Josef Lüke – ein Düsseldorfer Elfmeter in Dresden und ein anderer in Köln

Er hat in einem Länderspiel einen Elfmeter vergeben und zwei Jahre später in einem Endrundenspiel um die deutsche Meisterschaft einen verwandelt. Am 12. August 1923 steht es in Dresden 1:2 gegen Finnland, als in der 50. Minute der Strafstoß für Deutschland gepfiffen wird. Josef Lüke von TuRU Düsseldorf tritt an und scheitert. Am 3. Mai 1925 steht er im Kölner Weidenpescher Park wieder am Punkt, im Achtelfinale gegen den VfR Mannheim, und diesmal geht der Ball ins Tor. In der Endrunde 1925 traf er insgesamt dreimal, so das Datencenter.

Josef Lükes Laufbahn · von Düsseldorf zur TuRU, zu zwei Länderspielen und nach Solingen, 1899–1964
Josef Lükes Laufbahn · von Düsseldorf zur TuRU, zu zwei Länderspielen und nach Solingen, 1899–1964

»Einmal erhält Lücke den Ball ungedeckt, windet sich zwischen Van der Kluft und Van Linge hindurch, doch kurz vor dem Tor nimmt ihm Denis den Ball noch ab.«

— Nieuwe Rotterdamsche Courant, 11. Mai 1923, über das Länderspiel in Hamburg (aus dem Niederländischen)

Der Mann von der TuRU

Josef Lüke wird am 13. März 1899 geboren, so geben es das DFB-Datencenter, die Wikipedia und das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 an. Das Lexikon nennt Düsseldorf als Heimatort, Halbrechts als Stammposten und »Gastwirt« als Beruf. Den Geburtsort nennt die Wikipedia nicht, den Todestag schon: 4. Oktober 1964, in Solingen, mit Verweis auf das Stadtarchiv Solingen.

Sportlich gehört er von 1920 an TuRU Düsseldorf, nach der Wikipedia und dem Datencenter bis 1926. Die Vereinsseite der Wikipedia nennt für ihn dagegen die Jahre 1920 bis 1924. Die TuRU ist ein junger Verein. Sie entsteht am 14. Juli 1919 aus dem Zusammenschluss des Düsseldorfer SC Union, des VfR Düsseldorf und des Friedrichstädter TV 1880, sitzt im Stadtteil Bilk, spielt in Blau-Weiß und trägt ihre Spiele bis zum Zweiten Weltkrieg auf dem Platz an der Oberbilker Allee aus, der nach der Wikipedia 16.000 Zuschauer fasst. Lükes Jahre sind die erfolgreichsten des Klubs.

Die TuRU gewinnt 1922/23 den Gau Berg-Mark mit neun Siegen aus neun Spielen und 47:13 Toren. Wegen der Ruhrbesetzung wird die westdeutsche Endrunde im Pokalmodus ausgespielt: Am 25. März 1923 siegt die TuRU in Duisburg 4:3 gegen den Essener TB, am 8. April in Mönchengladbach 2:0 gegen den Duisburger SpV. Am 22. April 1923 steht sie in Essen im Endspiel um die westdeutsche Meisterschaft, das gegen Arminia Bielefeld 3:4 nach Verlängerung verloren geht, Arminia ist der Verein von Lükes späterem Sturmkollegen Walter Claus-Oehler. Auch 1923/24 wird die TuRU Gaumeister (15 Siege, 66:28 Tore) und in der Westendrunde Dritter (3 Siege, 2 Remis, 1 Niederlage, 18:12 Tore), 1925/26 nochmals Gaumeister und Vierter. 1924/25 reicht es im Gau nur zum zweiten Platz hinter dem Düsseldorfer SC 1899, die TuRU kommt aber über die »Runde der Zweiten« in die Endrunde: 1. März 1925 in Bottrop 3:2 gegen den SC Gelsenkirchen 07, 29. März in Aachen 4:1 gegen den VfR Köln 04 rrh., 19. April in Elberfeld 6:2 gegen die SpVgg Hagen und am 26. April in Buer 3:0 nach Verlängerung gegen Arminia Bielefeld. Welche dieser Spiele Lüke bestritt, ist nicht überliefert. Später spielt Lüke noch für den SSV Barmen und den BV Opladen, so das Lexikon, nach der Wikipedia außerdem für den VfR Ohligs.

Für den Westen und für Deutschland

Auch für den Westdeutschen Spiel-Verband läuft er auf: am 23. Juni 1922 im Berliner Deutschen Stadion im Kampfspielpokal, 1:4 gegen Süddeutschland, und am 25. Februar 1923 im Bundespokalendspiel in Frankfurt, 1:2 gegen denselben Gegner. In beiden Aufstellungen stehen auch Erich Pohl, Walter Risse und Claus-Oehler. Zweieinhalb Monate später stehen sie gemeinsam in der Nationalelf.

Am 10. Mai 1923, Himmelfahrt, debütiert Lüke in Hamburg beim 0:0 gegen die Niederlande. Er steht im Angriff neben dem Kapitän Georg Wunderlich und Carl Hartmann. Die niederländischen Zeitungen, die ihn »Lücke« oder »Lücker« nennen, notieren ihn mehrfach. Das »Vaderland« zählt gleich mehrere Szenen auf: einen flachen, harten Schuss, den De Boer hält, eine Chance, bei der er Van der Kluft schon überspielt hat und der Ball im Außennetz landet, eine Hereingabe, die Denis abfängt und so ein sicheres Tor verhindert. Gegen Ende bringt er nach einem Pfostenschuss Hartmanns den Ball im Tor unter. Der Schiedsrichter entscheidet dennoch auf Eckstoß, weil der Ball nach seiner Feststellung zuvor hinter der Linie war. Die »Nieuwe Rotterdamsche Courant« hat Flanken und einen Schuss hoch über das Tor, das »Algemeen Handelsblad« einen scharfen, flachen Schuss, den De Boer »prächtig« hält. Getroffen hat er nicht.

Am 12. August in Dresden steht er wieder im Sturm. Es ist der Nachmittag, an dem Henry Müller in der 10. Minute ins eigene Tor lenkt und Aarne Linna in der 27. Minute auf 2:0 erhöht. Claus-Oehler verkürzt in der 31. Minute, und in der 50. Minute scheitert Lüke mit dem Elfmeter. Das Jahr 1923 ist für die Nationalelf ein schwieriges. Schulze-Marmeling beschreibt es als Jahr des ständigen Umbaus: Für das Spiel in Hamburg standen weder Nürnberger noch Fürther zur Verfügung, »denn tags darauf stand das Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft an«, drei Wochen später kam gegen die Schweiz eine erneut auf sechs Positionen veränderte Elf, und der DFB hatte in den drei Spielen schon 25 Spieler eingesetzt. Dazu kamen die Inflation, ein kurz vor der Pleite stehender DFB und die Ruhrbesetzung durch Frankreich seit Januar 1923. Zum Finnlandspiel nennt er 20.000 Zuschauer in der Dresdner Illgen-Kampfbahn, die Berichtsseite zu diesem Spiel nennt 25.000. Ob die Zahl in Dresden bei 20.000 oder 25.000 lag, ist damit offen. Schulze-Marmeling erzählt von harscher Kritik am DFB-Spielausschuss vor diesem Spiel: Der Ausschuss habe nur einen Spieler aus der Nürnberg-Fürther Schule nominiert und stattdessen Spieler »zweitrangiger Klubs« wie Guts Muths Dresden, der Potsdamer SU und der TuRU Düsseldorf. Seine beiden Länderspiele endeten ohne Sieg. Ein drittes folgte nicht.

Der große Tag: Köln, 3. Mai 1925

Zwei Jahre später hat Lüke seinen Nachmittag, nur eben nicht im Nationaltrikot. Die TuRU hat sich am 26. April 1925 mit einem 3:0 nach Verlängerung gegen Arminia Bielefeld für die Endrunde qualifiziert und trifft im Achtelfinale auf den Süddeutschen Meister VfR Mannheim. Gespielt wird am Sonntag, dem 3. Mai, auf dem Platz des KFC 1899 im Weidenpescher Park, vor 12.000 Zuschauern, Schiedsrichter ist Rudolf Barth. Nach dem Datencenter geht es schnell: In der 25. Minute lenkt Karl Bleß einen Ball ins eigene Tor, in der 40. verwandelt Lüke einen Elfmeter, in der 43. trifft Albert Seipp zum 3:0. Zur Pause sieht es nach Entscheidung aus. In der 50. Minute schießt Lüke das 4:0, in der 57. Minute verkürzt Sepp Herberger für Mannheim auf 4:1.

TuRU Düsseldorf – VfR Mannheim 4:1 in Köln · zwei Tore von Josef Lüke, eines per Elfmeter
TuRU Düsseldorf – VfR Mannheim 4:1 in Köln · zwei Tore von Josef Lüke, eines per Elfmeter

Die Torschützenliste der Endrunde in der Wikipedia führt ihn mit drei Treffern in nur zwei Spielen an der Spitze, in einer Gruppe mit Arthur Warnecke, Willi Kirsei und Georg Hochgesang, die ebenfalls drei erzielten. Der dritte kommt am 17. Mai in Berlin, im Viertelfinale gegen Hertha BSC im Preußen-Stadion, vor 10.000 Zuschauern. Hertha führt nach 37 Minuten 2:0, in der 72. Minute verkürzt Lüke auf 2:1, danach schießen Walter Keller und Willi Kirsei das 4:1 (80. und 82. Minute). Für die TuRU ist die Endrunde damit zu Ende. Die Teilnahme gilt nach der Wikipedia als der größte Erfolg ihrer Vereinsgeschichte.

Danach

Über Lükes späte Jahre ist wenig bekannt. Nach der TuRU spielt er für Barmen, Opladen und Ohligs. In welcher Reihenfolge und in welchen Jahren, ist nicht überliefert. Als Beruf nennt das Lexikon Gastwirt. Er stirbt am 4. Oktober 1964 in Solingen, im Alter von 65 Jahren.

Lüke, Lücke, Lücker

Das Datencenter und die Wikipedia schreiben »Lüke«. Die niederländischen Zeitungen vom Mai 1923 machen daraus »Lücke«, das »Algemeen Handelsblad« »Lücker«. Gemeint ist derselbe Spieler, den die Aufstellungen im Spielbericht als Josef Lüke führen. Einen Namensvetter unter den Nationalspielern kennt das Lexikon von 1939 nicht.

Josef Lüke auf einen Blick

Geboren: 13.3.1899 (Heimatort Düsseldorf laut Lexikon 1939)
Gestorben: 4.10.1964 in Solingen (nach der Wikipedia)
Vereine: TuRU Düsseldorf (1920–1926), später SSV Barmen, BV Opladen, VfR Ohligs
Position: Halbrechts, Stürmer
Beruf: Gastwirt (laut Lexikon 1939)
Bilanz: 2 Länderspiele (1 Unentschieden, 1 Niederlage), kein Tor (1923)
Endrunde 1925: 2 Spiele, 3 Tore (nach dem DFB-Datencenter)

Länderspiele

Quellen