Max Schäfer – ein Länderspiel als Spieler, der Pokal als Trainer
Als Spieler kam er einmal in die Nationalelf, und das nicht einmal von Anfang an. Als Trainer gewann er mit 1860 München den Pokal. Am 14. Januar 1934 steht Max Schäfer in Frankfurt zunächst nicht in der deutschen Elf. Dann stürzt der Verteidiger Sigmund Haringer vom FC Bayern, verletzt sich am Schlüsselbein und muss raus. Der Löwe Schäfer kommt für ihn, die Deutschen schlagen Ungarn 3:1, und die Zeitung lobt ihn. Es ist sein erstes und letztes Länderspiel. Seine große Zeit kommt später, auf der Trainerbank.
»Er verstand es, uns so zu begeistern, dass wir sogar in Freundschaftsspielen gemeint haben, es gehe um die Weltmeisterschaft.«
Ein Landshuter bei den Löwen
Max Schäfer wird am 17. Januar 1907 geboren, nach der Wikipedia in Landshut. Das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 nennt als Heimatort München. Beruf: Turn- und Sportlehrer. Als Stammposten gibt es an: Linksaußen und Verteidiger, als Verteidiger sei er international aufgelaufen. Zur Saison 1927/28 wechselt er mit 20 Jahren von der SpVgg Landshut zum TSV 1860 München.
Der Einstand ist ein Traum. Am 11. Dezember 1927 spielt er im Derby gegen den FC Bayern als Mittelstürmer und schießt drei Tore zum 5:4. Das Innentrio Hornauer, Schäfer, Stiglbauer sei »tadellos besetzt« gewesen, schrieben die Münchner Neuesten Nachrichten, zitiert nach der Wikipedia. Mit Hornauer ist vermutlich der spätere Nationalspieler Josef Hornauer gemeint, der damals noch bei 1860 spielte, dazu kommt Ludwig Stiglbauer. Die Löwen werden damals von dem früheren Nationalspieler Max Breunig trainiert, danach kommt Richard Kohn, 1930 kehrt Breunig zurück. Mit ihm rückt Schäfer nach hinten und bildet mit Josef Wendl das Verteidigerpaar vor Torwart Alwin Riemke.
Endspiel 1931: Der »wahre Meister«
Die Saison 1930/31 wird die größte der Löwen vor dem Krieg. Hinter dem FC Bayern werden sie in der Bezirksliga Zweite, in der süddeutschen Endrunde aber Erste, vor dem 1. FC Nürnberg. Ein Qualifikationsspiel gegen Phönix Ludwigshafen am 13. Mai gewinnen sie 2:1 und sind dritter süddeutscher Vertreter in der Endrunde. Schäfer fehlt verletzt im ersten Spiel gegen den Meidericher SV (4:1). Danach ist er wieder dabei: Viertelfinale gegen Tennis Borussia Berlin (1:0), Halbfinale gegen Holstein Kiel (2:0).
Am 14. Juni 1931 spielen die Löwen in Köln gegen Hertha BSC. Die Aufstellung nach dem Darmstädter Tagblatt: Riemke im Tor, davor Schäfer und Wendl, als Läufer Stock, Pledl und Eiberle, im Angriff Stiglbauer, Lachner, Huber, Oeldenberger und Thalmaier. Hertha siegt 3:2 mit einem Tor kurz vor Schluss, nach der Wikipedia schießt Willi Kirsei das 3:2 in der 89. Minute, bei den Berlinern spielt auch Hanne Sobek. Wer die Berliner Tore erzielte, ist in den Quellen strittig, mehr dazu steht in der Biografie von Josef Wendl. Das Tagblatt urteilt am Tag danach über die Münchner Spieler: »In der soliden Verteidigung überragte Schäfer«, auch Wendl habe kluges Stellungsspiel gezeigt.
Der Journalist Friedebert Becker schreibt in der Berliner »BZ am Mittag«, nach der Wikipedia zitiert nach Hardy Grüne: »Der wahre deutsche Meister wäre München 1860.« Die Löwen spielten »den reifsten, feinsten und klügsten Kombinationsfußball« in Deutschland. Das ist das Urteil eines einzelnen Berichterstatters nach einem verlorenen Endspiel. 1933 steht Schäfer noch einmal in der Endrunde, diesmal im Angriff: 2:0 gegen den VfL Benrath, 3:0 gegen den Beuthener SuSV 09 mit zwei Toren von ihm, dann am 28. Mai in Leipzig ein 0:4 im Halbfinale gegen Schalke 04.
Der große Tag: Frankfurt, 14. Januar 1934
Reichstrainer Otto Nerz schickt im Waldstadion drei Neulinge in den Angriff: Edmund Conen, Rudolf Noack und Karl Politz. Schäfer wird der vierte Debütant des Tages, nur eben später. Das Spiel vor 38.000 Zuschauern (DFB-Datencenter) beginnt gut für die Deutschen: Ludwig Lachner, Schäfers Vereinskamerad, schiebt in der 17. Minute das 1:0 ein.
Dann Haringer: Er stürzt, verletzt sich am Schlüsselbein, springt bei einer Flanke nicht mehr hoch genug und lenkt den Ball mit der Hand weg. Ungarn gleicht in der 30. Minute durch Elfmeter aus. Haringer kann nicht weiter. Nach dem DFB-Datencenter kommt Schäfer in der 33. Minute für ihn ins Spiel, das Tagblatt gibt »sieben Minuten vor der Pause« an. In der Zwischenzeit hat die deutsche Elf mit zehn Mann gespielt, Rudolf Gramlich hat verteidigt, Lachner hat als rechter Läufer ausgeholfen. Mit Schäfer ist die Läuferreihe wieder komplett, und die Deutschen liegen nach dem Tagblatt wieder im Angriff.
Nach der Pause trifft Hans Stubb mit einem Freistoß zum 2:1, in der 80. Minute köpft Edmund Conen nach einer Flanke von Karl Politz das 3:1. Hinten bleibt es danach ruhig. An Stubb und dem »sehr guten Schäfer«, schreibt das Tagblatt, kämen die Ungarn »fast gar nicht vorbei«. Über das Schlusstrio sei »kein böses Wort zu verlieren«, und »Haringer (bis zu seiner Verletzung) und nachher Schäfer« seien »erstklassig« gewesen. Das ist das Urteil eines einzelnen Blattes, aus dem Bericht seines Mitarbeiters in Frankfurt.
Schäfer nimmt vom 7. bis 19. Mai 1934 noch am WM-Lehrgang teil, steht aber nicht im Turnierkader. Weitere Länderspiele hat er nicht: Das Lexikon von 1939 und die Wikipedia führen nur das Spiel gegen Ungarn. Im Bundespokal 1935 spielt er am 6. Januar noch für die Auswahl Bayerns.
Der Fußball-Professor
Nach der Saison 1936/37 beendet Schäfer die Spielerlaufbahn und übernimmt das erste Mal die Löwen als Trainer. In der Gauliga Bayern wird die Mannschaft 1937/38 Zweiter hinter dem 1. FC Nürnberg. Dann geht er zum Post-SV München und ist zugleich Gausportlehrer. Mit der Gauauswahl Bayern gewinnt er am 30. Juni 1940 in Augsburg das Endspiel im Reichsbundpokal 3:1 gegen Sachsen, im Jahr darauf verliert er die Revanche in Chemnitz 0:2.
Er ist promovierter Gymnasiallehrer, und man nennt ihn den »Fußball-Professor«. Nach der Wikipedia durchdachte er den Fußball wie ein Planspiel. 1940 erscheint von ihm eine Schrift mit dem Titel »Das ›Fußballspiel‹ nach seinen physiologischen und psychologischen Wirkungen betrachtet«. Später lehrt er als Gymnasialprofessor am Oskar-von-Miller-Gymnasium in München (kicker, 23. Januar 1967).
Ab 1941/42 trainiert er wieder 1860. Im Tschammerpokal schaltet die Mannschaft nach der Wikipedia Rapid Wien, die Stuttgarter Kickers, die SG SS Straßburg, den FV Stadt Düdelingen und TuS Lipine aus. Das Endspiel steigt am 15. November 1942 im Berliner Olympiastadion gegen den Favoriten Schalke 04, der im Juli 1942 Deutscher Meister geworden war. Tore von Ernst Willimowski und Engelbert Schmidhuber entscheiden es 2:0. Als Vorteil gilt die Abwehr um Franz Schmeiser, Alois Pledl und Georg Bayerer. In der folgenden Saison gewinnt seine Elf die Südgruppe der bayerischen Gauliga mit 97:15 Toren, Schäfer hilft in dieser Runde selbst noch als Spieler aus, und scheidet in der Endrunde im Viertelfinale in Wien 0:2 gegen Vienna aus.
Nach dem Krieg
In der ersten Oberliga-Saison 1945/46 hat zunächst Georg Ertl das Training, Schäfer kehrt im Lauf der Runde zurück. Nebenbei betreut er zwei Spielzeiten den 1. FC Traunstein, mit dem er zweimal Meister der 2. Amateurliga wird, ohne aufzusteigen. 1947/48 führt er die Löwen hinter Nürnberg zur Vizemeisterschaft. Am 14. März 1948 drängen sich beim 2:1 gegen den 1. FC Nürnberg 58.200 Zuschauer in das Stadion an der Grünwalder Straße, das offiziell 45.000 fasst. Bei der Endrunde im Sommer verliert 1860 in Worms am 18. Juli 1948 mit 1:5 gegen den 1. FC Kaiserslautern um Fritz Walter.
Von 1951 bis 1953 trainiert Schäfer den FC Bayern, bei dem es nach der Wikipedia zu den Plätzen acht (1952) und sieben (1953) reicht. 1953 kehrt er zu den Löwen zurück, die in die II. Division abgestiegen sind, und holt 1955 die Meisterschaft der II. Division und den Aufstieg. Nach dem sofortigen Wiederabstieg 1956 übernimmt Hans Hipp. Schäfer ist da 49 Jahre alt.
Nach der Wikipedia (die sich auf das Bundesarchiv und Markwart Herzog stützt) trat Schäfer zum 1. Mai 1933 in die NSDAP ein und gehörte von 1934 bis 1936 der SA an. Er stirbt 1990.
Spieler und Trainer: derselbe Mann
Der Spieler und der Trainer Max Schäfer sind eine Person. Im Lexikon von 1939 steht er mit dem einen Länderspiel von 1934, die Wikipedia führt Spieler- und Trainerkarriere in einem Artikel. Mit anderen Nationalspielern namens Schäfer, etwa Hans und Herbert Schäfer im Verzeichnis bei Schulze-Marmeling, hat er nichts zu tun. Die Wikipedia nennt als Sterbedatum den 27. August 1990, die englische Fassung den 15. September 1990. Den Sterbeort gibt keine der Quellen an.
Max Schäfer auf einen Blick
Geboren: 17.1.1907 in Landshut (Wikipedia; Lexikon 1939: Heimatort München)
Gestorben: 1990 (27.8. nach der deutschen, 15.9. nach der englischen Wikipedia)
Vereine: SpVgg Landshut, TSV 1860 München (1927–1937, 1942/43 kurz wieder)
Position: Verteidiger, früher Mittelstürmer und Linksaußen
Beruf: Turn- und Sportlehrer, promovierter Gymnasiallehrer
Erfolge als Spieler: Deutscher Vizemeister 1931
Erfolge als Trainer: Tschammerpokalsieger 1942 und Meister der II. Division Süd 1955 mit 1860, Reichsbundpokalsieger 1940 mit Bayern
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Sieg), kein Tor (1934)
Länderspiele
- 14.01.1934 Deutschland – Ungarn 3:1 – eingewechselt in der 33. Minute für Haringer
Quellen
- Wikipedia: Max Schäfer (Fußballspieler)
- Wikipedia (englisch): Max Schäfer
- Wikipedia: Tschammerpokal 1942
- DFB-Datencenter: Deutschland – Ungarn 3:1
- Darmstädter Tagblatt, 15. Januar 1934 (Spielbericht)
- Darmstädter Tagblatt, 15. Juni 1931 (Endspiel in Köln)
- RSSSF: Germany – International Results
- Die Deutschen Nationalspieler (1939), Verzeichnis
- Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft