Otto Dumke – der erste Dreierpacker

Drei Tore in einem Länderspiel, das hatte vor ihm kein Deutscher geschafft. Otto Dumke gelang es gleich beim ersten Versuch, im Juni 1911 in Stockholm. Der Halbrechte von Viktoria 89 war zu diesem Zeitpunkt längst ein gemachter Mann: zweimal Deutscher Meister, zweimal im Endspiel um den Kronprinzenpokal. Ein Lexikon von 1939 hielt ihn gar für den verhinderten Vorläufer von Richard Hofmann. Doch Dumke bestritt nur zwei Länderspiele. Dann kam die Krankheit.

»Dumke hätte mit seiner Technik, seiner Durchbruchswucht, seinem Schuß der wahre Vorläufer Richard Hofmanns werden können.«

— Die Deutschen Nationalspieler, 1939

Ein Berliner bei Viktoria

Otto Dumke wird am 29. April 1887 in Berlin geboren. Von Beruf ist er Kaufmann, so steht es im Lexikon von 1939. 1905 kommt er zum BTuFC Viktoria 89. Bis 1912 bleibt er dort, unterbrochen nur von einem kurzen Gastspiel beim Nachbarn Britannia 1892. Wikipedia spricht von einem Monat.

Viktoria ist in diesen Jahren die erste Adresse in Berlin. Mit Dumke gewinnt der Verein 1907, 1908 und 1909 die Berliner Meisterschaft, dann noch einmal 1911. Jedes Mal geht es danach in die Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Elf Endrundenspiele bestreitet Dumke, fünf Tore schießt er dabei. Das IFFHS-Heft »Libero« beschreibt ihn als Teil eines »enorm torhungrigen Innentrios«: technisch gut, dribbelstark, einer, der »auch den Weg zum Tor suchte«.

Seinen Spitznamen hat er von der Art, wie er mit dem Ball umgeht. Man nennt ihn »Schieber«.

Meister, Vizemeister, Feldverweis

Das erste Endspiel geht verloren. Am 19. Mai 1907 unterliegt Viktoria in Mannheim dem Freiburger FC 1:3. Auf dem Weg dorthin hat Dumke im Viertel- wie im Halbfinale jeweils das erste Tor geschossen.

Ein Jahr später klappt es. Im Halbfinale gegen Wacker Leipzig trifft Dumke zum 3:0, im Endspiel am 7. Juni 1908 in Tempelhof schlägt Viktoria die Stuttgarter Kickers 3:1. Deutscher Meister.

1909 wird es kurios. Im Halbfinale gegen Altona 93 muss Dumke nach gut zwanzig Minuten vom Platz. Viktoria gewinnt trotzdem 7:0, »obgleich sie fast 70 Minuten in Unterzahl spielen mußten«, wie »Libero« notiert. Und im Endspiel steht Dumke wieder auf dem Rasen. Eine Sperre gibt es damals nicht: »Da ein Feldverweis zu jener Zeit keine Sperre für das nachfolgende Spiel zur Folge hatte, war bei den Berlinern Otto Dumke wieder mit von der Partie.« Das Endspiel am 30. Mai 1909 in Breslau geht allerdings 2:4 gegen Phönix Karlsruhe verloren.

Dazwischen spielt er für die Berliner Auswahl um den Kronprinzenpokal. Zweimal erreicht er das Finale, zweimal verliert er: am 18. April 1909 mit 1:3 gegen Mitteldeutschland, am 10. April 1910 mit 5:6 gegen Süddeutschland. Das zweite Finale wird erst in der 142. Minute entschieden.

Der zweite Titel folgt 1911. Am 4. Juni schlägt Viktoria in Dresden den VfB Leipzig 3:1, vor 12.000 Zuschauern. Dumke ist dabei.

Der große Tag: Drei Tore in Stockholm (Juni 1911)

Zwei Wochen nach dem Titel reist die Nationalelf nach Schweden. Es ist der 18. Juni 1911, gespielt wird auf dem Råsunda Idrottsplats in Stockholm. 3.000 Zuschauer sind gekommen, Schiedsrichter ist der Däne Charles Buchwald. Kapitän der Deutschen ist Camillo Ugi. Dumke gibt sein Debüt, neben ihm im Sturm stehen sein Vereinskamerad Willi Worpitzky, der Preuße Rudolf Droz, der ebenfalls debütiert, Eugen Kipp und Ernst Möller.

Nach 13 Minuten trifft Dumke zum 0:1. Dann dreht Karl Gustafsson das Spiel mit zwei Toren binnen einer Minute, 28. und 29. Minute, 2:1 für Schweden. Kurz vor der Pause gleicht Dumke aus. Nach dem Wechsel bringt Kipp die Deutschen in Führung, und in der 83. Minute macht Dumke den Deckel drauf. 4:2.

»Libero« setzt dazu eine Fußnote: »Der 24jährige Berliner war der erste deutsche Spieler, dem 3 Treffer in einem Spiel gelangen.« Ein Gruppenbild der Reisegesellschaft von Stockholm, in Straßenkleidung, zeigt ihn ganz links.

Das zweite Länderspiel folgt am 29. Oktober 1911 in Hamburg, wieder gegen Schweden. Diesmal gehen die Deutschen vor 9.000 Zuschauern 1:3 unter. Dumke bleibt ohne Tor. Es ist sein letztes Länderspiel.

»Er vollbrachte eine Stürmerleistung, die vielleicht einzig dasteht: binnen vier Minuten schlug er Englands berühmten internationalen Torhüter Williamson mit drei herrlichen Treffern.«

— Die Deutschen Nationalspieler, 1939, über Viktorias 3:3 gegen Middlesbrough

Das Spiel gegen Middlesbrough – und das Ende

Eine noch größere Geschichte erzählt das Lexikon von 1939. 1911 sei der englische Profiklub Middlesbrough in Berlin gewesen, und Viktoria habe 3:3 gespielt. Alle drei Tore von Dumke, »binnen vier Minuten«, gegen den Nationaltorwart Williamson: »den einen mit dem Kopf, den zweiten durch Direktschuß, den dritten im unheimlichen Alleingang!« Die Engländer seien so verblüfft gewesen, dass britische Klubs ihm einen Profivertrag vorgelegt hätten. Ein Datum nennt das Lexikon nicht, und eine zweite Quelle für das Spiel ließ sich nicht finden. Die Episode bleibt deshalb vorerst eine Erzählung von 1939.

Bitter ist der Schluss derselben Passage: »Eine furchtbare Krankheit, zu spät erkannt«, habe schon in ihm genagt, »als er jenen einzigartigen Triumph feierte«.

Die Quellen sind sich über das Todesjahr nicht einig. Das Lexikon schreibt 1912, »Libero« nennt den 4. August 1912. Wikipedia dagegen stützt sich auf das Berliner Sterberegister und eine Meldung im Berliner Tageblatt: Otto Dumke starb am 24. Mai 1913 in Berlin, nach längerem Krankenlager, an einer Lungenerkrankung. Damit war er nach Wikipedia der erste deutsche Nationalspieler, der starb.

Otto Dumke auf einen Blick

Geboren: 29.4.1887 in Berlin
Gestorben: 24.5.1913 in Berlin (laut Sterberegister; andere Quellen: 4.8.1912)
Spitzname: »Schieber«
Vereine: BTuFC Viktoria 89 (1905–1912), kurz BTuFC Britannia 1892
Position: Halbrechter, auch rechter Flügel
Titel: Deutscher Meister 1908 und 1911, Vizemeister 1907 und 1909; Berliner Meister 1907, 1908, 1909, 1911; Kronprinzenpokal-Finalist 1909 und 1910
Bilanz: 2 Länderspiele, 3 Tore (1911)
Beruf: Kaufmann
Nationalspieler Nr.: 76 (Debüt 18. Juni 1911 in Stockholm)

Quellen

Wikipedia: Otto Dumke · Wikipedia: Kronprinzenpokal 1909/10 · Die Deutschen Nationalspieler (1939) · Libero D 3, 1992 (IFFHS) · Libero 36 (IFFHS) · Kicker-Almanach 1996 · teamdeutschland.net: Otto Dumke