Walter Sorkale – achtzehn Jahre Preusse

Walter Sorkale war ein Mann für die Läuferreihe, und ein Mann für einen Verein. Von 1907 bis 1925 trug er das Trikot des BFC Preussen, achtzehn Jahre lang. Er wurde zweimal Berliner Meister, schoss einmal sogar ein Tor in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft, und im Oktober 1911 stand er in Hamburg in der Nationalelf. Den größten Tag erlebte er in einem verlorenen Finale: 5:6 gegen die besten Stürmer des Landes.

»In der 80. Minute ging der verletzte Berliner Verteidiger Max Schmidt ins Tor, während Alfred Mills als Feldspieler mitstürmte. Doch der Schuß ging nach hinten los.«

— Libero 36 (IFFHS) über das Endrundenspiel der Preussen 1910, in dem Sorkale das einzige Berliner Tor schoss

Ein Leben beim BFC Preussen

Walter Sorkale wird am 17. Januar 1890 in Berlin geboren. Gelernt hat er den Beruf des Kaufmanns. 1907, mit 17, schließt er sich dem BFC Preussen an. Einen anderen Verein nennen die Quellen nicht.

Im dritten Jahr kommt der erste Titel. 1910 gewinnt Preussen die Berliner Meisterschaft, nach einer Doppelrunde mit neun Mannschaften. Das bringt die Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Am 17. April 1910 geht es in Hamburg auf dem Victoria-Platz an der Hoheluft gegen Holstein Kiel.

Und hier wird es ungewöhnlich. Der Außenläufer Sorkale steht laut der IFFHS-Aufstellung in der Mitte des Sturms. Nach 26 Minuten trifft er zum 0:1. Doch Kiel dreht das Spiel. In der 80. Minute versuchen die Berliner noch einen Kniff: Der verletzte Verteidiger Max Schmidt geht ins Tor, Torwart Alfred Mills stürmt mit. Es hilft nichts, Kiel gewinnt 4:1.

1912 wird Preussen erneut Berliner Meister, in zwei Endspielen gegen Viktoria 89, 4:2 nach Hin- und Rückspiel. Wieder heißt der Gegner in der Endrunde Holstein Kiel, wieder in Hamburg, diesmal 1:2. Sorkale spielt jetzt in der Läuferreihe.

Ein Länderspiel in Hamburg

Im Herbst 1911 holt ihn der DFB. Am 29. Oktober 1911 spielt Deutschland in Hamburg gegen Schweden, auf dem Victoria-Platz an der Hoheluft, vor 9.000 Zuschauern. Schiedsrichter ist der Niederländer Herbert James Willing. Sorkale spielt rechter Läufer, neben Kapitän Camillo Ugi und Paul Hunder. Im Sturm debütiert mit ihm der Viktorianer Paul Kugler.

Es wird kein guter Tag. Schweden führt zur Pause 2:0, erhöht auf 3:0, erst zehn Minuten vor Schluss verkürzt Ernst Möller. 1:3. Walter Sorkale wird danach nicht mehr berufen.

Der große Tag: Das Pokalfinale gegen Hirsch und Fuchs (Februar 1912)

In der Brandenburger Auswahl aber bleibt er gesetzt. Im Herbst 1911 gewinnt Brandenburg im Kronprinzenpokal 10:0 gegen die Balten und 2:1 in Hamburg gegen Norddeutschland. Sorkale ist beide Male dabei.

Das Finale steigt am 18. Februar 1912 auf dem Union-Platz in Mariendorf. Wikipedia nennt 3.000 Zuschauer, »Libero« 7.000. Schiedsrichter ist Edgar Blüher aus Leipzig. Die Läuferreihe der Brandenburger: Sorkale, Willi Knesebeck, Paul Hunder. Gegenüber steht der Süden mit sechs Spielern des Karlsruher FV, darunter dessen Innensturm: Fritz Förderer, Gottfried Fuchs, Julius Hirsch.

Es beginnt traumhaft. Erich Herbst trifft in der ersten Minute zum 1:0. Dann schlägt der Süden zurück, Fuchs, Förderer, Hirsch, zur 28. Minute steht es 1:3. Paul Kugler verkürzt per Elfmeter. Nach der Pause trifft Fuchs, Worpitzky antwortet, Fuchs und Hirsch schießen binnen einer Minute das 3:6. Brandenburg gibt nicht auf: Max Krüger in der 80., Worpitzky in der 84. Minute. Aber zum Ausgleich reicht es nicht. 5:6.

»Mark Brandenburg erreichte 1912 zum 3. Mal das Endspiel des Kronprinzen-Pokals.«

— Bildunterschrift in Libero D3 (IFFHS, 1992)

Das Mannschaftsfoto, das »Libero« von diesem Finale abdruckt, zeigt Sorkale mitten in der Reihe, zwischen Otto Thiel und Paul Kugler. Einen Monat später spielen Förderer, Fuchs und Hirsch zusammen im Nationaltrikot beim 5:5 in Zwolle.

Abstieg, Rückkehr, Ende

Sorkale bleibt den Preussen treu, auch in schlechteren Jahren. Nach der Saison 1922/23 steigt der Verein ab. Zur Saison 1924/25 ist er zurück in der obersten Berliner Spielklasse und rettet sich im Entscheidungsspiel gegen den VfB Pankow. Mit dieser Saison endet laut Wikipedia Sorkales Laufbahn.

Über sein weiteres Leben schweigen die Quellen. Selbst beim Todesdatum sind sie sich nicht einig: Wikipedia nennt den 19. April 1945, die Aufzeichnungen des Statistikers Fritz Tauber den 18. März 1946. Einen Ort gibt keine an.

Walter Sorkale auf einen Blick

Geboren: 17.1.1890 in Berlin
Gestorben: 19.4.1945 (laut Tauber: 18.3.1946), Ort unbekannt
Vereine: BFC Preussen (1907–1925)
Position: Außenläufer (rechter Läufer)
Titel: Berliner Meister 1910 und 1912; Kronprinzenpokal-Finalist 1912
Bilanz: 1 Länderspiel, 0 Tore (1911)
Beruf: Kaufmann
Nationalspieler Nr.: 78 (Debüt 29. Oktober 1911 in Hamburg)

Quellen

Wikipedia: Walter Sorkale · Wikipedia: Kronprinzenpokal 1911/12 · Die Deutschen Nationalspieler (1939) · Libero D 3, 1992 (IFFHS) · Libero 36 (IFFHS) · Kicker-Almanach 1996