Josef Umbach – der Spiritus rector vom Niederrhein

Josef Umbach war das, was man in Gladbach einen Macher nennen würde. Schon als Jugendlicher spielte er in der ersten Mannschaft des FC München-Gladbach, bald war er deren »Spiritus rector«. So steht es in einer Statistikzeitschrift, und viel mehr steht fast nirgends. Ein westdeutscher Meistertitel, ein Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft, ein Länderspiel. Das eine Länderspiel fand an der niederländischen Grenze statt, in Kleve, im Herbst 1910. Und es erzählt eine Menge über den deutschen Fußball jener Jahre.

»Josef Umbach … kam schon als Jugendlicher ins Liga-Team des Fußball-Club Mönchengladbach 1894 und wurde bald deren Spiritus rector. Zudem war der gelernte Kaufmann torgefährlich.«

— Libero Nr. 36 (IFFHS), Bildunterschrift

Ein Jugendlicher in der Ligaelf

Josef Umbach kommt am 8. Dezember 1889 in München-Gladbach zur Welt, wie die Stadt damals heißt. So nennen es das Nationalspieler-Lexikon von 1939, die Statistiker des IFFHS und der DFB. Wikipedia schreibt 1888. Er lernt Kaufmann, und er lernt Fußball beim FC München-Gladbach 1894, dem späteren SC. Dort rückt er schon als Jugendlicher in die Ligamannschaft auf.

Sein Posten ist der des Halbstürmers. »Torgefährlich« sei er gewesen, heißt es bei Libero. Eine ausführlichere Beschreibung seiner Spielweise ist nicht überliefert.

Meister im Westen, chancenlos gegen Phönix

Laut Wikipedia steht der FC 1908 zum ersten Mal im Finale um die westdeutsche Meisterschaft. Gespielt wird am 12. April 1908 in Kleve, und es geht 0:5 gegen den Duisburger SpV verloren. Ein Jahr später klappt es: Gegen Preußen Duisburg gewinnt München-Gladbach das Endspiel 3:2 nach Verlängerung. Westdeutscher Meister, Endrunde um die deutsche Meisterschaft.

Dort wartet am 2. Mai 1909 in Duisburg der Karlsruher FC Phönix. 1.200 Zuschauer kommen auf den Platz des Duisburger SV, Schiedsrichter ist Wilhelm Quermann aus Hannover. Umbach spielt Halblinks. Zur Pause steht es 0:4, am Ende 0:5. Otto Reiser trifft zweimal, dazu Noe, Leibold und Beier. Wikipedia urteilt, Umbach habe gegen die Karlsruher Abwehr nichts ausrichten können. Der Trost kommt erst später: Phönix wird in diesem Jahr Deutscher Meister.

In der neuen Zehnerliga West wird München-Gladbach 1909/10 Zweiter hinter dem Duisburger SV. 1912 steht der Verein noch einmal im westdeutschen Endspiel und verliert 2:4 gegen den Cölner BC 01. So jedenfalls Wikipedia.

Der große Tag: Kleve (Oktober 1910)

Im Herbst 1910 hat der DFB ein Problem, das er öfter hat. Gegen die Niederlande bleiben alle Spieler aus Süddeutschland zu Hause. Kein Förderer, kein Fuchs, kein Breunig, keiner der Karlsruher, die gerade die deutsche Meisterschaft gewonnen haben. Warum, erzählt die »Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft« an zwei Stellen verschieden. Einmal heißt es, die Süddeutschen seien »daheim« geblieben. An anderer Stelle, der DFB habe ihre Anreise für zu lang gehalten und sie gar nicht erst nominiert. Das Ergebnis ist dasselbe: eine Elf aus Nord, Mitte und West, mit fünf Debütanten. Einer davon ist Josef Umbach.

Gespielt wird am 16. Oktober 1910 in Kleve, auf dem Platz des VfB 1903. Libero zählt 10.000 Zuschauer, niederländische Blätter schätzten 1910 deutlich weniger. Schiedsrichter ist Istace aus Belgien. Umbach stürmt halblinks, neben ihm auf dem linken Flügel Richard Queck aus Braunschweig. In der Mitte spielt Willi Worpitzky, Kapitän ist Camillo Ugi.

Die Niederländer, trainiert vom Engländer Edgar Chadwick, legen los. Jan Thomée trifft nach sieben Minuten, Nol van Berckel in der 16. Minute zum 0:2. Dann gelingt Queck in der 25. Minute der Anschluss. Danach fällt kein Tor mehr, weder vor noch nach der Pause. Dass es beim knappen 1:2 bleibt, schreibt Wikipedia vor allem einem Mann zu: dem »überragenden Torhüter« Adolf Werner.

Die »Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft« fällt ein hartes Urteil über diese Elf: »zweit- bis drittklassige Akteure«. Das ist ein Urteil über eine Notlösung, nicht über einzelne Spieler, und über Umbachs Auftritt verrät keine Quelle etwas. Zum nächsten Länderspiel im März 1911 holt der DFB vier Karlsruher auf einmal, und Deutschland gewinnt 6:2 gegen die Schweiz. Umbach wird nicht mehr berufen.

Immerhin gibt es ein Foto von diesem Tag, aufbewahrt im DFB-Archiv. Elf Männer in einer Reihe, die Arme verschränkt. Der vierte von links ist Josef Umbach.

»Das Team, das am 16. Oktober 1910 in Kleve den Niederländern 1:2 unterlag.«

— Libero D 3 (IFFHS), 1992, Bildunterschrift

Späte Jahre

Nach der aktiven Zeit verlieren sich Umbachs Spuren in den Fußballquellen. Das Lexikon von 1939 führt ihn als Kaufmann mit dem Heimatort M.-Gladbach. Laut Wikipedia, gestützt auf die Mitgliederkartei im Bundesarchiv und einen Artikel der »Zeit« von 2024, tritt er zum 1. April 1933 der NSDAP bei und ist für die Partei als Blockwart tätig. Josef Umbach stirbt am 30. September 1976 in Mönchengladbach.

Josef Umbach auf einen Blick

Geboren: 8.12.1889 in München-Gladbach (Wikipedia: 1888)
Gestorben: 30.9.1976 in Mönchengladbach
Vereine: FC München-Gladbach 1894 (später SC München-Gladbach)
Position: Halbstürmer (im Länderspiel halblinks)
Titel: Westdeutscher Meister 1909
Bilanz: 1 Länderspiel, 0 Tore (1910)
Beruf: Kaufmann
Nationalspieler Nr.: 69 (Debüt 16. Oktober 1910 in Kleve gegen die Niederlande)

Quellen

Libero D 3 (IFFHS, 1992) · Libero Nr. 36 (IFFHS) · Die Deutschen Nationalspieler (1939) · Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft · Kicker-Almanach 1996 · Wikipedia: Josef Umbach · Wikipedia: Richard Queck · Wikipedia: Robert Hense · DFB-Datencenter: Josef Umbach