, so Wikipedia und DFB-Datencenter. Seine Laufbahn beendet er bei Fortuna Dresden, auch dieser Verein steht im Lexikon von 1939.

Die Premierensaison beim DSC wird gleich eine besondere. Der Verein gewinnt 1926 die Gauliga Ostsachsen, und am 25. April 1926 schlägt er im Endspiel um die Mitteldeutsche Meisterschaft den SV Fortuna Leipzig 02 mit 3:0. Nach den Angaben der Wikipedia ist es erst der zweite mitteldeutsche Titel des DSC, 21 Jahre nach dem ersten. Dann folgt die Ernüchterung. Im Achtelfinale der Deutschen Meisterschaft verliert Dresden am 16. Mai 1926 in Breslau 0:1 gegen den Breslauer SC 08. Haftmann steht auch in diesem Spiel auf dem Platz.

Es bleibt nicht der einzige Titel. Die Wikipedia führt ihn als Mitteldeutschen Meister von 1926, 1929, 1930 und 1931 sowie als Gaumeister von Ostsachsen 1926 und 1928 bis 1932. Als Trainer des Vereins nennt der Vereinsartikel Lorenz Polster für 1925 bis 1928 und danach Jimmy Hogan.

Rechtsaußen in einer neuen Elf

Das Lexikon von 1939 führt ihn als Rechtsaußen. Dazu passt die Mannschaft, die das Darmstädter Tagblatt am 29. September 1927 meldet: Haftmann, Hofmann, Gedlich, Frank, Kießling, so lautet dort die Sturmreihe, von rechts nach links gelesen. Dieselben fünf Namen stehen später in der Aufstellung des DFB-Datencenters. Nur in der Läuferreihe ändert sich noch etwas: Der Fürther Ludwig Leinberger spielt für den angekündigten Georg Köhler vom DSC.

Hinter dem Spiel steckt ein Neuanfang. Nerz hat seit Oktober 1926 sein Amt und nutzt nach Schulze-Marmeling die zehnmonatige Länderspielpause, um die Mannschaft auf das W-M-System umzustellen. Kopenhagen ist laut Wikipedia das erste Spiel, in dem er es anwendet. Die Neulinge sollen sich bewähren: Neben Haftmann debütieren der Berliner Verteidiger Hans Brunke, Ernst Blum und der Meeraner Richard Hofmann, Haftmanns späterer Vereinskamerad beim DSC. Aus Dresden kommen am 2. Oktober gleich drei: Haftmann, Richard Gedlich und Hugo Mantel.

Der große Tag: Kopenhagen, 2. Oktober 1927

Rund 19.000 Zuschauer sind gekommen, das DFB-Datencenter und die englische Wikipedia nennen diese Zahl, eine niederländische Zeitung schreibt von »een twintigduizend koppige menigte«. Schiedsrichter ist der Norweger Ragnvald Smedvik. Im deutschen Tor steht Georg Ertl von Wacker München. Der DFB lässt, so Schulze-Marmeling im Zusammenhang mit der Kritik der Arbeitersportler, nicht die schwarz-rot-goldene Fahne der Republik aufziehen, sondern seine grün-weiße Verbandsfahne.

Die Dänen gehen in der 23. Minute durch Michael Rohde in Führung. Georg Kießling, der Fürther Linksaußen und Haftmanns Gegenstück auf dem anderen Flügel, gleicht nach dem DFB-Datencenter in der 42. Minute aus. Die englische Wikipedia datiert das Tor auf die 10. Minute. Zur Pause steht es 1:1. Nach dem Wechsel trifft Rohde erneut, dann Henry Hansen zum 3:1, nach DFB-Datencenter in der 70., nach der englischen Wikipedia in der 67. Minute.

Wie Haftmann auf dem rechten Flügel spielte, verraten die Berichte nicht. Das Darmstädter Tagblatt meldet am 3. Oktober knapp, die deutsche Elf sei von den Dänen »sicher« geschlagen worden. Die niederländischen Zeitungen, die einen Bericht der »Crt.« übernehmen, loben das Kurzpassspiel der Deutschen und vermissen den Abschluss. Schulze-Marmeling hält fest, dass nicht alle Neulinge Volltreffer waren, und nennt Ertl, der den Machtkampf mit Heiner Stuhlfauth mit drei schweren Fehlern endgültig verlor.

Dänemark – Deutschland 3:1 in Kopenhagen · Martin Haftmann auf Rechtsaußen, neun Debütanten in der Elf
Dänemark – Deutschland 3:1 in Kopenhagen · Martin Haftmann auf Rechtsaußen, neun Debütanten in der Elf

Danach

Nerz probiert weiter. Drei Wochen später folgt das 6:2 gegen Norwegen in Altona, im November das 2:2 gegen die Niederlande in Köln, im April 1928 das 3:2 in der Schweiz. Haftmann ist in keinem dieser Spiele dabei. Warum, sagen die Quellen nicht. Die Wikipedia vermerkt nur, dass es für ihn und Ernst Blum beim einen Länderspiel blieb, während Brunke und Hofmann noch oft gerufen wurden.

Beim DSC bleibt er bis 1933. Bei den Endrundenspielen weichen die Angaben ab. Nach der Wikipedia bestritt er neben dem 0:1 in Breslau ein weiteres verlorenes Achtelfinale, das 0:3 beim FC Bayern München am 16. Juni 1929. Das DFB-Datencenter führt für ihn dagegen ein Endrundenspiel der Saison 1927/28. Das einzige des DSC in jener Spielzeit war das Achtelfinale am 8. Juli 1928 in München, das Wacker München vor 25.000 Zuschauern 1:0 nach Verlängerung gewann. Bei Wacker spielte in dieser Begegnung nach dem DFB-Datencenter der Verteidiger Wilhelm Falk, der im November 1927 sein einziges Länderspiel bestritten hatte. Beide Angaben lassen sich nicht zur Deckung bringen.

Über sein Leben nach dem Fußball ist wenig überliefert. Martin Haftmann stirbt nach der Wikipedia am 23. Juli 1961, den Ort nennt sie nicht.

Martin Haftmann auf einen Blick

Geboren: 16.7.1899 in Dresden
Gestorben: 23.7.1961 (Ort nicht angegeben)
Vereine: Sportlust Dresden, Dresdner SC (1925–1933), zuletzt Fortuna Dresden
Position: Rechtsaußen
Beruf: Autoschlosser
Erfolge: Mitteldeutscher Meister 1926, 1929, 1930, 1931
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Niederlage), kein Tor (1927)

Länderspiele

Weitere Länderspiele führen weder RSSSF noch das DFB-Datencenter oder das Lexikon von 1939 auf.

Quellen