Kurt Langenbein – der Mannheimer Torjäger, der in Königsberg traf
Zwei Länderspiele, zwei Siege, ein Tor. Kurt Langenbein hat die Bilanz, von der manch ein Nationalspieler träumen würde, nur ist sie dünn. Am 6. März 1932 stürmte der Mannheimer in Leipzig gegen die Schweiz, am 13. Oktober 1935 flach an den Torwart vorbei zum 3:0 gegen Lettland in Königsberg. Dazwischen lagen dreieinhalb Jahre, in denen er für den VfR Mannheim weiter Tore schoss, auch ohne den DFB.
»Im Angriff waren nur die beiden Außenstürmer Kobierski und Langenbein gut.«
Ein Mannheimer beim VfR
Kurt Langenbein wird am 4. November 1910 in Mannheim geboren, darin sind das DFB-Datencenter, das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 und die Wikipedia einig. Das Lexikon nennt als Verein den VfR Mannheim, als Stammposten Mittelstürmer und Rechtsaußen, als Beruf städtischer Beamter. Die Wikipedia beschreibt ihn als schnellen und torgefährlichen Angreifer.
1927/28 integriert die Ligaelf des VfR zwei junge Talente, ihn und Oskar Rohr. Am 15. Juni 1929 spielt er in der Mannheimer Stadtauswahl. Nach den Zahlen, die die Wikipedia nach Andreas Ebners Gauliga-Buch angibt, kommt er von 1927/28 bis 1945/46 auf 231 Punktspiele und 178 Tore für den VfR, in der Gauliga Baden auf 103 Spiele und 103 Tore, dreimal wird er Torschützenkönig. Eine andere Überlieferung, die die Wikipedia ebenfalls nennt, spricht von mehr als 1.200 Spielen und mehr als 1.400 Toren. Wie diese Zahl zustande kommt, sagt sie nicht, mit den Ligazahlen lässt sie sich nicht abgleichen.
Nach der Wikipedia gilt er als Intelligenzfußballer. Für Süddeutschland spielt er am 10. Januar 1932 im Bundespokal-Halbfinale in Saarbrücken, ein 8:1 gegen Brandenburg, als Rechtsaußen in einer Elf mit Kreß, Schütz, Stubb, Rudolf Gramlich und Edmund Conen. Das Finale verliert Süddeutschland am 5. Juni 1932 in Leipzig 1:2 gegen Norddeutschland.
Debüt in Leipzig, 6. März 1932
Zwei Monate nach Saarbrücken steht er in der Nationalelf. Am 6. März 1932 empfängt Deutschland auf dem Platz des VfB Leipzig die Schweiz, die Zeitung zählt über 50.000 Zuschauer, einige Tausend sehen kaum etwas. Schon vor dem Spiel gibt es Einwände gegen die Aufstellung des Angriffs, so das Darmstädter Tagblatt. Die Elf: Kreß, Schütz, Stubb, Gramlich, Leinberger, Knöpfle, im Angriff Langenbein, Rohr, Kuzorra, Hofmann und Kobierski. Für Rohr, der inzwischen beim FC Bayern München spielt, ist es ebenfalls das erste Länderspiel.
Dass es gut geht, liegt an Richard Hofmann, der beide Tore schießt, einen Elfmeter (40. Minute nach dem DFB) und einen Weitschuss (83.). Der Innensturm mit Rohr und Kuzorra auf ungewohnten Posten findet nicht zusammen, der Spielbericht zeigt, wie Reichstrainer Nerz erst spät umstellt. Das Tagblatt nennt den Sieg verdient, den Angriff enttäuschend. Gut seien nur die Außenstürmer Kobierski und Langenbein gewesen, schnell, technisch gut, mit guten Vorlagen, die meist nicht verwertet wurden. Dem Mannheimer machte allerdings der Schweizer Läufer Gilardoni sehr zu schaffen, so die Zeitung.
Nach der Wikipedia steht er 1934 im vorläufigen Aufgebot mit 38 Spielern für die Weltmeisterschaft, im endgültigen Kader fehlt er. Dazu kommen Reichsbundpokal-Halbfinals mit Süddeutschland 1933 und mit der Gauauswahl Baden 1935 und 1938. Für die süddeutsche Auswahl nennt die Wikipedia 16 Einsätze.
Der große Tag: Königsberg, 13. Oktober 1935
Im Oktober 1935 spielt Deutschland zum ersten Mal gegen Lettland, und zum ersten Mal in Königsberg. Das Tagblatt zählt über 15.000 Zuschauer im Horst-Wessel-Stadion, das DFB-Datencenter 14.000. Schiedsrichter ist der Pole Rutkowski. Die Elf, so das Tagblatt zwei Tage vorher, besteht aus acht bewährten Nationalspielern und drei Neulingen: Jürissen, Stührk, Tiefel, Ruchay, Matthies, Appel und im Sturm Langenbein, Lenz, Panse, Bökle und Matthias Heidemann. Für Langenbein ist es nach dreieinhalb Jahren das zweite Länderspiel.
Die Lettland-Elf wehrt sich tapfer, das 1:0 fällt früh, nach der ersten Ecke von Heidemann. Lenz schießt es nach dem DFB-Datencenter in der 9. Minute, das Tagblatt zählt die 7. In der zweiten Halbzeit trifft Herbert Panse (58. Minute nach dem DFB, 13. Minute nach Wiederbeginn nach dem Tagblatt). Dann das Tor von Langenbein: Panse gibt den Ball nach rechts, und der Mannheimer schießt flach am herausgelaufenen Torhüter Lazdins vorbei. Das Datencenter nennt die 63. Minute, das Tagblatt die 25. nach Wiederbeginn.
Das Tagblatt lobt Torwart, Verteidiger und Läufer, den Angriff nur eingeschränkt: Alle fünf Stürmer hätten technisch und taktisch gut gespielt, den gesunden und kernigen Schuss aber vermissen lassen. Die Flügel Heidemann und Langenbein waren nach der Zeitung gut. Die besten Stürmer waren für sie Lenz und Bökle. Es blieb Langenbeins letzter Länderauftritt. Das Lexikon von 1939 zählt zwei Länderspiele und ein Tor.
Endrunden und Nachkriegszeit
Mit dem VfR wird er 1935 Meister der Gauliga Baden. In der Endrunde 1935 kommt er nach der Wikipedia auf sechs Spiele und vier Tore, in diesen sechs Spielen gibt es nach der Wikipedia und dem DFB-Datencenter einen Sieg und fünf Niederlagen. 1938 wird Mannheim erneut Gaumeister. In der Endrundengruppe mit Schalke 04, dem Berliner SV 92 und Dessau 05 gewinnt der VfR am 18. April 2:1 in Gelsenkirchen, am 8. Mai verspielt er beim 1:1 in Dessau den Gruppensieg, weil Schalke bei gleichen Punkten das bessere Torverhältnis hat. Langenbein steht in dieser Endrunde nach dem Datencenter in fünf Spielen.
Nach Bundesarchiv und dem Zeit-Artikel von Armin Jäger vom 24. Juli 2024, die die Wikipedia wiedergibt, beantragt Langenbein am 6. September 1937 die Aufnahme in die NSDAP und wird rückwirkend zum 1. Mai 1937 aufgenommen.
Nach dem Krieg ist er beim ersten Spiel in Mannheim dabei: Am 9. September 1945 verliert der VfR gegen den SV Waldhof 1:3, mit ihm spielen Oskar Rohr und Karl Striebinger. In der Oberliga Süd 1945/46 steht er in sechs Spielen und trifft fünfmal. Beruflich arbeitet er nach der Wikipedia als Verwaltungsdirektor der Mannheimer Verkehrsbetriebe, der VfR ernennt ihn zum Ehrenspielführer. Er stirbt 1978 in Mannheim, am 16. November nach der deutschen Wikipedia, am 22. Oktober nach der englischen.
Kurt Langenbein auf einen Blick
Geboren: 4.11.1910 in Mannheim
Gestorben: 1978 in Mannheim (16.11. nach der deutschen, 22.10. nach der englischen Wikipedia)
Verein: VfR Mannheim (1927/28–1946)
Position: Rechtsaußen und Mittelstürmer
Beruf: städtischer Beamter (Lexikon 1939), später Verwaltungsdirektor der Mannheimer Verkehrsbetriebe
Erfolge: Gaumeister Baden 1935 und 1938 (nach der Wikipedia), Ehrenspielführer des VfR
Bilanz: 2 Länderspiele (2 Siege), 1 Tor (1932, 1935)
Länderspiele
- 06.03.1932 Deutschland – Schweiz 2:0
- 13.10.1935 Deutschland – Lettland 3:0, Königsberg – Tor zum 3:0
Quellen
- Wikipedia: Kurt Langenbein
- Wikipedia (englisch): Kurt Langenbein
- DFB-Datencenter: Kurt Langenbein, Spielerprofil
- DFB-Datencenter: Deutschland – Lettland 3:0, 13.10.1935
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1934/35
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1937/38
- Wikipedia (englisch): Germany national football team results (1930–1942)
- RSSSF: (West) Germany International Results
- Die Deutschen Nationalspieler (1939), Verzeichnis
- Armin Jäger: NS-Geschichte im Fußball, Die Zeit, 24. Juli 2024
- Darmstädter Tagblatt, 3. März 1932
- Darmstädter Tagblatt, 7. März 1932
- Darmstädter Tagblatt, 11. Oktober 1935
- Darmstädter Tagblatt, 14. Oktober 1935
- Andreas Ebner: Als der Krieg den Fußball fraß, Ubstadt-Weiher 2016 (zitiert nach der Wikipedia)