Carl-Heinz Mahlmann – vom Läufer in Düsseldorf zum Präsidenten des HSV
Düsseldorf, 4. Dezember 1932, 49.000 Zuschauer, null Tore für Deutschland. Das Darmstädter Tagblatt geht am Montag die Einzelnen durch. Der HSV-Läufer Mahlmann, schreibt es, habe das »internationale Format« nicht erreicht. Es bleibt bei diesem einen Länderspiel. Trotzdem hat die Hamburger Fußballgeschichte Carl-Heinz Mahlmann behalten, und zwar als den Mann, der den HSV von 1951 bis zu seinem Tod 1965 als Präsident führte.
»Die Hauptschuld an der Niederlage trägt der Sturm.«
Ein Braunschweiger in Hamburg
Carl-Heinz Mahlmann wird am 17. September 1907 in Braunschweig geboren, das nennen DFB-Datencenter, Wikipedia und das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 übereinstimmend. Das Lexikon führt ihn als »Heinz Mahlmann«, rechten Läufer, Prokurist von Beruf. Bei den Vereinen gehen die Quellen auseinander: Das Lexikon nennt den Hamburger SV und Eintracht Braunschweig, die Wikipedia schreibt, er sei in Braunschweig aufgewachsen und über den SC Victoria Hamburg 1929 zum HSV gekommen. Das DFB-Datencenter führt ihn beim HSV vom 1. Juli 1929 bis zum 30. Juni 1935.
Der HSV in den Endrunden 1931 bis 1933
1931 wird der HSV norddeutscher Meister und zieht in die Endrunde um die deutsche Meisterschaft ein. Mahlmann steht nach dem DFB-Datencenter in allen drei Spielen: dem 2:0 am 10. Mai 1931 in Beuthen, dem 2:0 am 17. Mai gegen Eintracht Frankfurt in Altona und dem Halbfinale am 31. Mai in Leipzig, das Hertha BSC nach Verlängerung 3:2 gewinnt. Hertha holt anschließend die Meisterschale.
1932 und 1933 ist der HSV wieder Norddeutscher Meister und wieder in der Endrunde. Das Datencenter führt Mahlmann 1932 in zwei Spielen, dem 3:1 gegen Benrath am 8. Mai und dem 2:4 gegen Schalke am 22. Mai in Bochum, und 1933 in einem, dem 1:4 am 7. Mai gegen Eintracht Frankfurt in Hamburg. Zusammen sind das sechs Endrundenspiele, drei Siege und drei Niederlagen. Ein Finale erreicht er nicht.
Der Weg nach Düsseldorf
Die Berufung durch Reichstrainer Otto Nerz ist, wie die Wikipedia schreibt, der Höhepunkt seiner Spielerlaufbahn. Am 28. November 1932 meldet das Tagblatt die Elf für das Länderspiel gegen die Niederlande: Buchloh im Tor, Schütz und Stubb als Verteidiger, in der Läuferreihe Knöpfle, Leinberger und Mahlmann.
Der große Tag: Düsseldorf, 4. Dezember 1932
Im Rheinstadion strömen Zuschauer aus dem ganzen Industriegebiet zusammen, nach dem DFB-Datencenter sind es 49.000. Der Speldorfer Fritz Buchloh im Tor und der Düsseldorfer Willi Wigold im Angriff debütieren. Mahlmann spielt rechter Läufer, links von ihm Georg Knöpfle, in der Mitte Ludwig Leinberger. Schiedsrichter ist der Schwede Otto Olsson.
Das Spiel entscheidet der Niederländer Law Adam. In der 32. Minute köpft er nach einer Flanke von Gerrit Nagels aus dem Sprung ein, nachdem er im Mittelfeld Knöpfle und Leinberger umspielt hat. In der 38. Minute lenkt er einen Schuss von Otto Bonsema ins Tor. Mit 0:2 geht es in die Pause. Danach drängen die Deutschen, finden in der niederländischen Abwehr aber keine Lücke.
Das Tagblatt urteilt hart. »Die Hauptschuld an der Niederlage trägt der Sturm«, er habe sich »viel zu saft- und kraftlos« gezeigt. In der Läuferreihe habe Leinberger unermüdlich gearbeitet, Knöpfle sei »unstreitig der Beste in der deutschen Elf« gewesen. Mahlmann dagegen habe, so das Blatt, das internationale Format nicht erreicht. Kuzorra sei »viel zu weich« gewesen, Wigolds Wahl ein »Mißgriff«. Die Arnhemsche Courant nennt Adam den Mann, der »weit über die besten Spieler der Deutschen« hinausgeragt habe. Den ganzen Spielverlauf erzählt der Spielbericht.
Am selben Sonntag gewinnt Süddeutschland in Paris gegen eine Auswahl der Profiliga 5:2. Im Team stehen Lorenz Huber, der im Oktober in Budapest gespielt hat, und Erich Fischer, der im Juli in Helsinki dabei war.
Das Ende der Laufbahn
In die Nationalelf kehrt Mahlmann nicht zurück. Nach der Saison 1934/35 beendet er laut Wikipedia seine aktive Laufbahn. Nach den Angaben des Bundesarchivs, die die Wikipedia nach dem Zeit-Artikel von Armin Jäger vom 24. Juli 2024 wiedergibt, trat er zum 1. Mai 1937 in die NSDAP ein.
Der Präsident
Nach seiner Rückkehr nach Hamburg, die die Wikipedia mit beruflichen Gründen 1948 verbindet, übernimmt Mahlmann am 26. Januar 1951 den Vorsitz des HSV. Im Geschäftsleben war er nach der Wikipedia ein erfolgreicher Getreidemakler. Sein Kamerad von 1932, Georg Knöpfle, ist zu der Zeit Trainer der Liga-Mannschaft. Mahlmanns jüngerer Bruder Günter, Studienrat, ist Geschäftsführer und Trainer der Jugend. Das Konzept, das die Wikipedia dem Präsidenten zuschreibt, lautet: Talente aus der eigenen Jugend, den Amateuren und dem norddeutschen Raum.
Die Erfolge kommen in seiner Amtszeit: 1960 wird der HSV mit einem 3:2 gegen den 1. FC Köln deutscher Meister, 1961 erreicht er das Halbfinale im Europapokal der Landesmeister, das er gegen den FC Barcelona im Entscheidungsspiel 0:1 verliert, 1963 gewinnt er den DFB-Pokal. Cheftrainer ist 1960 Günter Mahlmann. Unter dem Patronat der Brüder reifen nach der Wikipedia Uwe Seeler, Klaus Stürmer, Jürgen Werner, Gerhard Krug und Gert Dörfel heran.
Carl-Heinz Mahlmann stirbt am 7. November 1965 an einem Herzinfarkt, nach der Heimfahrt von einem Bundesligaspiel des HSV gegen den 1. FC Kaiserslautern, das 1:2 verloren ging. Er ist auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf begraben, im Planquadrat AE 26 zwischen den Kapellen 6 und 7.
Carl-Heinz Mahlmann auf einen Blick
Geboren: 17.9.1907 in Braunschweig
Gestorben: 7.11.1965 in Großensee (Holstein)
Vereine: Hamburger SV (1929–1935), laut Wikipedia zuvor SC Victoria Hamburg; Lexikon 1939 nennt zusätzlich Eintracht Braunschweig
Position: Rechter Läufer
Beruf: Prokurist (Lexikon 1939), später Getreidemakler (Wikipedia)
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Niederlage), kein Tor (1932)
Ämter: Erster Vorsitzender des Hamburger SV von 1951 bis 1965
Länderspiele
- 04.12.1932 Deutschland – Niederlande 0:2 – Debüt und einziges Länderspiel, rechter Läufer
Quellen
- Wikipedia: Carl-Heinz Mahlmann
- Wikipedia: Günter Mahlmann
- DFB-Datencenter: Carl-Heinz Mahlmann, Spielerprofil
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1930/31, 1931/32 und 1932/33
- RSSSF: (West) Germany International Results
- Die Deutschen Nationalspieler (1939), Verzeichnis
- Armin Jäger: NS-Geschichte im Fußball, Die Zeit, 24. Juli 2024
- Darmstädter Tagblatt, 28. November und 5. Dezember 1932 (ULB Darmstadt); Arnhemsche Courant, 5. Dezember 1932 (zitiert nach dem Spielbericht auf rasenpoesie.de)