Ernst Bantle – der Freiburger von Budapest

Das 50. Länderspiel der deutschen Fußballgeschichte brachte einen Neuling aus dem Südwesten in die Elf. Ernst Bantle, Halbstürmer vom Freiburger FC, stand am 21. September 1924 in Budapest auf dem Platz. Vor 35.000 Zuschauern verlor Deutschland 1:4 gegen Ungarn. Für Bantle war es das erste und das letzte Mal im Nationaltrikot.

Ernst Bantles Laufbahn · vom Freiburger FC zum Arbeitsamt, 1901–1978
Ernst Bantles Laufbahn · vom Freiburger FC zum Arbeitsamt, 1901–1978

»… eine fast rein süddeutsche Mannschaft bestimmt, der man natürlich … volles Vertrauen schenken kann.«

— Darmstädter Tagblatt, 19. September 1924, zur Aufstellung für Budapest

Ein Lehrer weckt die Begeisterung

Ernst Bantle wird am 16. Februar 1901 in Freiburg im Breisgau geboren. Zum Fußball bringt ihn nach der Wikipedia ein Mann, dessen Name in der Stadt ohnehin Gewicht hat: Josef Glaser, sein Professor an der Oberrealschule. Glaser war 1907 mit dem Freiburger FC Deutscher Meister geworden und hatte fünf Länderspiele bestritten. 1920 tritt der junge Bantle dem FFC bei, damals amtierender Badischer Meister.

Das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 führt ihn als Halbstürmer. Die Wikipedia zählt seine Spielklassen auf: 1920/21 und 1921/22 Kreisliga Südwest, 1922/23 Kreisliga Baden, von 1923 an die Bezirksliga Württemberg/Baden. Zum Titel reicht es nicht, aber zu Platz zwei, 1921 hinter dem 1. FC Pforzheim, 1924 und 1925 jeweils in der Bezirksliga. Das Möslestadion, die Heimat des Vereins, ist erst 1922 eingeweiht worden.

Wie lange Bantle für den FFC spielt, sagen die Quellen unterschiedlich. Die Seite FFC-History und die deutsche Wikipedia nennen 1920 bis 1930, die englische Wikipedia 1920 bis 1925.

Der große Tag: Budapest, 21. September 1924

Drei Wochen vorher hatte Deutschland in Berlin 1:4 gegen Schweden verloren, in einer Elf, in der wegen des Streits der fränkischen Vereine weder Nürnberger noch Fürther standen. Das Darmstädter Tagblatt schrieb am 19. September, der Bundesspielausschuss habe sich die Arbeit »diesmal leicht gemacht« und mit einer fast rein süddeutschen Mannschaft geantwortet. Sein Urteil über sie ist trotz einiger Vorbehalte freundlich: volles Vertrauen. In der angekündigten Elf steht Bantle im Angriff, zwischen Wolfgang Strobel und Tull Harder.

Gespielt wird dann in leicht veränderter Besetzung. Nach dem DFB-Datencenter stehen Luitpold Popp statt des angekündigten Kugler und Georg Hochgesang statt des angekündigten Wieder in der Elf. Neben dem Freiburger Bantle debütiert auch der Pforzheimer Gustav Roller, der ebenfalls bei diesem einen Länderspiel bleibt.

Das Spiel selbst geht früh verloren. In der 33. Minute trifft Béla Szentmiklóssy, nachdem Torwart Heiner Stuhlfauth aus dem Tor gelaufen war. Das 2:0 kurz vor der Pause führt das Tagblatt auf einen schwachen Schuss zurück, den Hans Kalb schlecht abwehrt. Das DFB-Datencenter wertet es als Eigentor von Hans Lang in der 42. Minute. Drei Minuten nach der Pause erhöht József Takács auf 3:0. In der 56. Minute gelingt Tull Harder nach einem »prachtvollen Durchbruch« das deutsche Tor, in der 64. Minute macht Takács mit seinem zweiten Treffer das 4:1. Hochgesang führt nach der Pause den Sturm als Mittelstürmer, Harder spielt Verbindung.

Ungarn – Deutschland 4:1 in Budapest · Bantles einziges Länderspiel, das 50. des DFB
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Das Tagblatt sah die Ungarn »taktisch und technisch« als die besseren. Über Bantle selbst steht in seinem Bericht nichts, sein Name fällt dort nicht. Die Freiburger Zeitung berichtete in ihrem Sportblatt vom 22. September 1924, auf das die Wikipedia verweist; der Text ist im Digitalisat nur als Bild zugänglich und wurde für diese Seite nicht ausgewertet.

Der Beruf geht vor

Zu weiteren Berufungen kommt es nicht. Nach der Wikipedia musste seine Fußballerkarriere hinter dem beruflichen Werdegang zurücktreten. Bantle studiert Nationalökonomie, dafür wechselt er von Freiburg nach Gießen. Die Seite FFC-History führt ihn als Akademiker mit Doktortitel, als Diplomvolkswirt; das Lexikon von 1939 nennt ihn »Dr.« und als Beruf Direktor.

Nach dem Studium führt ihn der Weg über Freudenstadt und Villingen nach Offenburg, wo er nach der Wikipedia Direktor des Arbeitsamts wird. Jahreszahlen nennt sie für diese Stationen nicht. Nach der Wikipedia beantragt er am 30. Oktober 1937 die Aufnahme in die NSDAP und wird rückwirkend zum 1. Mai 1937 aufgenommen; sie stützt sich dabei auf Unterlagen des Bundesarchivs.

Nach der Rückkehr nach Freiburg 1948 ist er dort wieder in gleicher Funktion tätig, so die Wikipedia, und gehört zeitweise dem Vorstand seines alten Vereins an. FFC-History führt ihn außerdem als Ehrenspielführer und als Spieler der Alten Herren. Ernst Bantle stirbt am 13. April 1978; einen Sterbeort nennt die Wikipedia nicht.

Der Neffe Rudi

Der Name Bantle bleibt beim FFC. Sein Neffe Rudi Bantle, 1924 geboren, spielte nach dem Zweiten Weltkrieg für den Verein, war von 1988 bis 2000 Geschäftsführer und wurde Ehrenmitglied. Bei FFC-History steht außerdem ein Josef Bantle (1905–1931), Mittelfeldspieler der Saison 1928/29. Ob er mit Ernst verwandt war, geht aus dem Eintrag nicht hervor.

Ernst Bantle auf einen Blick

Geboren: 16.2.1901 in Freiburg im Breisgau
Gestorben: 13.4.1978 (Ort nicht angegeben)
Verein: Freiburger FC (ab 1920; Ende 1925 oder 1930, je nach Quelle)
Position: Halbstürmer
Beruf: Diplomvolkswirt, Dr., Direktor eines Arbeitsamts
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Niederlage), kein Tor (1924)

Länderspiele

Weitere Länderspiele nennen weder RSSSF noch Wikipedia noch das Lexikon von 1939.

Quellen