Theodor Burkhardt – ein Brötzinger Verteidiger beim Dresdner 5:3

Das erste ungarische Tor fiel, nachdem Turay ihn umspielt hatte. Das »Darmstädter Tagblatt« zählte dem Verteidiger am nächsten Tag »einige schwere Schnitzer« auf. Und trotzdem ist das einzige Länderspiel des Theodor Burkhardt ein Sieg, und was für einer: Am 28. September 1930 lag Deutschland in Dresden nach 40 Minuten 0:3 zurück und gewann 5:3. Der Brötzinger war dabei, er wurde danach nie wieder berufen.

Theodor Burkhardts Laufbahn · Germania Brötzingen, 1. FC Pforzheim und ein Länderspiel, 1905–1958
Theodor Burkhardts Laufbahn · Germania Brötzingen, 1. FC Pforzheim und ein Länderspiel, 1905–1958

»Man wird dieses Länderspiel sobald nicht vergessen.«

— Darmstädter Tagblatt, 29. September 1930, über das 5:3 gegen Ungarn

Ein Verteidiger aus Brötzingen

Theodor Burkhardt wird am 31. Januar 1905 in Brötzingen geboren, heute ein Stadtteil von Pforzheim. Das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 nennt Brötzingen als Heimatort, Linker Verteidiger als Stammposten und Presser als Beruf. Die Wikipedia nennt ihn »Teddy«, die Pforzheimer Zeitung titelte 1958 in ihrem Nachruf »Alt-Internationaler ›Thedl‹ Burkhardt gestorben«.

Sein Verein ist die Germania Brötzingen, 1906 gegründet. Nach der Wikipedia spielt er von 1927 bis 1935 für sie, ist am Aufstieg in die Bezirksliga Württemberg-Baden beteiligt und gewinnt 1928/29 mit den Brötzingern die Meisterschaft in Württemberg vor den Stuttgarter Kickers und dem VfB Stuttgart. In der Endrunde um die süddeutsche Meisterschaft kommen der 1. FC Nürnberg, der FC Bayern München und Eintracht Frankfurt ins Brötzinger Tal. Ab 1929/30 gibt es Derbys gegen den Aufsteiger 1. FC Pforzheim. Das Tagblatt meldet am 22. September 1930, eine Woche vor Dresden, die Pforzheimer hätten auf dem Platz der Germania 5:2 gewonnen.

Burkhardts erster Auftritt in der süddeutschen Auswahl ist nach der Wikipedia der 14. Oktober 1928: 5:1 in Frankfurt gegen Südostdeutschland, an der Seite von Franz Schütz von Eintracht Frankfurt.

Berufen, ersetzt, zurückgeholt

Dass er im Herbst 1930 in der Nationalelf steht, ist kein gerader Weg. In Kopenhagen am 7. September war er offenbar vorgesehen: Das Tagblatt meldet am 6. September, Stubb spiele als Verteidiger für den »verletzten Burkhardt«. Dort debütiert unter anderem Wilhelm Straßburger.

Für Dresden druckt das Tagblatt am 18. September eine Elf mit Burkhardt neben Schütz. Eintracht Frankfurt will für den Länderkampf nur einen Spieler abstellen, weil sie am selben Tag unbedingt ihr Punktspiel gegen die Offenbacher Kickers austragen will; Mantel und Stubb bleiben deshalb daheim, Schütz darf. Am 19. September heißt es, anstelle von Burkhardt spiele nun Stubb, und im Sturm komme Ludwig aus Kiel für Hohmann. Am 27. September steht Burkhardt wieder in der Aufstellung. Warum, steht in keiner der Meldungen.

Der große Tag: Dresden, 28. September 1930

Sonderzüge laufen schon am Morgen ein, über 80.000 Karten sind angefordert worden, ins Stadion am Ostragehege passen nach dem DFB-Datencenter 42.000 Zuschauer (Tagblatt: 45.000). Gegner ist Ungarn, gegen das Deutschland in acht Spielen erst einmal gewonnen hat. Im Tor steht Willibald Kreß, vor ihm Schütz und Burkhardt, im Sturm die beiden Hofmanns, Richard und Ludwig.

Es wirkt, so das Tagblatt, »fast wie ein Wunder«, dass die Ungarn in der ersten halben Stunde nicht treffen. Dann spielt Turay Burkhardt aus, legt gut vor, und Takács trifft, nach dem Tagblatt in der 31., nach dem DFB-Datencenter in der 29. Minute. Bis zur Pause steht es 0:3. Wer das zweite Tor erzielt, ist umstritten: Das Datencenter schreibt es Takács zu (35.), das Tagblatt Turay (37.).

Nach dem Wechsel kippt das Spiel. Richard Hofmann trifft in der 59. Minute, Ludwig Hofmann in der 61., dann gleicht Johannes Ludwig aus (73.) und Ludwig Lachner macht das 4:3 (78.). Das Tagblatt schreibt das 3:3 Ernst Albrecht per Kopfball zu und das 4:3 Ludwig. In der 86. Minute schließt Ludwig Hofmann nach einer Vorlage seines Namensvetters zum 5:3 ab. Die Ungarn treffen nach der Pause nicht mehr; ihre Gegenangriffe, so das Tagblatt, fängt die Hintermannschaft ab, auch als Kreß nach einem Zusammenprall mit Takács verletzt ist und Richard Hofmann als dritter Verteidiger zurückgeht.

Deutschland – Ungarn 5:3 · aus 0:3 wird 5:3, Burkhardt in der Abwehr
Deutschland – Ungarn 5:3 · aus 0:3 wird 5:3, Burkhardt in der Abwehr

Der Spielverlauf ist im Spielbericht und in der Biografie von Ludwig Hofmann ausführlich erzählt. Zu Burkhardt schreibt das Tagblatt knapp. Als beste Deutsche nennt es Schütz und Heidkamp, dann: »Burkhardt machte einige schwere Schnitzer, Kreß arbeitete mit der gewohnten Sicherheit und Eleganz.« Es ist das Urteil einer einzigen Zeitung.

Danach: Bundespokal statt Nationalelf

Weitere Berufungen gibt es nicht. Am 11. März 1931 spielt er beim Probespiel der DFB-Auswahl auf dem Platz des Karlsruher FV mit, auf der weißen Seite, in der ersten Halbzeit neben Stubb; im Sturm spielt Hans Welker. Torwart Hans Jakob zieht sich bei einem Zusammenprall mit Lachner einen Schädelbruch zu (Tagblatt, 12. März 1931).

Dafür gehört Burkhardt zur süddeutschen Auswahl, die den Bundespokal gewinnt. Am 19. April 1931 siegt sie in Dresden nach Verlängerung 4:3 gegen Mitteldeutschland, bei dem zehn Spieler des Dresdner SC auf dem Platz stehen. Burkhardt bildet mit seinem Brötzinger Vereinskameraden Wilhelm Heidlauf das Verteidigerpaar vor Kreß; im Angriff trifft Willi Kund in der 104. Minute zum Endstand, für die Dresdner hatte unter anderem Karl Schlösser getroffen. Im Endspiel 1932 in Leipzig verliert der Süden 1:2 gegen Norddeutschland. Am 23. April 1933 gewinnt er in Mannheim 6:1 gegen Südostdeutschland, an der Seite von Sigmund Haringer; die Tore schießen Edmund Conen, Josef Fath und Oskar Rohr. Das letzte Auswahlspiel nennt die Wikipedia für den 2. Juli 1933: für den Gau Baden gegen den Mittelrhein.

Zwischendurch taucht er noch einmal in einer deutschen Elf auf. Am 29. Mai 1932 spielt in Köln eine deutsche Auswahl gegen den englischen Meister FC Everton, ein Lehrspiel, kein Länderspiel. Burkhardt steht neben dem Essener Hund in der Abwehr; nach den Torschützen endet es 3:3, die drei deutschen Tore schießt Stanislaus Kobierski, zwei davon per Elfmeter. Das Tagblatt lobt die Hintermannschaft.

Pforzheim, nach den Länderspielen

Nach der Wikipedia wechselt Burkhardt 1935 zum 1. FC Pforzheim, wo er bis 1940 bleibt, spielt 1940/41 für den Karlsruher FV und nach Kriegsende wieder für die Germania. Die Germania war 1933/34 in der Gauliga Baden Neunter geworden und abgestiegen, 1935 kam der Wiederaufstieg. Nach dem Krieg arbeitet Burkhardt ehrenamtlich im Spielausschuss; im Januar 1947 gehört er laut »Sport« (München) noch zu den Stützen der Mannschaft in der Landesliga Nordbaden.

Er stirbt am 12. März 1958 in Pforzheim, so die deutsche Wikipedia, die sich auf den Nachruf in der Pforzheimer Zeitung vom 14. März stützt. Die englische Wikipedia nennt den 14. März als Todestag; vermutlich ist dort der Erscheinungstag des Nachrufs gemeint.

Burkhardt, Burkhardt und Burkhardt

Der Name ist häufig. Beim Karlsruher Probespiel vom März 1931 steht in der zweiten Halbzeit auch ein Burkhardt vom FC Idar im Sturm der roten Elf, ein anderer Spieler, den das Tagblatt nur durch den Vereinsnamen vom Brötzinger unterscheidet. Das Lexikon von 1939 führt als Nationalspieler nur einen Burkhardt: Theodor.

Theodor Burkhardt auf einen Blick

Geboren: 31.1.1905 in Pforzheim-Brötzingen
Gestorben: 12.3.1958 in Pforzheim (englische Wikipedia: 14.3.1958)
Vereine: Germania Brötzingen (1927–1935, 1945–1947), 1. FC Pforzheim (1935–1940), Karlsruher FV (1940/41)
Position: Verteidiger (laut Lexikon: Linker Verteidiger)
Beruf: Presser (laut Lexikon 1939)
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Sieg), kein Tor (1930)
Erfolge: Meister der Bezirksliga Württemberg 1928/29, Bundespokalsieger 1931 und 1933 (mit Süddeutschland)

Länderspiele

Quellen