Guido von Mengden – der Generalstabschef des NS-Sports
Guido von Mengden ist ein besonders aufschlussreicher Fall, weil seine Biografie zwei gegensätzliche Selbstbilder verbindet: den hochrangigen Funktionär und Publizisten des nationalsozialistischen Sports und den späteren Deuter dieser eigenen Vergangenheit. Für eine seriöse Darstellung ist deshalb weniger eine Ämterliste entscheidend als der Vergleich seiner zeitgenössischen Texte mit seiner späteren Selbstdarstellung.
Vom Sportjournalisten zum Funktionär
Von Mengden wird am 13. November 1896 in Düren geboren und arbeitet bereits vor 1933 als Sportjournalist und Verbandsfunktionär. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme steigt er im neuen Sportsystem auf. Seine NSDAP-Mitgliedschaft ist über die Bundesarchiv-Kartei R 9361-IX KARTEI/28270522 konkret nachweisbar. Er ist publizistisch und organisatorisch eng mit dem NS-Sport verbunden und gilt später als eine Art „Generalstabschef“ des deutschen Sports.
Gegenpol zu Bensemann
Besonders interessant ist sein Verhältnis zu Walther Bensemann, dem Gründer des kicker. In der späten Weimarer Zeit stehen sich unterschiedliche Vorstellungen von Sportpublizistik und Internationalismus gegenüber. Nach 1933 verschwindet Bensemann aus Deutschland ins Schweizer Exil, während von Mengden im neuen System Karriere macht. Diese biografische Kreuzung eignet sich, um die Brüche der deutschen Fußballöffentlichkeit jener Jahre sichtbar zu machen: zwei Publizisten, zwei entgegengesetzte Wege.
Texte statt Ämterliste
Von Mengdens Tätigkeit lässt sich nicht nur über seine Ämter, sondern vor allem über seine eigenen Texte rekonstruieren. Welche Begriffe verwendete er für Volksgemeinschaft, Führung, Leistung und internationale Sportpolitik? Wie veränderte sich seine Sprache während des Krieges? Und welche Teile dieser eigenen Publizistik erwähnte oder relativierte er nach 1945? Eine vollständige Bibliografie seiner Artikel aus den Jahren 1933 bis 1945 steht noch aus.
Die Rückschau von 1980
Gerade seine spätere Veröffentlichung „Umgang mit der Geschichte und mit Menschen“ von 1980 ist deshalb keine neutrale Rückschau, sondern selbst eine Quelle – eine der Selbstrechtfertigung. Sie muss gegen seine zeitgenössischen Artikel, seine Personalunterlagen und die Organisationsakten des NS-Sports gelesen werden, nicht als unabhängige Zeugenaussage übernommen werden. Dass von Mengden nach 1945 erneut Einfluss im deutschen Sport gewann und sogar als Berater im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 1972 tätig war, macht die Frage nach solchen Kontinuitäten zusätzlich relevant. Von Mengden starb am 4. Mai 1982 in Göttingen.
Eine Biografie sollte deshalb nicht mit dem Etikett „NS-Sportfunktionär“ enden. Sie muss zeigen, wie von Mengden vor 1933 publizistisch positioniert war, wie er im NS-System Karriere machte und wie er später seine eigene Rolle erklärte. Gerade der Vergleich dieser drei Phasen verspricht Erkenntnisse, die ein knapper Lexikonartikel nicht leisten kann.
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Quellenkritischer Stand: 2. Oktober 2026 | Basierend auf dem internen Rechercheprojekt „Rasenpoesie Best-Online v37" (Primärquellenstatus: B/C – die institutionelle Karriere ist bekannt, einzelne Primärakten müssen aber noch gezielt beschafft werden). Offene Prüfpunkte: Eine vollständige Bibliografie seiner Artikel aus den Jahren 1933 bis 1945 fehlt noch und müsste systematisch mit seiner Selbstdeutung von 1980 verglichen werden; auch seine Personalakte ist bislang nicht eingesehen worden.